Erstmalig veranstalteten die christlichen Gemeinden aus der Saalestadt und Bad Brückenau eine gemeinsame "Nacht der offenen Kirchen", eine ökumenische Nacht, die den Besuchern eine besondere Darstellung der Gotteshäuser vermittelte und Gelegenheit zum Zuhören, Schauen, Meditieren aber auch für Gespräche bot.
In Hammelburg standen sieben Kirchen und Kapellen für einen Besuch zur Verfügung. Gut beraten war, wer Schwerpunkte wählte, denn die vierstündige Öffnungszeit und die Wege, beispielsweise zum Kloster Altstadt und zur Steinthal-Kapelle, setzte Grenzen.
Vom Marktplatz, auf dem ein Pavillon für Gespräche und Informationen bereitstand, führte ein Fackelzug zum Wallfahrtskirchlein Maria Steinthal, wo ein Lagerfeuer zum Backen eines Stockbrots, eine Andacht und eine Licht-Jonglage sowie ein Workshop die Wanderer erwartete. Die meist jüngeren Teilnehmer bildeten nur eine relativ kleine Schar, da zum Start der Regen einsetzte. Die von Kerzen erhellte Klosterkirche lud zur Anbetung, Stille und Musik mit Regionalkantor Peter Rottmann an der Orgel ein. In der Seitenkapelle gab es die Möglichkeit zum Gespräch mit Pfarrvikar Alexander Berger oder zur Beichte.
In der Bürgerspitalkirche erläuterte Gästeführerin Christiane Schmid den vielen Besuchern die Geschichte und Bedeutung der Kirche. Der Chor St. Johannes, Eberhard Schmitt (Orgel, Oboe) Claudia Mehling (Querflöte), Maria (Lyrik) und Friedbert Heckmann (Saxophon) und Matthias Uebel (Gesang und Gitarre) gaben dem Abend seinen musikalischen Rahmen mit teils klassischen Klängen und Liedern und Stücken. Die Hospizgruppe Hammelburg wählte Gespräche über Tod und Leben als Thema und vermittelte einen Einblick in Erfahrungen aus der Sterbe- und Trauerbegleitung.
Ein "Highlight" im wörtlichen Sinne erfuhr, wer in der Stadtpfarrkirche St. Johannes verweilte. Nach dem Leitsatz "Zeugen des Lichts - Zeugen des Glaubens" empfing die staunenden Besucher ein in Blau, Rot-Orange und Gelb getauchtes Kirchenschiff zur Orgelmusik von Kantor Dieter Blum. Zeugen des Glaubens waren Texte von Edith Stein, Pater Alfred Delp, Dietrich Bonhoeffer, Pater Maximilian Kolbe und Antoine Leiris. Eine wahrhaft seltene Erfahrung. Nur ein paar Meter weiter wartete die Ölbergkapelle aus dem Jahr 1461, die die Ölbergszene darstellt als Raum der Stille.
In der evangelischen Kirche St. Michael referierte Dekan a. D. Michael Wehrwein in Kurzreferaten über Glaube, die Heilige Schrift, die Gnade und Christus. Eine Ausstellung der Designerin Katharina Bernhardt zu den Liedern des Reformators Martin Luther - Collagen und Liedtexte - zierte den rückwärtigen Teil des Gotteshauses. Zwischen Luther'schen Liedern, die Pfarrer Robert Augustin einspielte und der meditativen Orgelmusik von David Reß fand sich auch Zeit für Gespräche bei Snacks und Getränken.
In der nur selten geöffneten Stiftskapelle im Friedhof hörten die Besucher "Lebensgeschichten aus der Bibel - So wie im richtigen Leben", die Pfarrer Edwin Erhard vortrug und die Themen wie Familien-Konflikte, den Aufbruch in die Freiheit, die Lebensregeln und Gott ist die Liebe beinhalteten. Auch Bürgermeister Armin Warmuth rezitierte hier einen Text.
Lobpreis und moderne, christliche Lieder zum Mitsingen sowie Texte aus dem Johannes-Evangelium, der Bergpredigt und Psalmen hielt die Freie Christengemeinde in ihrem Raum in der Bahnhofstraße bereit. Christian Leitschuh sang hier zur Gitarre Lobpreisungen mit biblischen Texten. Auch hier konnten die Besucher Gespräche zu Erfrischungen führen.
Den Abschluss der Nacht der offenen Kirchen feierten die Christen um Mitternacht auf dem Marktplatz mit Glockenläuten und Musikstücken eines Ensembles der Stadtkapelle, die zuvor im Pfarrzentrum ein böhmisches Konzert gab. Im Schein entzündeter Kerzen schlossen Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher und die Gekommenen den außergewöhnlichen Abend mit einem Gebet ab.