Richtung Süden haben sie die Wanderstrecken und Weinberge von Feuerthal und Hammelburg im Blick. Hier gibt es auch eine inhaltliche Verbindung, die touristisch genutzt werden soll. Nicht weit entfernt vom Feuerthaler Kreuz befinden sich nämlich die ehemaligen Weinberge von Thulba. "Durch diese Lagen sollen dann auch die neuen Wanderwege führen", erläuterte Gerhard Karg, Marketingbeauftragter im Vorstand.

Eine Exkursion durch die früheren Weinberge hat der Verein schon durchgeführt. "Die wurde sehr gut angenommen", so Vereinsvorsitzende Birgitt Blum. Von Anton Schmitt hat sie erfahren, dass es noch bis in die 20er Jahre etliche Winzer in Thulba gab: "Damals soll es dann einen Erdrutsch gegeben haben, bei dem auch ein Weg verschoben wurde. Danach wurde der Weinbau endgültig aufgegeben."

Ferner stieß sie bei ihren Recherchen auf eine Urkunde vom "königlichen Bezirksamt Hamelburg" vom 23. Juli 1885, adressiert an die Gemeinde Oberthulba. "Hierin geht es um die Bekämpfung der Reblaus in den Oberthulbaer Weinbergen", erläuterte Blum. Der Schädling wurde damals von Amerika eingeschleppt und befiel die Rebstöcke in sämtlichen europäischen Weinanbaugebieten.

Ein weiteres geschichtliches Dokument, das Kreisheimatpfleger Roland Heinlein zur Verfügung stellte, listet die im Jahre 1909 existierenden Weinbaubetriebe der Gemeinde auf. Klaus Blum hat noch deutlich weiter in die Vergangenheit zurückreichende Unterlagen entdeckt. Demnach gab es schon 1698 Weinbau am Höfelsberg. "Und in Oberthulba befand sich eine Weinbergslage am alten Berg", hat er beim Studium historischer Karten herausgefunden.

Bildstock stellt hl. Urban dar

Ein heute noch gut sichtbarer Beleg ist der Bildstock, der den hl. Urban darstellt, der hierzulande als Weinheiliger verehrt wird. "Der Bildstock wurde vor zwölf Jahren von den ,56ern‘ renoviert", lobte Birgitt Blum das bürgerschaftliche Engagement für die Heimat.

Gänzlich ausgestorben ist der Weinbau im Markt Oberthulba aber nicht. Werner Marschhäuser bewirtschaftet als Hobby einen kleinen Weinberg in Thulba. Dort wachsen die Rebsorten Müller-Thurgau und Silvaner. In guten Jahren reicht die Ernte für 180 Liter Wein, den er in Eigenregie produziert.

Zweiter Bürgermeister Manfred Manger begrüßt die Initiative des Tourismusvereins zur Schaffung und Anbindung der Wanderwege. Die Gemeinde engagiere sich ja auch sowohl in der Allianz "Kissinger Bogen" als auch bei "Frankens Saalestück". So werde ein Brückenschlag von der Rhön zur Saale möglich.

Zur Ausgestaltung der Wanderwege erklärte Gerhard Karg, dass außer Wegweisern an den früheren Weinbergen Tafeln angebracht werden sollten, die über die Historie des Weinbaus informieren. Die entsprechenden Touren könnten unter dem Titel "Von der Rhön zum Wein" vermarktet werden.

Reizvoll für Gäste sei gewiss auch, dass Wanderungen durch die Kernzone des Biosphärenreservats möglich würden. Auch von einem Höhenweg rund um Oberthulba, bei dem sich die einzelnen Gemeindeteile einbinden ließen, sprach Karg. Hier könnten die Touristen auch Station machen. "Das renovierte Gemeindehaus in Hassenbach zum Beispiel ist bestimmt für viele eine Attraktion", meint er.

Klaus Blum ging auf die Anbindung an die übrigen Nachbarorte und -gemeinden ein. Demnach sollen die Touren an die Wanderwege nach Wittershausen und Aura, im Öhrbachsgrund sowie zum Büchelberg anknüpfen. "Auch eine Strecke, die bis zum Brennerweg in Wartmannsroth führt, ist denkbar", so Blum.

Der Tourismusverein möchte bei seinem Vorhaben auch gern die heimischen Gastronomen und Hoteliers einbinden. Vielleicht lasse sich so auch eine thematisch zu den Wanderungen passende Bewirtung organisieren. "Eine Einkehr mit regionalen Speisen und Getränken gehört eigentlich dazu", bekräftigte Manfred Manger. Auch alle anderen Interessierten sind aufgerufen, ihre Ideen beim Tourismusverein in der Kirchgasse 16 in Oberthulba einzubringen.

Eine Wanderkarte mit den genauen Touren könnte im Laufe des Jahres fertig werden, meinte Vereinsvorsitzende Blum. Wegen eventueller Fördermittel sei es ratsam, das Projekt von "Frankens Saalestück" für einen Weinwanderweg abzuwarten, riet Gerhard Karg. Vielleicht sei es möglich, an dieses Vorhaben "anzudocken".