Nach 26 Jahren Konzert in Hammelburg bot das Heeresmusikkorps wieder Außergewöhnliches. Zur Eröffnung des Konzertes trat als Überraschung die Sopranistin Anja Stegmann vor das Blechbläserensemble. Ihre Stimme erreichte ungeahnte Höhen in "Let the Bright Seraphim" aus dem gewaltigen Oratorium "Samson" von Händel und bot einen starken Kontrast zu den Blechbläsern.

Nach dem klassischen Beginn ertönte "Deck the Halls" - Schmückt den Saal mit Stechpalmzweigen. Schließt den Bund zu frohem Reigen. Das Holzbläserquintett unter der Leitung Hfw Valerie Henning überzeugte die Zuhörer. Im Verlauf des Konzertes, besonders bei P. Taffanels Quintett "1. Satz Allegro con moto" trat Hfw Henning mit ihrer goldenen Flöte virtuos hervor. Typischer französischer weicher, tänzerischer und stimmlicher Bläserklang erfüllte die Kirche.

Die "Toccata und Fuge" von Johann Sebastian Bach, das bekannteste Orgelwerk europäischer Kunstmusik erklang statt mit Streichern, begleitet von Saxophon. Mitreißend dargeboten als Duett meisterten die Hauptfeldwebel Monika Cieplik und André Müller den gewagten Satz. Modern präsentierte sich das Duo als sich Hauptfeldwebel Martin Bergmann am Vibraphon dazu gesellte. Gemeinsam gaben das Trio "A Million Dreams" aus dem Musikfilm "Greatest Showman" zum Besten. Nun zeigte das Klarinettenensemble mit außergewöhnlichen Klängen sein Können. "Fountain of Dreams" von Jun Ishikwa wurde sehr schwungvoll gespielt.

Einfühlsame Klänge

"Gretchen am Spinnrade" von Franz Schubert interpretierte die Sopranistin sehr einfühlsam mit ihrer genialen Stimme. Das bedeutete für die vier Klarinettisten zwar eine große Herausforderung, die sie aber alle bravourös meisterten.

Ein besonderer Ohrenschmaus bot das Quintett gemeinsam mit der wunderschön singenden Anja Stegmann bei dem Lied: "Spiel mir das Lied vom Tod" (Once upon a Time in the West) von Ennio Morricone. Im Film erklang dieses Lied beim Duell zwischen Henry Fonda und Charles Bronson. Erst Stille dann tosender Applaus vom Publikum und einer emotionalen Umarmung für die Leistung der Sopranistin von Hauptfeldwebel Hümmer-Althön, zeugte von der Bewegtheit aller Anwesenden nach dieser grandiosen Darbietung.

Das Blechbläserensemble entführte das Publikum mit dem "Beale Street Blues", den William Christopher Handy 1916 schrieb, nach Amerika. "Frosty the Snowman" kam nicht kühl rüber, nein das Musikstück wurde von weichen und wärmenden Schellenklängen begleitet. Diesen amerikanischen Weihnachtssong schrieben Walter Rollins und Steve Nelson im Jahre 1950.

Das wohl fulminanteste Stück des Abends und auch gleichzeitig das letzte Stück bot die Mischung aus: "The Saints Halleluja" von L. Henderson. Bei dem besonderen Arrangement der beiden geistlichen Stücke: "Saints Go Marchin'In" und dem "Hallelujah" aus dem Messias von Händel zeigte das Blechbläserensemble nochmals eine überragende Leistung.

Stehende Ovationen gab es nicht nur für Orchester und der Solistin. Hauptfeldwebel Hümmer-Althön führte mit einer Souveränität und unglaublicher Professionalität durch das Programm. Er nahm wirklich alle Zuhörer mit auf der musikalischen Reise.

Besinnliche Worte gab der Hausherr und Pfarrer Thomas Eschenbacher vor dem gemeinsamen Abschluss und dem Lied. "Herbei oh ihr Gläubigen" mit auf dem Weg: "Hört auf die leisen Zwischentöne der Menschen. Nicht die lauten Töne sind immer richtig! Miteinander und Füreinander Licht sein".

Anschließend Empfang

Im Anschluss begaben sich Gäste aus Politik, Angehörige der Bundeswehr, Soldaten und Soldatinnen sowie interessierte Gäste zum Empfang in den Bocksbeutelkeller.

Bürgermeister Armin Warmuth bedankte sich bei dem Heeresmusikkorps Veitshöchheim und Anja Stegmann für die Konzerte, welche bereits seit 26 Jahren traditionell aufgeführt werden und doch keine Selbstverständlichkeit sind. Dies zeige die hohe Verbundenheit und Identität der Bundeswehr mit den Bürgern und der gesamten Region. Im kommenden Jahr werden 125 Jahre Truppenübungsplatz gefeiert, kündigte er an. Er dankte den Soldaten und Soldatinnen die sich im Auslandseinsatz befinden und Weihnachten nicht im Kreise ihrer Familien verbringen können.

Brigadegeneral Michael Matz dankte bei der Begrüßung, dass die Stadt Hammelburg diesen Empfang wieder gemeinsam mit dem Ausbildungszentrum Infanterie ausrichtete. Bevor man sich wieder zum Silvesterempfang, am 30. Januar 2020 am Lagerberg wiedersehen würde, gab er bereits einen Rückblick auf das Jahr. Als große Imagekampagne bezeichnete er die Youtube-Serie "Survival" der Einzelkämpferlehrgang, der im April zu sehen war. Das Ausbildungszentrum Infanterie war für vier Wochen das Gesicht der Bundeswehr.

Die Offiziersanwärter des Heeres werden künftig nicht mehr in den Offiziersanwärter-Bataillonen Hammelburg und Munster ausgebildet, sondern dezentral in ihren Bataillonen des Heeres. Der Verband wird dann zu einem Fernmeldebataillon umgegliedert und der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim unterstellt. Bis die infrastrukturellen Voraussetzungen für den Umzug nach Veitshöchheim geschaffen sind, könnte es frühestens im Jahr 2025 soweit sein, schätzt der Brigadegeneral den zeitlichen Ablauf ein.

Zum Schluss, erinnerte er daran dass sich noch immer mehrere tausend Soldaten der Bundeswehr in verschiedenen Regionen der Welt im Einsatz befinden. Sie halten auch während der Feiertage, fernab von Ihren Familien, die Präsenz im Ausland aufrecht und leisten einen wesentlichen Betrag zu Stabilität und Frieden in der Welt.

Es erfolgte noch die Scheckübergabe. Der Erlös des Abends aus dem Konzert ging zu beiden Teilen mit je 1000 Euro an die Stadt zugunsten der Hammelburger Kindergärten und der Soldaten und Veteranenstiftung.