Der Verkehr auf der Staatsstraße 2290 zwischen Euerdorf und Aura rollt bereits seit Herbst wieder, endgültig abgeschlossen ist die Baumaßnahme allerdings erst seit kurzem, denn: Als Ausgleich renaturierte das Staatliche Bauamt einen rund 400 Meter langen Abschnitt der Saale in der Nähe des Euerdorfer Schützenhauses. Für den Laien sieht der Bereich wüst aus. "Das Chaos ist durchaus gewollt", betont Rüdiger Köhler, Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt.

21 neue Nistkästen

Die Saale-Renaturierung war eine von zwei Ausgleichsmaßnahmen für den Straßenausbau: Als Ersatz für gefällte Höhlenbäume wurden 2018 bereits 21 Nistkästen aufgehängt: acht für Fledermäuse und 13 für Vögel. Die Kästen hängen entlang des Radwegs und der Saale sowie im Waldstück oberhalb der Staatsstraße. Der Straßenbau startete dann im Juli 2018: Nach sechs Jahren Teilsperrung mit Ampelschaltung wurde die 1,8 Kilometer lange Strecke durchgehend 6,50 Meter breit ausgebaut. Zur Sicherung des Hangs ließ das Staatliche Bauamt eine 355 Meter lange sogenannte Raumgitterwand errichten, wie sie sonst eher in den Alpen zum Einsatz kommt. Die bis zu sechs Meter hohe Konstruktion ist zusätzlich mit Erdankern hintersichert. Alleine die Raumgitterwand kostete laut Bauamt 2,4 Millionen Euro, insgesamt investierte der Freistaat 4,5 Millionen Euro in den Ausbau.

Gut 100 000 Euro davon entfallen auf die Ausgleichsmaßnahmen. "Wir haben kein Öko-Konto wie Kommunen, wir müssen jede Maßnahme zeitnah ausgleichen", berichtet Köhler zum Ablauf, und: "Es wird immer schwieriger, geeignete Flächen zu finden." Art und Umfang der Ausgleichsmaßnahmen lege immer ein Fachbüro fest: "Zunächst geht es darum, wie wertvoll die Flächen sind, die wir versiegeln", sagt Köhler. Umgekehrt gebe es eine Bewertung, welche Flächen wie aufgewertet werden. Besonders viele Punkte gebe es natürlich, wenn eine intensiv landwirtschaftliche Fläche renaturiert wird. "Das bedeutet natürlich, dass wir diese Flächen aus der Nutzung nehmen", sagt Köhler.

Unterhalb der Staatsstraße

Bei manchen Vorhaben gebe es sogar Auflagen für den Ort der Ausgleichsmaßnahme: "Beim vierspurigen Ausbau der B 286 bei Schweinfurt mussten wir in den Bannwald eingreifen, dort müssen wir auch wieder direkt angrenzende Waldflächen neu anlegen", nennt Köhler als Beispiel. In Aura sei die räumliche Nähe dagegen Zufall gewesen: "Das Wasserwirtschaftsamt plant hier eine abschnittsweise Renaturierung der Saale", berichtet Köhler. Die Behörde hatte bereits die nötigen Flächen erworben, das Staatliche Bauamt zog nun einfach eine Maßnahme vor, die das Wasserwirtschaftsamt erst in einigen Jahren hätte umsetzen können.

"Beim Straßenbau sind wir auf felsigen Untergrund gestoßen, die Steine haben wir hier direkt wieder verbaut", verweist Bauleiterin Sina Rohner auf einen Vorteil der räumlichen Nähe: Der renaturierte Saale-Abschnitt liegt in Sichtweite zur Staatsstraße zwischen Aura und Euerdorf. Aus Steinen, Holz und Wurzelstöcken seien Hohlräume geschaffen worden als Lebensraum für Tiere. Entlang des ursprünglichen Ufers wurden die Wurzeln der Bäume zum Teil belassen, dahinter sind Mulden angelegt, die bei Hochwasser als Überschwemmungsfläche dienen können.

Die Arbeiten begannen laut Bauleiterin Sina Rohner im September am östlichen Ufer. Auf der flussabwärts rechten Seite befindet sich ein rund 400 Meter langer Abschnitt im Eigentum des Wasserwirtschaftsamtes, auf der gegenüberliegenden Seite in Richtung Staatsstraße sind es nur rund 100 Meter. Wegen des vielen Regens gab es auf der Baustelle eine längere Unterbrechung. "Der Boden war zu aufgeweicht", berichtet die 26-Jährige. Im Dezember seien die Arbeiten dann abgeschlossen worden. In Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt wurden auch so genannte Buhnen gebaut, also Holzstämme, die in die Saale ragen. "Dadurch ergeben sich unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten", berichtet Sina Rohner. Das Ergebnis werde nun noch von Landschaftsplanern begutachtet. Köhler und Rohner sind selbst gespannt, wie sich der Bereich entwickelt und ob sich aus den Mulden echte Mäander entwickeln, also die Saale ihr eigentliches Flussbett verlässt.