Das ungenutzte Gelände zwischen Berliner Straße und Ofenthaler Weg ist offenkundig schon einigen ins Auge gefallen. Bürgermeister Stross (SPD) berichtete von wiederholten Anfragen durch Kaufinteressenten. Eine Änderung in ein Wohngebiet mache Sinn, auch um weitere innenstadtnahe Gewerbeansiedlungen zu verhindern. "Die zentrale Lage ist eine Chance für den Wohnungsbau", unterstrich Stross.

Wolfgang Friedl vom städtischen Bauamt erläuterte, es handele sich um eine circa 8000 Quadratmeter große Fläche, die sich in Privatbesitz befinde. Die Ausweisung als Wohngebiet biete die Gelegenheit, den Bereich städtebaulich zu ordnen. Das Landesentwicklungsprogramm (LEP) räume der Innenentwicklung Vorrang ein. "Wenn das Gelände zum Wohngebiet wird, kann hier kein weiterer Supermarkt entstehen", brachte es Friedl auf den Punkt.

Seufert warnt vor zu starker Einschränkung

CSU-Stadtrat Stefan Seufert warnte vor einer zu starken Einschränkung. Vielleicht sei es möglich, nur Supermärkte auszuschließen. Bürgermeister Stross verwies auf andere in der Stadt zur Verfügung stehende Flächen, sollten sich andere Gewerbetreibende melden.

CSU-Stadträtin Gudrun Kleinhenz regte einen Flächenkauf durch die Stadt an, bevor das Gärtnereigelände zum Wohngebiet umgewidmet werde. So sei ein günstigerer Preis zu erzielen, und die Stadt könnte attraktives Bauland anbieten. "Unsere jungen Leute wandern ab, weil die Grundstücke hier zu teuer sind", verwies sie auf deutlich niedrigere Preise in Nachbarkommunen, zum Beispiel in Fuchsstadt.

Bürgermeister Stross entgegnete, über den Preis könne Hammelburg ohnehin nicht mit diesen Gemeinden konkurrieren. Er sprach sich gegen einen Einstieg der Stadt aus, weil diese in den nächsten Jahren schon viele teure Projekte zu schultern habe. Als Beispiele nannte er unter anderem die mögliche Verlagerung des Bauhofs, den Erwerb von Flächen von der Bahn und auf dem früheren Temco-Gelände, den Bau eines Sanitärgebäudes am Bleichrasen und die neuen Unterkünfte für Obdachlose.

Stross sprach sich strikt gegen ein Engagement der Stadt auf dem früheren Gärtnereigelände aus: "In meiner Amtszeit wird es das sicher nicht geben."

Alexander Stolz (CBB) schlug indes die Finanzierung eines Flächenkaufs durch die Stadt über Bayerngrund vor. Der Bürgermeister entgegnete, auch diese Kredite müssten zurückgezahlt werden. Stolz erwiderte, angesichts der Lage sollten die Grundstücke doch gut zu verkaufen sein. Walter Bay (Grüne/BfU) schloss sich Gudrun Kleinhenz und Alexander Stolz an. Auf jeden Fall sei der direkte Erwerb durch die Stadt besser als die bei der "BerlinerArea" gewählte Variante, meinte er. Eventuell ließe sich auf dem Gelände auch der städtische Bauhof unterbringen.

"Kein Fiasko mehr erleben"

2. Bürgermeister Reimar Glückler (CBB) erinnerte an die millionenschweren Investitionen der Stadt in den nächsten Jahren und sprach sich gegen einen Kauf des Geländes aus. Es sei überhaupt nicht absehbar, ob die Stadt das Bauland tatsächlich auch verkaufen könne. In Westheim habe die Veräußerung von Flächen fast 30 Jahre gedauert. "Ich will nicht mehr ein solches Fiasko erleben wie in der BerlinerArea", verwies Glückler auf die schlechte Nachfrage für dieses Wohngebiet.

SPD-Fraktionssprecher Reinhard Schaupp meinte indes: "Nachfrage kann auch geschaffen werden, indem man attraktives Bauland zur Verfügung stellt." Auf jeden Fall sollte der Markt erforscht werden, ob sich eine solche Investition lohne.

Gudrun Kleinhenz hielt fest, dass eine Umwandlung in ein Wohngebiet das Gelände aufwerte. "Und diese Aufwertung sollten wir der Stadt zugutekommen lassen", bekräftigte sie. Reimar Glückler entgegnete, die Eigentümerin habe jetzt schon hohe Preisvorstellungen. Und Bürgermeister Stross bestätigte, die Aufwertung des Areals sei ohnehin schon da, ganz egal, als welche Art von Gebiet es ausgewiesen werde.

Georg Schuler (CSU) mahnte, die Stadt mache sich selbst Konkurrenz mit einem weiteren Wohnbaugebiet und verwies auf die vielen noch nicht verkauf ten Grundstücke in der "Berliner-Area". Die Stadt befinde sich bei der Änderung des Flächen nutzungsplanes nicht in Zugzwang. "Vielleicht wäre es besser, wenn der nächste Stadtrat hierüber entscheidet", meinte Schuler. Bei drei Gegenstimmen votier te der Bauauschuss am Ende mit großer Mehrheit für die Änderung des Flächennutzungsplanes, wonach aus dem Gelände der früheren Gärtnerei ein allgemeines Wohngebiet wird.