Der Auraer Bürgermeister Thomas Hack (CSU) erinnert sich noch gut an die Aufstellung einer Ampel mitten auf der Staatsstraße 2012: "Der Schock war groß, als plötzlich unsere Straße dicht gemacht wurde", beschreibt er die Stimmung in Aura. In zahlreichen Bürgerversammlung sei das Thema immer wieder angesprochen worden. 2017 waren zwar endlich die Pläne fertig, aber es wurde bereits in der Ortsdurchfahrt Aura und an der sogenannten Schrenk Richtung Wittershausen gebaut. Im Juli 2018 war es dann endlich so weit: Die Bauarbeiten konnten starten. Am Montag gab nun Michael Fuchs, Leiter des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt, die 1,8 Kilometer lange Strecke offiziell für den Verkehr frei.

"Es war ständig Bewegung im Hang", erinnerte Fuchs an den Ausgangspunkt der Sanierung. Die geologische Schichtung und Feuchtigkeit hätten 2012 zur halbseitigen Sperrung der Straße mit Ampelschaltung geführt. Zudem ergaben Untersuchungen, dass zum Teil nur drei Zentimeter Asphalt auf der Straße ist. "Der Aufbau war nicht frostsicher", sagte Fuchs.

Über Jahre wurde nach Lösungen gesucht: Diskutiert wurden unter anderem eine Verlegung der Saale, um eine breitere Böschung aufschütten zu können. "Das wollten wir in Euerdorf nicht", verweist die Euerdorfer Bürgermeisterin Patricia Schießer (CSU) auf negative Auswirkungen für den Hochwasserschutz. Auch eine bis zu sechs Meter hohe Betonwand oder ein Abgraben der Böschung oberhalb der Straße wurden als Varianten untersucht.

Die Lösung brachte am Ende eine sogenannte Raumgitterwand. "Das ist Neuland hier in der Region, das kennt man sonst nur aus den Alpen", sagt der Leiter des Staatlichen Bauamts. Auf einer Länge von 355 Metern sind nun Betonschwellen immer längs und quer in den Hang hinein verlegt. An der höchsten Stelle ist die Konstruktion sechs Meter hoch. Zusätzlich stabilisieren Erdanker die Hang-Absicherung. Alleine die Raumgitterwand habe 2,4 Millionen Euro gekostet, also mehr als die Hälfte der Gesamtsumme von 4,5 Millionen Euro.

Neuer Belag für den Radweg

Laut Rüdiger Köhler, der beim Staatlichen Bauamt für den Landkreis Bad Kissingen zuständig ist, wurden die Betonteile für die Raumgitterwand zum Teil in Österreich hergestellt. Die Zwischenräume wurden mit Mutterboden aufgefüllt und bereits angesät. "Wenn das angewachsen ist, nimmt man die Wand gar nicht mehr als technisches Bauwerk, sondern als Grünfläche wahr", ist sich Michael Fuchs sicher. Der Radweg unterhalb wurde trotz der tiefen Gründung der Raumgitterwand erhalten. Wegen kleinerer Beschädigungen hat das Staatliche Bauamt laut Köhler die Deckschicht des gemeindlichen Radwegs nach Abschluss der Sanierung erneuert.

Die Staatsstraße wurde dagegen komplett neu aufgebaut: Die alte Straße sei zwischen 5,20 und 5,70 Meter breit und ohne Unterbau gewesen. "Die neue Fahrbahn ist durchgehend 6,50 Meter breit plus je 1,50 Meter Bankett und besteht aus 18 Zentimeter Asphalt und 50 Zentimeter Frostschutz-Schicht", sagt Fuchs. Zudem seien zwei Kurven abgeflacht worden. "Damit erhöht sich die Verkehrssicherheit der Autofahrer erheblich", betont Fuchs. Um den künftigen Unterbau zu schützen, wurde hangseitig ein Entwässerungsgraben mit Drainage angelegt.

Hack: "Bestens angebunden"

Die letzte Verkehrszählung vor der Teil-Sperrung habe einen durchschnittlichen Wert von rund 1900 Fahrzeugen pro Tag auf der Strecke ergeben, davon rund 90 Lkw. "Es handelt sich um eine wichtige Verbindung auch aus Richtung Oberthulba", berichtete Bürgermeister Hack. Deshalb sind er und seine Amtskollegin aus Euerdorf froh, dass die Straße nun wieder frei befahrbar und in einem "Top-Zustand" sei. Hack bezeichnete das Projekt sogar als "geistige Erweiterung der Dorferneuerung", weil jetzt von der Schrenk auf der anderen Saale-Seite über die Ortsdurchfahrt bis zum Euerdorfer Gewerbegebiet alles erneuert wurde: "Jetzt sind wir bestens angebunden."

Trotzdem nutzten beide Bürgermeister den Termin mit dem Staatlichen Bauamt, weitere Projekte anzusprechen: Hack den weiteren Verlauf der Staatsstraße oberhalb der Schrenk nach Wittershausen, Schießer den Abschnitt in Richtung Sulzthal. Für die Strecke nach Wittershausen machte Köhler keine Hoffnung auf eine kurzfristige Lösung. Allerdings sei er für die Verbindung zwischen Sulzthal und Euerdorf "vorsichtig optimistisch". Zum Grundstückserwerb habe es "abschließende Gespräche" gegeben, berichtet Köhler. "Aber es ist noch nichts unterschrieben." Es gebe ja bereits einen Vorentwurf mit genauer Trassenführung, es stehe auch fest, dass der Knotenpunkt an der Euerdorfer Linde zum Kreisel umgebaut werde. Allerdings stünden die genaue Planung und naturschutzfachliche Prüfungen noch aus. "Das liegt uns sehr am Herzen", sagte Köhler zur Strecke Sulzthal-Euerdorf. Allerdings wollten weder er noch Fuchs sich auf einen Zeitplan festlegen.

In Richtung Aura hat das Staatliche Bauamt zudem im Rahmen der naturschutzrechtlichen Vorschriften einen 420 Meter langen Uferstreifen der Saale umgestaltet. Unter anderem wurden Mulden angelegt, die bei Hochwasser als Überschwemmungsfläche dienen. Verbaut wurden auch die Felsblöcke, die bei der Sanierung der Straße ausgegraben wurden, sowie Totholz, um neue Lebensräume für Tiere zu schaffen. Gekostet hat die Umgestaltung rund 120 000 Euro.