Seit rund 20 Jahren verbreitet sich das Genre Improvisationstheater, kurz Impro, auf der ganzen Welt. In Würzburg gab es von Anfang an eine aktive Szene, beginnend mit den "Beutelboxern", 2002 fand das erste internationale Improtheater-Festival statt. Das hat auch Lena Försch aus Neubrunn bei Würzburg geprägt. "Mit 15 Jahren habe ich angefangen", erzählt die 29-Jährige. Mittlerweile hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht: Sie studierte Sprecherziehung und Sprechkunst, leitet mit einer halben Stelle das Würzburger Improtheater-Festival und ist als Coach weltweit unterwegs: "Ich war gerade sechs Wochen in Dubai, davor in Kolumbien", erzählt sie in der Pause eines Workshops im Ramsthaler "Haus Erlebenskunst".

"Haltet es einfach"

"Haltet es einfach", lautet einer der Ratschläge von Lena Försch während der Übungen, und: "Wir müssen nicht immer wahnsinnig komplizierte Geschichten erfinden und alles künstlerisch aufbereiten." Außerdem sei Impro immer auch Teamarbeit: "Es geht um die Geschichte und nicht um euer eigenes Ego", sagt die 29-Jährige und fordert die Spieler auf, mutig in die Szenen zu gehen. Auf der Bühne sollten sich die Spieler vor allem immer gegenseitig helfen: "Wenn jeder für den anderen sorgt, ist für alle gesorgt", gibt Lena Försch als Devise aus.

"Impro ist für mich Loslassen, Kopf aus, Bauch an, Leichtigkeit und Lebensfreude", sagt Luisa Hämel aus Wittershausen. Die 26-Jährige hat vor drei Jahren den Spaß am spontanen Geschichten-Erzählen in Ramsthal entdeckt. Vor einem Jahr verabschiedete sie sich dann in eine Baby-Pause. "Durch den Workshop habe ich wieder Lust bekommen, ich habe vor, wieder regelmäßig zu kommen." Sie habe auch viele wertvolle Tipps mitgenommen: "Mir fällt es viel leichter, eine Geschichte weiterzuerzählen, wenn Emotionen dabei sind und ich mich bewege", nennt sie als Beispiel. Auch Julia Herrle (34), die die Gruppe 2014 ins Leben rief, pausiert seit der Geburt ihres Sohnes. Für den Kurs mit Lena Försch nahm sie sich einen Abend und einen ganzen Tag Zeit. "Das hat richtig Spaß gemacht", kommentiert sie die Übungen in der Gruppe.

Keine Texte auswendig lernen

Acht regelmäßige Teilnehmer hat die Ramsthaler Impro-Gruppe aktuell, bunt zusammengewürfelt aus Männern und Frauen, älteren und jüngeren Spielern. Weil eine weitere Babypause ansteht und es immer mal wieder Wechsel gibt, suchen sie aber Nachwuchs. "Man muss weder besonders kreativ, noch eine Rampensau sein, wichtig ist nur der Spaß, in andere Rollen zu schlüpfen", fasst die aktuelle Leiterin Katrin Schmitt (38) die Voraussetzungen zusammen. Wichtig sei die Freude am Spielen und am "heiter Scheitern". Schauspiel-Erfahrung sei keine Voraussetzung und der Vorteil am Impro-Theater sei, dass die Spieler keine Texte auswendig lernen müssen.

Ganz ohne Regeln geht es aber auch nicht: Beim Impro gibt es oft vorgegebene Formen, zu denen das Publikum dann noch ein Genre, einen Ort oder die Beziehung zwischen den Schauspielern vorgibt. "Wir machen viele Übungen", fasst Katrin Schmitt den üblichen Ablauf der wöchentlichen Trainings zusammen. Der Ramsthaler Gruppe ist wichtig, eine "entspannte und wohlwollende Atmosphäre" zu schaffen, in der jeder herausfinden könne, ob er vielleicht irgendwann auch bei einem der Auftritte mitmachen will: "Es geht darum, ein Stück weit an sich selbst und an der Gruppe zu wachsen", sagt Katrin Schmitt.

Lob von der Expertin

Der Ramsthaler Gruppe macht Lena Försch ein Kompliment: "Das ist eine nette Truppe, die sich mutig ins Ungewisse schmeißt", fasst sie ihre Eindrücke aus dem Kurs zusammen. Wer dabei mitmachen will und mindestens 18 Jahre alt ist, kann sich an Leiterin Katrin Schmitt wenden: entweder eine Mail an katrin.maria.schmitt@icloud.com oder telefonisch unter 0151/22259097.