Nein, Bürgermeisterin Patricia Schießer hat bei der Marktgemeinderatssitzung an Weiberfasching kein Narrenkäppchen auf, Gemeinderätin Gisela Bergel keine Schere dabei, um ihren Kollegen den Schlips abzuschneiden und die Zuhörer werfen auch kein Konfetti. Ganz im Gegenteil, trockene Pflichtaufgaben steht auf der Tagesordnung, die aber Zündstoff vermuten lässt.

Das beginnt beim Bauantrag "Erweiterung und Umbau des bestehenden Verbrauchermarktes": Einerseits will das Gremium den für die Versorgung wichtigen Markt halten und dem Wunsch nach Erweiterung Rechnung tragen. Wohl wissend, dass beim Großkonzern in Köln mit spitzem Bleistift gerechnet und ein Standort auch schnell mal geschlossen wird. Allerdings sind 300 Quadratmeter mehr Geschossfläche, Überschreitung von Baugrenze und Baulänge, sowie zehn weitere Stellplätze doch Aspekte, die deutlich über den bestehenden Bebauungsplan hinausgehen.

Nicht nur Gemeinderat Elmar Hofmann ärgert, dass die Gemeinde so unter Druck gesetzt wird, er würde gerne von der Genehmigungsbehörde die erforderlichen Befreiungen von den Auflagen des Bebauungsplanes erreichen. Das Landratsamt aber verweist auf die Regierung und die fordert einen neuen Bebauungsplan, mit all seinen umfangreichen Konsequenzen.

Die Bürgermeisterin hat einen schweren Stand, aber ihrer Meinung nach ist der "wünschenswerte kleine Dienstweg" nicht zu begehen. Dieser Argumentation schließt sich der Gemeinderat an und beschließt mit elf zu einer Stimme, als ersten Schritt des Verfahrens "Bebauungsplan Siebenäcker" die Bauleitplanung auf den Weg zu bringen.

Auch die Errichtung einer Maschinenhalle und eines Winterunterstandes für Pferde wird kontrovers diskutiert. Da im Außenbereich liegend und landwirtschaftlich genutzt, hat die Gemeinde keine rechtliche Handhabe, das Vorhaben zu verhindern. Mit acht zu vier Stimmen wird der Antrag durchgewunken.

Dem Bauwerber einer Doppelgarage "Am Bauholz" werden die erforderlichen Abweichungen vom Bebauungsplan genehmigt, wenn er den Grenzabstand noch nachreicht. Auch für ein beantragtes Carport "Am Bauholz" wird die Genehmigung erteilt.

Lob für Jugendarbeit

Der Verein Pro Jugend betreut in sieben Wochenstunden die Jugend von Euerdorf. Dafür wendet die Gemeinde in 2019 12 000 Euro auf. Sehr gut angelegtes Geld, findet Gemeinderat Christian Rost, der die kreative Arbeit der Jugendbetreuerin Kathrin Kuhn ausdrücklich lobt.

Nachträge der Baufirma Heil beim Rathausbau, wie Abbruch von Fundamenten, Absturzsicherungen und Rückbau WC Container sorgen nochmals für heiße Diskussionen, auch wenn es nur um Beträge im vierstelligen Bereich geht. Für neue Positionen im Holzbau werden der Firma Vogelhuber 127 000 Euro genehmigt, dafür fallen andere Positionen - unter anderem bei den Metallarbeiten - in Höhe von 46 000 Euro weg. Die Firma Bruckmüller aus Münnerstadt erhält den Zuschlag für die Trockenbauarbeiten. Ihr wirtschaftlichstes Angebot liegt bei 121 000 Euro.

Drastisch gestiegene Kosten gegenüber einer ersten Planung aus 2015 beim Erstellen eines erforderlichen Abwasserkatasters bringen die Stimmung im Rat nochmal in "närrische" Höhen. Die erforderliche Kanalbefahrung und die Datenerfassung sollen nunmehr 244 000 Euro kosten. Das war allen Räten dann doch ein zu starker Tobak. Die Bürgermeisterin schlug vor, zunächst die in den letzten Jahren schon erhobenen Daten aus getätigten Kanal-Maßnahmen wie in der "Breet" in Wirmsthal und kleineren Straßen zu verwenden, weitere Ideen zu sammeln und den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen. Dem stimmte das Gremium zu.

Hingewiesen wurde auf die Bürgerversammlungen am 2. April um 19.30 Uhr in Euerdorf (Feuerwehrhaus), und am 4. April um 19. 30 Uhr in Wirmsthal (Gasthaus Hirschen).