Ein Leben ohne Torte ist möglich, aber sinnlos: Wenn das mal kein passendes Motto für eine schmucke, kleine Konditorei mit einem ebenso liebevoll eingerichteten Kaffee ist. Vor nunmehr vier Jahren eröffnete Bäckermeisterin Karola Weiglmeier ihre Konditorei "Karos Tortenzauber" in Euerdorf und schreibt bis heute eine Erfolgsgeschichte. Das wichtigste an ihrem Beruf sei die Leidenschaft, meint Weiglmeier. Ob sie sich einmal vorstellen könnte ganz mit dem Backen aufzuhören und lediglich das Geschäft zu managen? "Nein, niemals, höchstens in dem Maße, dass es auch mal zwei Wochen ohne mich läuft. Aber dafür mache ich es einfach zu gern", antwortet sie mit einem Lächeln.

An Berufsschule tätig

Der Entschluss sich in die Selbstständigkeit zu begeben war eigentlich eher aus der Not durch die aktuellen Entwicklungen des Bäckerhandwerks geboren. Zuvor unterrichtete sie an der Berufsschule Bad Kissingen die Bäckerlehrlinge. "Irgendwann war klar, dass es dort nicht mehr weitergehen würde. Ich habe mit 24 Schüler aus zwei Landkreisen angefangen, aufgehört habe ich mit zwei", so Weiglmeier. Nun war die Wahl zwischen berufsfremdem Weg, Großbäckerei oder halt dem Aufbau von etwas Eigenem: "Die Entscheidung war relativ schnell klar, weil Großbäckereien sind nichts für mich." Ob mit angeschlossenem Café oder nicht, ließ sich Weiglmeier zunächst offen, das wollte sie abhängig von den Räumlichkeiten machen. Angst vor der Selbstständigkeit hatte sie nie: "Ich wusste, dass es läuft, weil es ja kaum noch Konditoreien gibt. Zudem habe ich mich ein Jahr im Voraus darauf vorbereitet und natürlich muss man erst eine Marktanalyse machen." Auffallend sei dabei laut Weiglmeier, dass die Kundschaft die ursprüngliche Art ihres Konditorhandwerks schätze: "Viele Leute haben einfach die Nase voll von den Massenprodukten. Das Herkömmliche geht verloren, sobald man eine gewisse Größe erreicht hat. Dann wird mit Backmischungen gearbeitet, in die man lediglich noch Wasser und Sahne gibt." Nur, wenn man herkömmlich produziere, könne man auch den Zuckergehalt steuern. "Viele Kunden kommen und freuen sich darüber, dass meine Produkte nicht so süß sind", so Weiglmeier.

Beispielsweise habe sie es beim Euerdorfer Herbstmarkt einmal mit Schnittchen versucht. "Die wollten die Leute nicht. Für mich als Produzentin ist es praktischer, aber die Kundschaft wurde an Großkonditoreien erinnert", meint Weiglmeier. Auf die Frage, warum sie genau nach Euerdorf gekommen sei, antwortet die Bäckermeisterin, dass sie nie in eine Stadt gewollt hätte. Vor allem die Pachthöhen schreckten viele kleine Handwerksbetriebe ab. Anschließend tendierte sie in Richtung Schweinfurter Raum, fand aber am Euerdorfer Frühjahrsmarkt ein geschlossenes Geschäft in der Hammelburger Straße: "Dann habe ich mir gedacht Euerdorf mit seiner Mittellage zwischen Hammelburg und Bad Kissingen wäre eigentlich nicht schlecht." Gesagt, getan, der Laden wurde gepachtet, ein passender Ofen, Kühlung und weitere Ausrüstung angeschafft und schließlich eröffnet. "Ich hatte ja eigentlich gedacht ich produziere allein, aber das ist ja schon lange nicht mehr aktuell", sagt Weiglmeier, die mittlerweile zwei Arbeitskräfte im Café Petite und einen Lehrling beschäftigt. Geplant ist ein weiterer Umbau, um einen weiteren Konditor anzustellen.

Anstrengende Zeiten

Dennoch und trotz aller Leidenschaft gibt es oftmals sehr anstrengende Zeiten. Das kann sowohl aufgrund vieler Aufträge als auch durch die Abwesenheit von Mitarbeitern bedingt sein. Die Arbeit selbst muss trotzdem gemacht werden und die ist gar nicht so ohne. Denn der Beruf des Konditors verlangt nicht nur Sachkenntnis im Bäckereihandwerk, sondern verbindet ebenso Kundenservice mit Kreativität, um insbesondere ausgefallene Wünsche zu erfüllen: "Manch einer will eine Superheldentorte, andere Regenbögen, es gibt alles Mögliche", schildert Weiglmeier über so manch ungewöhnliche Aufträge. Man wachse irgendwann in alle Bereiche hinein, dennoch sei viel Kreativität gefragt.

Gravierende Tortenunfälle sind ihr hingegen noch nicht passiert. Klar fiel schon einmal eine Torte auseinander, aber im Großen und Ganzen blieb sie bislang schadensfrei. Auf die Frage, ob sie ihre Entscheidung bereue, antwortet Weiglmeier ganz klar mit nein: "Ich würde auch nicht mehr in die Schule zurückgehen, weil das hier etwas ist, woran ich wirklich mit Leidenschaft hänge." So wird es auch in der Zukunft noch Torten aller Art und für jeden Zweck sowie Kuchen aus Karos Tortenzauber geben.

Die Saale-Zeitung berichtet in loser Folge über erfolgreiche Handwerksberufe.