Dass er an Automodellen der Premiumklasse herumschrauben konnte, gefällt Piotr Miroszewski. Zusammen mit seinen Mitschülern Mateusz Walkosz und Kristian Zygadło hat der 17-Jährige zwei Tage lang in der Ausbildungswerkstatt der Infanterieschule praktische Erfahrungen gesammelt. "Wir haben an Motoren montiert und Räder ausgewuchtet", sagt Piotr Miroszewski. Eine Autoinspektion sowie Wechsel von Bremsen und Radlagern waren weitere Aufgaben, wie Martin Stürmer, Leiter der Ausbildungswerkstatt, erklärt.

Die drei Schüler gehören zu einer Gruppe von 13 jungen Leuten aus der polnischen Stadt Swidnica, die rund eine Woche im Landkreis verbrachten. Die Berufsschule Bad Kissingen unterhält seit drei Jahren einen Austausch mit der Berufs- und Berufsoberschule in Swidnica.

Die Ausbildungswerkstatt der Infanterieschule unterstützt die Kooperation, indem sie Plätze für die Besucher aus Swidnica bietet. So waren bereits im vergangenen Jahr zwei polnische Schüler in der Ausbildungseinrichtung zu Gast. Außerdem wurde die gesamte Delegation wieder auf dem Lagerberg untergebracht.

Martin Stürmer ist von den drei polnischen Schülern, ihrer Lernbereitschaft und Motivation begeistert. Er habe sie sehr gerne in seiner Werkstatt aufgenommen. Stürmer kann sich daher vorstellen, den Austausch noch zu erweitern. Er möchte zweimal im Jahr bis zu drei jungen Polen die Möglichkeit geben, sechs bis acht Wochen lang in der Ausbildungswerkstatt Berufspraxis zu gewinnen.

Damit das klappt, muss die polnische Seite aber noch einige rechtliche Fragen mit der Schulverwaltung klären, wie Direktor Krzysztof Anklewicz sagt. Denn es ist zum Beispiel noch ungewiss, ob so ein mehrwöchiges Praktikum den polnischen Jugendlichen für die Schule auch anerkannt werden kann.

Die Ausbildung ist im Nachbarland anders gestaltet als in Deutschland, die duale Komponente ist nicht ausgeprägt. Die jungen Leute haben nur einen oder zwei Tage in der Woche Praxis in einem Betrieb. "Es gibt auch keinen Vertrag und sie werden nicht bezahlt", sagt Anna Forys-Musik. Die Lehrerin, die in Swidnica Deutsch unterrichtet, begleitet die Delegationen als Übersetzerin.

Die Verständigung war für Piotr Miroszewski aber "nicht schwierig". Er habe deutsch oder englisch gesprochen. Die Berufsschule in Swidnica bietet zum allgemeinen Deutschunterricht eine freiwillige Zusatzstunde, in der die Schüler berufsspezifische Wörter und Ausdrücke lernen.

In der Ausbildungswerkstatt auf dem Lagerberg stand den drei polnischen Jugendlichen jeweils ein deutscher Lehrling zur Seite. In Zweiergruppen galt es, die Aufgaben zu erfüllen.

Gerade für so einen Austausch sieht Martin Stürmer die Ausbildungswerkstatt als idealen Partner: "Wir sind im Gegensatz zu einer Firma flexibel, weil wir uns nicht nach Kundenaufträgen richten müssen." Die Einrichtung der Infanterieschule ist eine reine Ausbildungsstätte. "Wenn die Schüler Pech haben, müssen sie in einer normalen Autowerkstatt im Herbst den ganzen Tag nur Reifen wechseln", sagt der Leiter der Ausbildungswerkstatt.
Er überlegt, der polnischen Schule eines der neueren Automodelle zu überlassen. Doch auch dafür muss zunächst noch das richtige Prozedere gefunden werden. Dann können die Schüler in Swidnica nicht nur am Fiat 126, am Polonez oder an einem Skoda schrauben.