Die Trennung fällt sowohl dem Arzt als auch manchem Patienten schwer. Viele haben in den vergangenen Tagen die Praxis am Marktplatz aufgesucht, nur um Roland Wiedmann in den Ruhestand zu verabschieden. Nach 40 Jahren als Allgemeinmediziner in der Stadt hängt der 71-Jährige seinen Arztkittel an den Haken.

"Ich wollte so lange weitermachen, bis ich einen Nachfolger finde", sagt Wiedmann. Das war aber gar nicht so leicht. Erst Ende November traf er beim Gründerforum der Kassenärztlichen Vereinigung in Würzburg auf Jascha Hellberg. Dieser ist nun in die Gemeinschaftspraxis mit Lothar Klehm eingestiegen.

Hellberg stammt aus Hessen. Er wurde in Eschwege geboren und ging dort zur Schule. Danach studierte er in Magdeburg, Tübingen und Heidelberg, wo er auch promovierte. "Dann bin ich durchs Land gezogen", sagt Hellberg. Unter anderem verschlug es ihn einmal nach Bad Neustadt. Zuletzt arbeitete der Mediziner in einer Hausarztpraxis in seiner hessischen Heimat in Bad Sooden-Allendorf.

Seine Frau stammt aber aus Unterfranken. "Wir haben uns schon seit einiger Zeit gewünscht, nach Unterfranken zurückzukehren." Auch wenn es zunächst nicht unbedingt Hammelburg sein sollte, wie Hellberg zugibt. Aber er hat nichts dagegen aufs Land zu ziehen. "Das Leben auf dem Land ist angenehm", sagt Wiedmann. Er weiß aber: "Auf´s Land will keiner mehr." Als Einzelkämpfer würde er es auch keinem Kollegen empfehlen. "Das Stichwort Gemeinschaftspraxis ist entscheidend", meint Hellberg. Und Wiedmann fügt hinzu: "Die Unterstützung durch den Ehepartner ist ebenfalls wichtig." Seine Frau Heidi stand ihm denn auch die ganzen Jahre über als Arzthelferin zur Seite.

Arzt und Geigenbauer

Mit 37 Jahren ist Hellberg der jüngste niedergelassene Arzt in Hammelburg. Von den 20 Hausärzten im Planungsbereich Hammelburg, der mit dem Altlandkreis deckungsgleich ist, sind laut der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern elf älter als 59 Jahre und acht älter als 63 Jahre. Mit den 20 Stellen gilt der Hammelburger Raum in Relation zur Bevölkerung mit einem Versorgungsgrad von 122 Prozent als überversorgt. Bei dem Durchschnittsalter ist allerdings absehbar, dass in den nächsten Jahren nach und nach Ärzte aufhören werden. Das erwartet Hellberg.

Er übernimmt auch den Notarztdienst. Wiedmann war 35 Jahre lang Notarzt. Er stand von Montag sechs Uhr bis Mittwoch acht Uhr zur Verfügung. Als Wiedmann bereits im Dezember den Notarztdienst niederlegte, öffnete sich für kurze Zeit eine Lücke in der Versorgung.

Den neuen Arzt können aber nicht nur Patienten mit gesundheitlichen Problemen ansprechen. Hellberg ist als gelernter Geigenbauer auch Experte für die Reparatur von Klangkörpern. Er habe zu seinem Arztberuf etwas Handwerkliches gebraucht, erklärt er. Daher habe er parallel zur Medizinerausbildung als Geigenbauer gelernt. Hellberg: "Ich konnte mich zwischen beiden Tätigkeiten nicht entscheiden." Zusätzlich zur Praxis wird sich der Arzt eine Werkstatt einrichten.