Seit ungefähr sechs bis acht Jahren gibt es immer wieder Pläne, was aus dem Gelände an der Jedicke-Villa werden könnte. Nun hat das Unternehmen consello projektmanagement der Gemeinde ein Bebauungskonzept für die mehr als 10 000 Quadratmeter große Fläche an der Quellenstraße vorgelegt, das aus dem Rahmen fällt.

Eine Animation zeigt die Fahrt durch ein Wohngebiet, das mehr nach einer Siedlung in einem städtischen Vorort als nach einem Wohnareal auf dem Lande aussieht. Das Konzept umfasst sieben Mehr-Familien-Häuser. Jedes hat drei Geschosse mit je zwei etwa 75 Quadratmeter großen Eigentumswohnungen. Darüber kommt jeweils noch eine Penthouse-Wohnung, sodass die sieben Häuser insgesamt 49 Wohneinheiten bieten würden.

Viel Holz und große Fensterflächen prägen die kubusförmige Architektur. Von einem "leicht urbanen Charakter" spricht Gotthard Schlereth (CSU/Freie Wähler). Der Bürgermeister von Oberthulba sagte bei einem Pressegespräch: "Das ist eine Wohnform, wie es sie in unserer ländlichen Gegend bisher nicht gibt."

Consello projektmanagement entwickelt eigenen Angaben nach "Immobilienstandorte und Immobilien für die Bereiche Tourismus, Wohnen- und Sozialimmobilien in Deutschland, Österreich und der Schweiz". Aktuell wirbt das Unternehmen im Internet mit dem Bau eines Ferienressorts in Inzell.

Das Unternehmen muss für sein Bauvorhaben die Fläche an der Quellenstraße zunächst einmal kaufen. Denn sie gehört der Royal Real Estate S.A. Das in Luxemburg eingetragene Unternehmen hatte sie vor Jahren erworben. Laut Bürgermeister besteht Verkaufsbereitschaft. Dabei wollte die Royal Real Estate in den vergangenen Jahren das Gelände, auf dem das verlassene Haus des früheren Textilfabrikanten Jedicke steht, selbst entwickeln.

Zunächst war ein Seniorenheim geplant. Dann sollten auf dem Gelände Ein-Familien-Häuser vermarktet werden. Dafür wurde der über die Jahre verwilderte Park an der Villa vor mehr als einem Jahr gerodet. Doch die Pläne der Royal Real Estate scheiterten wohl an zu hohen Preisvorstellungen, wie zu hören ist. So ist jetzt consello projektmanagement ins Spiel gekommen.

Nachdem die Pläne den Gemeinderäten bereits vor zwei Wochen vorgestellt worden waren, konnten sie am Dienstagabend noch einmal diskutieren. "Es ist ein interessantes Projekt, um das brach liegende Grundstück endlich zu nutzen", sagte Frank Mersdorf (CSU/ Freie Wählergemeinschaft). Das war auch der allgemeine Tenor im Gemeinderat. Alexander Muth (Bürgervereinigung Thulba) fragte allerdings, ob Oberthulba Klientel für solche Wohnungen anziehen kann. "Ich glaube schon, dass es perspektivisch einen Markt dafür gibt", erwiderte Mario Götz (Freie Wählergemeinschaft). Er nannte als Beispiel ältere Leute, die nach Auszug der Kinder kein Eigenheim mehr alleine unterhalten wollen.

Schlereth sprach von einem Bedarf an Wohnraum, zumal Privatleute freie Bauparzellen nicht verkaufen wollen, weshalb sie unbebaut liegen. Dennoch bleiben Fragen. Zum Beispiel: Werden die Anwohner der benachbarten Eigenheimsiedlung die bis zu 14 Meter hohen Häuser akzeptieren? Aufgrund der Hanglage könnte es Diskussionen geben. Die Gemeinde müsste für das neue Wohngebiet außerdem den Kanal in der Quellenstraße verbessern. Den Gemeinderäten stellte sich zudem die Frage nach den Investoren und Referenzen. So gilt es für die Gemeinde, weitere Details in Erfahrung zu bringen. "Blauäugig werden wir nicht rangehen", sagte Schlereth.

Um alle Fragen zu erläutern, will die Gemeinde insbesondere die Anlieger vorgezogen beteiligen. Im September wird daher eine Bürgerversammlung zu dem Vorhaben stattfinden.