"Der Gesellenbrief ist die Eintrittskarte für Eure Zukunft!" - so umschrieb Ulrike Lochner-Erhard die Wertigkeit des Berufsabschlusses bei der Winterfreisprechung der Kreishandwerkerschaften aus Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld. Mit der traditionellen Formel "Ich spreche euch frei von den Pflichten der Lehre" entließ die Kreishandwerksmeisterin 39 junge Menschen in eine neue Verantwortung.

Zimmerleute, Schreiner, Maler, Maurer, Straßen- und Stahlbetonmaurer sowie Metallbauer hatten nach zwei- bzw. dreieinhalbjähriger Ausbildungszeit ihre Abschlussprüfung absolviert. Im Wechsel findet die "Winter-Freisprechungsfeier" in Bad Kissingen oder Bad Neustadt statt. Begrüßt wurden die Freizusprechenden, ihre Familien, die Vertreter der Ausbildungsbetriebe und der Berufsschule und die offiziellen Gäste von der Kissinger Kreishandwerksmeisterin Ulrike Lochner-Erhard. Mit der Feststellung, "die Zeit des Berichteschreibens ist vorbei", erzeugte sie beim handwerklichen Nachwuchs einige befreite Lacher in Bezug auf die eher ungeliebte Pflicht. Doch gleichzeitig sprach sie von einem neuen Weg, der sich eröffne und der mit Verantwortung verbunden ist: "Bleibt nicht stehen. Werdet besser! Entwickelt Euch weiter!", so ihr Appell, denn "Roboter können den Handwerker nicht ersetzen".

Keine Angst vor Veränderungen

"Gott schuf Himmel und Erde, den Rest haben die Handwerker gemacht", meinte Michael Rendl als Vertreter der Sparkasse Bad Kissingen, in deren Pavillon die Freisprechung stattfand. Das Handwerk unterliege wie jeder Berufszweig einer ständigen Veränderung, doch davor solle man keine Angst haben, "sondern dies als Chance begreifen".

Für Landrat Thomas Bold ist die bestandene Abschlussprüfung "ein Meilenstein auf dem Lebensweg". Er dankte allen, die dem Nachwuchs in der Ausbildung zur Seite gestanden haben, und wünschte sich, dass möglichst viele der Freigesprochenen in der Region ihre Ziele verwirklichen.

Für die Stadt übermittelte Bernd Czelustek die Glückwünsche zur Gesellenprüfung und sinnierte dabei über die Bedeutung des Wortes "Freisprechung", das im Mittelalter den Übergang in ein Lohnverhältnis markierte "und man zu diesem Anlass den Lehrherrn zum Essen einlud".

Neue Ideen entwickeln

Die Handwerkskammer für Unterfranken war vertreten durch Andrea Sitzmann, die nicht nur gratulierte, sondern sich "frischen Wind und neue Ideen für die Handwerksbetriebe" wünschte. "Handwerker sind individuelle Problemlöser und sie haben einen Bezug zur eigenen Leistung", lautete ihre Abgrenzung zur Industrieware. Die Berufsschulen aus Bad Kissingen und Bad Neustadt waren ebenso vertreten und Schulleiterin Karin Maywald sah in der bestandenen Prüfung nicht nur einen guten Einstieg in das Berufsleben, "sondern er ist auch die Basis für eure persönliche Zufriedenheit". Bruno Werner, Kreishandwerksmeister aus Rhön-Grabfeld, forderte den Nachwuchs auf, dem Handwerk treu zu bleiben und appellierte an die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe: "Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen."

Feierlicher Akt

"Bitte aufstehen" hieß es für den feierlichen Akt der Freisprechung, der die Ausbildung abschloss und gleichzeitig eine neue Herausforderung eröffnete. Nach der Freisprechungsformel übergaben die verantwortlichen Innungsobermeister die Gesellenprüfungszeugnisse an 27 Gesellinnen und Geselle, wobei drei Auszubildende für besondere Leistungen mit einem Buchpreis ausgezeichnet wurden: Jannik Stäblein (Straßenbauer aus Nordheim, SST Straßen- und Tiefbau, Salz), Jannik Katzenberger (Metallbauer aus Bad Königshofen, Stahl- und Metallbau Weigand, Bad Königshofen) und Lukas Springer (Metallbauer aus Hammelburg, Metallbau-Schlosserei Plihal, Hammelburg).

Die größte Gruppe sind in der Winterprüfung die Metallbauer und für die Absolventen hatte sich die Innung unter der Leitung von Obermeister Klaus Engelmann etwas Besonderes einfallen lassen: Neben dem Gesellenbrief erhielt jeder Prüfling ein Polohemd mit einem Katzenkopf als altes Schlosserwappen. Dieses sichtbare Zeichen bezieht sich auf die handgefertigten Schlösser, mit denen man wertvolle Truhen sicherte. In der Werkstattsprache nannte man ein solches Schloss "Katzenkopf" und daraus entwickelte sich Zunftzeichen. In der Historie war damit das Geheimwort "Stück davon" verbunden.

Das Handwerkerzeichen "Katzenkopf"

In der Blütezeit des deutschen Handwerks, als es noch keine Schlossindustrie gab, war die Anfertigung von Schlössern aller Art ein Hauptarbeitsgebiet der Schlosser. Von dieser Tätigkeit her rührt die Berufsbezeichnung "Schlosser". Damals wurden auch jene großen Truhen und Kästen aus Eichenholz oder anderen edlen Hölzern hergestellt, deren kunstvoll aus Eisen geschmiedete oder aus Messing oder Kupfer ausgehauene Beschläge noch heute bewundert werden. Für diese Truhen mit dem Klappdeckel wurde ein Schloss vom Schlosser gebaut, das man "Katzenkopfschloss" nannte. Diese Bezeichnung hat sich bei künftigen Schlossern bis auf den heutigen Tag erhalten. In der Werkstattsprache nennt man ein solches Schloss "Katzenkopf".

Solche Truhenschlösser wurden damals derart viel gebaut, dass sie den Schlossern die Zunftbezeichnung "Katzenkopf" einbrachten. Kam damals ein Schlossergeselle zu einem fremden Meister, um nach Arbeit, oder zum Herbergsvater, um nach einem Nachtquartier zu fragen, so prüften ihn beide auf seine Zunftzugehörigkeit mit der Frage "Katzenkopf?" Und es war Brauch und Sitte, dass der Geselle antwortete "Stück davon!" Diese bescheidene Antwort gab er, weil er eingesehen hatte, dass er als Schlosser niemals auslernen, sondern immer nur ein Stück von diesem vielgestaltigen Handwerk beherrschen konnte, und dass er noch viel lernen musste, um Meister in seinem Beruf zu werden. (Quelle: https://www.metallinnung-ka.de/ihre-innung-karlsruhe/verbandsabzeichen)