In dieser Woche beenden die Winzer im Saaletal ihre Weinernte. Der Termin ragt ungewöhnlich weit in den Herbst hinein. "Ich kann mich in den vergangenen fünf Jahren nicht an so eine späte Lese erinnern", sagt Gerald Baldauf vom Weingut Baldauf in Ramsthal. In der jüngsten Vergangenheit sind eigentlich frühe Erntetermine normal, wie Matthias Büttner erklärt. Der Leiter des Hammelburger Winzerkellers erwartet wegen des Klimawandels auch für die Zukunft eher frühe Lesetermine.

Doch in diesem Jahr hat das Wetter die Arbeit in den Weinbergen hinausgeschoben. Die Ernte begann für die Winzerbetrieb rund zwei Wochen später als gewohnt. Abgesehen von den Federweißer-Sorten, startete die Hauptlese erst Ende September oder Anfang Oktober. "Wir waren das ganze Jahr über spät dran. So war die Blüte zum Beispiel später als sonst", sagt Ulrike Lange vom Weingut Schloss Saaleck.

Schuld ist das kühle Frühjahr. Dafür entschädigten die Herbsttage die Winzer: Sie mussten trotz des späten Lesebeginns die Trauben nicht überstürzt in ihre Keller bringen. Lange: "Wir konnten die Tage ausnutzen und mussten nicht schnell ernten." Der September und Oktober hätten noch einiges rausgeholt, wie Baldauf meint.
Daher sind die Winzer mit dem Erntejahr zufrieden. "Trotz der negativen Vorzeichen überrascht die Qualität", erklärt Baldauf. Sein Betrieb konnte vom Qualitätswein bis zur Auslese alle Qualitätsstufen ernten. Auch die anderen Weingüter im Saaletal konnten das komplette Qualitätsspektrum abdecken. Damit können die Winzer ihr Sortiment vollständig auffüllen.

Der Verlauf des diesjährigen Reifeprozesses der Trauben macht sich im Säuregehalt bemerkbar. Lorenz Neder vom Ramsthaler Weingut Neder und Matthias Ruppert vom Hammelburger Weingut Ruppert sprechen von vergleichsweise höheren Säurewerten. Laut Büttner halten sich diese aber im Rahmen und seien nicht ungewöhnlich.

Auch das Problem der Edelfäule, die bei der Beerenauslese erwünscht ist, bei einem zu frühen Auftreten aber die Qualität mindert, hielt sich offenbar in Grenzen. Nur vereinzelt sorgte der Regen nach der Trockenperiode dafür, dass die Trauben aufquollen und sich bei kompakten Sorten gegenseitig ausdrückten, sodass der austretende Saft zu früh eine Grundlage für den Pilz bilden konnte.

So bringt jedes Jahr für die Winzer wie auch allgemein für die Landwirtschaft neue Herausforderungen. Betriebe wie das Weingut Baldauf oder das Weingut Schloss Saaleck setzen daher auf biologischen Weinbau. Sie wollen nicht nur einen Mehrwert für ihre Kunden bieten, sondern versprechen sich durch die eher vorsorgenden Anbaumethoden stressresistentere Rebstöcke. Es wird erwartet, dass in den kommenden Jahren weitere Winzer dem Trend zum biologischen Anbau folgen werden. Vor allem wenn eine neue Generation Weinberge übernimmt, ist die ökologische Bewirtschaftung kein weltfremder Gedanke mehr.