Totgesagte leben länger. Acht Jahre sind seit den Existenzsorgen um das Kugelfischer-Zweigwerk Elfershausen (heute Schaeffler) vergangen. Die Probleme sind vergessen. Der Betrieb ist ein festes Standbein im Gesamtkonzern.

"Die Auslastung ist gut", so Martin Adelhardt, Leiter für Kommunikation und Marketing (Schweinfurt). Knapp 300 Mitarbeiter leisten 18 Schichten pro Woche. Produziert werden hauptsächlich Kugellager bis zu einem Durchmesser von 28 Zentimetern und Federbeinlager.

"Seit 2006 hat sich die Produktionsleistung fast verdoppelt", freut sich Adelhardt. Dies ist auch auf einen Standortsicherungsvertrag zurückzuführen. Ihn hatten Belegschaft und Unternehmensleitung ausgehandelt. Darin verpflichteten sich die Beschäftigten zu fünf Stunden freiwilliger Mehrarbeit in der Woche. Im Gegenzug gab es eine Beschäftigungsgarantie für 300 Mitarbeiter (mit zehn Prozent Schwankung nach unten). 2011 wurde die Vereinbarung bis 2020 verlängert.

Sechs neue Fertigungslinien
Mit Verweis auf die gewonnene Planungssicherheit investiert das Unternehmen kräftig. So nahm Schaeffler 2013 eine neue Kühlmittel-Schmierstoffanlage in Betrieb. Sie kostete alleine 800 000 Euro.

In den kommenden Jahren wird das Produktionssegment Rillenkugellager weiter deutlich ausgebaut. "In den kommenden Jahren sind sechs neue Schleif- und Montagelinien für Rillenkugellager geplant." Die erste Linie steht bereits. Je nach wirtschaftlicher Entwicklung sollen die weiteren Linien folgen. Insgesamt handelt es sich um Investitionen im unteren zweistelligen Millionenbereich.

Auch soll für Gebäude Geld ausgegeben werden. Sanierungsbedürftig ist das Dach der Produktionshalle. Augenscheinlichste Neuerung wird der Abriss des Fabrikschornsteins sein. Er ist baufällig und soll in diesem Jahr fallen. Überflüssig wird er, weil nicht mehr mit Schweröl geheizt wird. Als Ersatz wird es einen Edelstahl-Kamin geben.

Eine Herausforderung stellt die Rentenpolitik für das Werk dar, sagt der neue Werksleiter Lars Nielszarski. Durch die Rente mit 63 werde man Jahr für Jahr zusätzlich jeweils zehn bewährte Mitarbeiter verlieren. Pro Jahr beginnen zwei Schulabsolventen eine Ausbildung zum Industriemechaniker oder Mechatroniker.

Nielszarski leitet das Werk seit April. Der gebürtige Bremer wohnt in Bad Kissingen. Über eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei den Stahlwerken Bremen, Studium an der Fachhochschule Wedel und ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung an der University of Stellenbosch Business School durchlief der 37-Jährige seit 2009 verschiedene Positionen bei Schaeffler und war zuletzt Leiter der Produktion im Werk Gunzenhausen. Er hat die C-Lizenz als Basketballtrainer und wurde 2000 mit dem Sonderpreis der Ausländerbeauftragten beim Bremer Jugendpreis "Dem Hass keine Chance" ausgezeichnet. Wolfgang Dünnebier