Der Hauptbelastungszeuge war bereits vor drei Wochen nicht erschienen, daraufhin unterbrach die Richterin die Verhandlung und lud ihn und zwei weitere Zeugen für diese Woche ins Amtsgericht. Die zwei neuen Zeugen kamen, der wichtigste Zeuge jedoch schickte nur ein ärztliches Attest. Deshalb wurde die Verhandlung nach einer Stunde erneut unterbrochen.

Im Juli 2014 lief eine private Geburtstagsfeier aus dem Ruder: Mehrere Soldaten feierten zunächst an einem See und später im Waschraum der Kaserne. Fest steht, dass dabei Sieg-Heil-Rufe aus einem Internet-Video nachgestellt wurden. Die große Frage ist nur, wer alles aktiv mitgemacht hat, wer "Sieg" gerufen und wer "Heil" geantwortet hat: Ein Soldat wurde deshalb bereits zu 45 Tagessätzen verurteilt, ein weiterer akzeptierte einen Strafbefehl, der dritte stand gestern erneut vor Gericht.

Widersprüchliche Aussagen

Der 32-jährige Hauptmann, der die Ermittlungen geleitet hatte, konnte nur zum Teil Licht ins Dunkel bringen: Er hatte den Hauptbelastungszeugen zwei Tage nach der Feier befragt. Dabei ruderte dieser offenbar wieder zurück und relativierte eine Aussage vom Vortrag, denn: Bei einer ersten Vernehmung hatte er den Angeklagten eindeutig belastet. Ein 28-jähriger Hauptmann konnte sich zwar an keine Details erinnern, betonte jedoch, dass der Zeuge das Protokoll gelesen und unterschrieben habe. Wieso er sich einen Tag später anders äußerte, konnte auch er nicht sagen. "Ich war nicht mehr in die weiteren Verfahrensabläufe eingebunden", sagte der Soldat, der mittlerweile nicht mehr in Hammelburg stationiert ist.

Der Haupt-Ermittler berichtete, dass er nach dem Vorfall für drei Soldaten, darunter den Angeklagten, die Entlassung aus der Bundeswehr beantragt habe. Der Hauptbelastungszeuge - ein Zeitsoldat - sei entlassen worden, weil er bereits wegen eigenmächtiger Abwesenheit von der Truppe aufgefallen sei. Bei einem Freiwillig Wehrdienstleistenden und beim Angeklagten sei von der Entlassung abgesehen worden. Gegen den Angeklagten sei jedoch eine Geldbuße von 1500 Euro erhoben worden, gegen die dieser keinen Widerspruch einlegte. Dazu und zum Fall insgesamt verweigert der Angeklagte die Aussage.

Auf Nachfrage des Strafverteidigers sagte der Zeuge: "Ich weiß, dass es ein Dummer-Jungen-Streich war, aber es haben eben auch andere Soldaten mitbekommen." Dass sich die Rufe auf ein Internet-Video aus den 1970er Jahren bezogen, habe er in seine Beurteilung miteinbezogen, aber: "Ich kann nicht in den Kopf reinschauen", verteidigte er seine Entscheidung, die Entlassung zu beantragen. Sein Fazit: "Ich ging davon aus, dass kein rechtsradikales Gedankengut dahinter steckt." Die abschließende Beurteilung habe er allerdings dem Militärischen Abschirmdienst überlassen.

Fortsetzung für 14. April angesetzt

Klar wurde in der Verhandlung erneut, dass alle Beteiligten erheblich alkoholisiert waren. Am ersten Verhandlungstag hatte sich ein 21-jähriger Zeuge auf Erinnerungslücken berufen und eine belastende Aussage zurückgezogen, was ihm eine Ermittlung wegen Falschaussage einbrachte. Die Richterin setzte nun eine erneute Verhandlung für den 14. April an. Der Verteidiger deutete jedoch an, dass er mit seinem Mandanten über eine Rücknahme des Einspruchs reden wolle - auch weil das Verfahren durch die Anreise von Zeugen bis aus Hamburg immer teurer werde.

Den Bericht vom ersten Verhandlungstag finden Sie hier.