Das Sonnenlicht dringt durch das aufgelockerte Kronendach bis zum Waldboden, junge Bäumchen können nachwachsen und den Bestand von Natur aus verjüngen: So sieht für Forstexperten ein gut gepflegter, ökologisch und ökonomisch wertvoller Wald aus. Dieses Idealbild prägt allerdings noch nicht überall den städtischen Forst, wie ein Waldbegang den Stadträten zeigte.

Gleich gegenüber der Vorzeigefläche steht bei Obererthal das Gegenbeispiel: ein rund 100 Jahre alter Bestand mit Kiefern, Lärchen und Buchen. "Obwohl der Bestand relativ alt ist, sind die Bäume immer noch so dünn", sagte Matthias Wallrapp von der Stiftung Juliusspital Würzburg. Die Stiftung unterstützt die Stadt seit September 2015 vor allem bei der forstwirtschaftlichen Planung.
Die Pflege des Bestands war früher nicht möglich, weil er nicht über einen Weg erschlossen war. Das hat sich nun seit einigen Jahren geändert. Daher sind auf knapp elf Hektar jetzt ungefähr 750 Festmeter Holz geschlagen worden - vor allem Buchen, um andere Arten zu unterstützen. "Die Buchen verdrängen sonst andere Bäume", erklärte der städtische Forstbetriebsleiter Hubertus Tumpach.

Dass so ein Einschlag anfangs immer schnell für Unmut bei den Ortsbewohnern sorgen kann, daran erinnerte Ortssprecher Hans Schönau. Während eines anderen Pflegeeinschlags vor einigen Jahren in Obererthal sei das Geschrei groß gewesen. Doch später hätten die größten Kritiker es als schön empfunden, wie sich der Wald danach entwickelt habe.

Aktuelles Konfliktpotenzial deutete sich während des Waldbegangs am Feuerthaler Längberg an. Auch dort gibt es einen etwa 50 bis 120 Jahre alten Bestand, der schon seit Jahrzehnten nicht durchforstet wurde. Daher plant der städtische Forstbetrieb für August auf einer Fläche von 30 Hektar einen Einschlag von etwa 1200 Festmetern. Dafür wird eine Selbstwerberfirma mit einem Harvester zum Einsatz kommen.

Durch den Hieb sollen vor allem dünne, minderwertige Kiefern entfernt werden, um ihre vitaleren Baumartgenossen zu stabilisieren und im Wachstum zu fördern. "Die Bäume stehen schon sehr lange sehr dicht und ohne Pflege", sagte Wallrapp. Als Entrümpelung bezeichnete er den Einschlag. Für diesen sind bereits in den Jahren 2014 und 2015 Rückegassen angelegt worden, um den Bestand zu erschließen.

Damals war dabei ein Waldweg, ein beliebter Spazierweg für die Feuerthaler, in Mitleidenschaft gezogen worden. Das hatte für Unmut im Stadtteil und bei Ortssprecher Jürgen Armbruster gesorgt. Beim Waldbegang äußerte Armbruster nun immer noch seine Verärgerung: "So was wie beim letzten Mal darf nicht wieder passieren."

Wallrapp versprach, dass der Einschlag "smart laufen" werde. Wie Tumpach erklärte, ist der Weg auch wieder repariert worden. Dass das damals nicht gleich passiert ist, lag laut dem Forstbetriebsleiter am Wetter: "Das Wetter muss für den Wegebau passen."

Was ein Einschlag bewirken kann, zeigten die Forstexperten an dem Schwarzkiefernbestand Fußloch. Dort hatte Tumpach vor etlichen Jahren mit Pflegemaßnahmen begonnen - unter großem Geschrei von allen Seiten, wie er sagte. Mittlerweile würden Forstleute sich den Bestand als Beispiel anschauen.