Das Sommertheater mit den Schauspielern der Disharmonie Schweinfurt ist eine Attraktion auf der Burg, die Freunde des Lustspiels nicht missen möchten. An vier Tagen im Echter-Saal gegeben, sah sich Regisseur Bernd Lemmerich in der Freitagsaufführung von Goldonis "Der Diener zweier Herren" mit zu wenigen Sitzplätzen konfrontiert. Eilig hinzugestellte Stühle lösten das Problem.

Was ist ein Diener zweier Herren? Ein Vertrauter, ein Intimus, der beste Freund? Oder ist er ein Doppelagent, vielleicht ein "Whistle-Blower", ein Lump, der seinen eigenen Vorteil sucht? Möglicherweise ist er von jedem ein bisschen - wie der Diener Truffaldino, der ewig Hungrige, der jedoch sein Wissen für sich behält, weil es sich bezahlt macht, zwei Herren zu dienen.

Theaterfreunden ist die Komödie bekannt. Für solche, die sie nicht kennen, eine kurze Inhaltsangabe. Florindo Aretusi (Conrad Arendt) soll den Bruder seiner Geliebten, Beatrice Rasponi (Irene Memmel), Federico, getötet habe. Er flieht nach Venedig. Als Mann verkleidet, reist ihm Beatrice mit ihrem Diener Truffaldino (Nicolas Lommatzsch) nach.

Ohne dass es die Verliebten wissen, quartieren sie im selben Gasthaus. Truffaldino fühlt sich schlecht bezahlt und tritt klammheimlich auch in Florindos Dienste. Er wird zum Diener zweier Herren und gerät dadurch in zahlreiche Schwierigkeiten, aus denen er sich immer wieder retten kann. Per Zufall führt der immer nach dem Essen Schielende die beiden Liebenden wieder zusammen.

Eine Parade-Rolle kam der Kauffrau Pandolfa (Viola Fabretti) zu. Dem Namen nach mit italienischen Wurzeln ausgestattet, gab sie als reiche Gönnerin aber auch lebenserfahrene Frau ihre Meinung zu Männern und Liebe unverblümt an Tochter Francesca - und jedem, der es hören wollte - weiter. Liebe ist eine vergängliche Sache, fester Boden unter den Füßen - Männer mit Geld und Einfluss - ist allemal zu bevorzugen. Im Übrigen ein Frohgemüt, das vor dem Hintergrund seines sorglosen Lebens gerne italienisch singt und tanzt.

Wirt Tebaldo (Günther Schäfer), der Besitzer der "Albergo", soll das Hochzeitsmahl für Federico Rasponi zubereiten. Federico, der ist doch tot? Nein, er ist nicht auferstanden, sondern seine Schwester Beatrice hat sich als ihr Bruder verkleidet, was sehr bald durch die anatomischen Unterschiede zwischen Mann und Frau aufliegt. Tebaldo kennt sich in der italienischen Küche aus und komponiert ein fürstliches Mahl, bei dem sein Lieblingsessen, Schweinebraten mit Sauerkraut, einsortiert ist, ein für italienische Verhältnisse eher unüblicher Menü-Gang. Ebenso ist sein unterfränkischer Zungenschlag nicht zu überhören. Die tragende Rolle spielt natürlich Truffaldino, der Wissende aber Schweigende und immer mit Appetit Ausgestattete. Lommatzsch als "kleines Licht" gebührte der Ruhm, den Diener zweier Herren in überzeugender Weise und mit Authentizität und Lust am Schauspiel dargestellt zu haben. Sein Lohn war - außer der beflissenen Blandina (Sarah Leipold), die Bedienstete des Wirts - anhaltender Applaus.

Die Doppelrolle als Juristin Lombardi und Beatrice Rasponi in der Verkleidung als ihr Bruder Federico, verlangte von Irene Memmel Variabilität und sicherlich volle Konzentration, die die Schauspielerin ohne Probleme glänzend bewältigte.

Francesca Pandolfa (Katharina Götz) als Tochter der Kauffrau - der sich die verkleidete Beatrice zu erkennen gibt - Silvio Lombardi (Maximilian Rückert) als temperamentvoll-sportlicher Springinsfeld und der lässig-großspurige Florindo ergänzten die Darstellertruppe in einem nahtlos passenden Zusammenspiel. Ein gerütteltes Maß Lob steht auch Regisseur Bernd Lemmerich für seine Arbeit mit dem Ensemble und Organisation zu. Die "gute Unterhaltung in den altehrwürdigen Mauern", die er in seiner Begrüßung wünschte, gelang zur vollsten Zufriedenheit des Publikums.