Im Rahmen des BN-Umweltbildungs-Projekts "Unser Essen - unser Klima" fand am Wochenende auf dem Naturlandbetrieb Klingenhof der Familie Erhard in Waizenbach eine Hofbesichtigung statt. Im Namen der Kreisgruppe des Bund Naturschutz begrüßte Simone Hepp dabei trotz unbeständigen Wetters über 40 Besucher, darunter zahlreiche Kinder.

Vor zehn Jahren stellte die Familie den Betrieb auf biologische Landwirtschaft um. "Wir wollten nicht alles, was wir eingenommen haben im Jahr darauf wieder für Spritzmittel ausgeben", erläutert Andreas Erhard die Gründe für den Umstieg. Die Familie bewirtschaftet im Vollerwerb einen Mutterkuhbetrieb und hat zusätzlich vor zwei Jahren noch mit der Hühnerhaltung begonnen. Außerdem bauen die Erhards Weizen, Roggen und Kartoffeln an.

Mit Zugang zu einer Weide

Nach einem kleinen Spaziergang konnten die Teilnehmer einen Teil der Weiderinder im Offen-tretmiststall besuchen. In diesem Stall, der nach offiziellen Naturlandvorgaben bis zu 60 Mutterkühe mit Kälbern fassen kann, halten die Erhards 45 Mutterkühe samt Kälbern.

"Wir hatten erst mehr Tiere hier, aber das war uns zu viel Gewusel. Die Euter waren dreckig und man hat gemerkt, dass es insgesamt doch recht unruhig war. Wir wollen, dass es den Tieren gut geht. Mit weniger Tieren ist es hier wesentlich friedlicher", führt Andreas Erhard aus. Angeschlossen an den Offentretmiststall liegt die Weide. Die Kühe können selbst entscheiden, ob sie nach draußen gehen, oder doch lieber drin bleiben. Zugefüttert wird mit Kleegras von den eigenen Wiesen. Im Gegenzug geben die Kühe Mist und Gülle, was wieder auf den eigenen Acker ausgebracht wird.

Direkt neben dem Kuhstall und der Weide befindet sich das Hühnermobil Marke Eigenbau. Der mobile Hühnerstall bietet den Vorteil, dass, sobald eine Fläche abgefressen ist, die Tiere auf eine neue umgesetzt werden können. Zum Eierlegen steigen die Hühner die kleine Leiter zum Hühnermobil hinauf. Dort durften die anwesenden Kinder im Innern des Mobils den Hühnern beim Eierlegen zusehen.

Ackerbau

Im Anschluss an die Tierhaltung konnten sich die Besucher des Hoftages noch einen Eindruck vom Ackerbau verschaffen. Naturlandberater Stefan Veeh stellte dabei die Rolle der Humusbildung in den Vordergrund, die nicht nur für einen biologisch wirtschaftenden Betrieb wichtig ist, sondern auch im konventionellen Anbau immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Momentan gibt es hier in der Region keinerlei Absatzmöglichkeiten für das Biofleisch der Familie. Der Betrieb hat sich deshalb mit anderen Landwirten aus der Rhön zusammengetan, um das Fleisch gemeinsam in einem Laden in Fulda zu vermarkten. "Natürlich wäre es uns lieber, das Fleisch noch regionaler anbieten zu können, aber das geben die Strukturen und die Nachfrage im Moment noch nicht her", so Vater Ludwig Erhard. So müsse erst eine geeignete Metzgerei gefunden werden, die das Fleisch auch abnimmt. Doch davor schrecken noch viele zurück, da an einem solchen Schritt neben dem Absatz auch wieder bürokratischer sowie zum Teil auch baulicher Aufwand hänge. Simone Hepp dankte den Besuchern und Familie Erhard für den gelungenen Nachmittag und wies noch auf die Hauptveranstaltung des Umweltbildungsprojekts in Zusammenarbeit mit der AÖL (Assoziation Ökologischer Lebensmittelhersteller) am 20./21. September in Hammelburg hin, bei der es Referate, Workshops und Infostände zur Biodiversität, Nahrungsproduktion und dem Verbraucherverhalten geben wird.

Die Besucher konnten nach der Führung den Nachmittag noch gemütlich mit Kaffee und Kuchen in der Hofscheune ausklingen lassen und sich im Hofladen mit Eiern, Nudeln und Apfelsaft eindecken. red