Dieses Mal führte ein Arbeitseinsatz der Afrika Hilfe Franken zwei Helfer auf die genau andere Seite von Afrika. Am 8. Januar machten sich Bernd Greubel und Uwe Tobaben mit 8000 Euro Spendengeldern auf den Weg in die Westsahara. Dort leben seit 1976 ca. 250 000 Flüchtlinge in fünf Lagern auf algerischem Gebiet.
Vorangegangen war ein Hilfsgesuch der Ende September 2014 durch Unwetter zerstörten Klinik im Flüchtlingslager Laavun. Ein Orkan hatte einen großen Teil des Daches abgehoben, und die folgenden schweren Regenfälle haben die Räume voll Wasser laufen lassen. Ein dem Verein vorgelegter Kostenplan belief sich auf 1,2 Millionen Algerische Dinar, was ca. 12 000 Euro entspricht. In den Flüchtlingslagern wird meist mit Algerischen Dinar bezahlt.
Nur durch eine Einladung des sahaurischen Volkes ist es möglich, über Algerien dorthin zu gelangen, berichtete der Verein. Über Algier ging's nach Tindouf, wo die beiden Helfer zusammen mit einem Arzt und einem Solarsachverständigen abgeholt wurden. Mit dabei waren 200 Kilogramm Hilfsgüter für das Krankenhaus.

Katastrophale Verhältnisse

Am nächsten Tag wurde das beschädigte Krankenhaus besucht. Der erste Eindruck überstieg jede Vorstellungskraft. Ein kompletter Flügel ist unbrauchbar. Die Verhältnisse in einem weiteren der drei Flügel sind katastrophal. Überall ist Wasser durch die Decken gekommen, lose Stromkabel hängen unisoliert aus den Wänden, und die Betten sind mehr schlecht als recht. Lediglich ein erst vor wenigen Jahren gebauter Flügel hat dem Unwetter standgehalten und kann als Krankenhaus bezeichnet werden.
Mit dem Direktor des Krankenhauses und dem Chefarzt wurde die Geldübergabe geregelt, und dann wurden sofort Bleche, Holz und Metallträger für das Dach sowie Sand, Zement, Backsteine und Farbe gekauft. Schon nach zwei Tagen konnte ein Raum neu bedacht und gestrichen in Betrieb genommen werden. Dieses Mal wurde eine dünne Zementschicht über das Wellblech gezogen, um ein Abheben zu verhindern, falls erneut ein so gewaltiger Sturm kommen sollte.

Stützmauer hochgezogen

Während am Dach weitergebaut wurde, wurden andere dringend notwendige Arbeiten erledigt. So war die Auffahrtsrampe zum Wassertank von wilden Hunden unterhöhlt worden und drohte einzustürzen. Jetzt wird eine Stützmauer hochgezogen. Wasserleitungen lecken, weil es kein passendes System gibt. Alte Reifenschläuche wurden zerschnitten und straff um die Verbindung gewickelt. Der tägliche Wasserverlust kann damit eingedämmt werden.
"Manchmal weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. An allen Ecken hapert es", so Uwe Tobaben und Bernd Greubel. Eigentlich müssten alle Stromleitungen herausgerissen und neu verlegt werden. Solar und 220 Volt vom Generator sind wild durcheinander verbunden und es kommt immer wieder zu Kurzschlüssen.
Oft verglichen die beiden ihre Arbeit mit der in Tansania. Dort würde alles viel schneller gehen. Hier sei man schon glücklich, wenn man an einem Tag einen Raum überdacht hat. In Tansania wurde eine ganze Schule an einem Tag überdacht. Auch in Tansania ist der Arbeiter sehr aufs Essen bedacht und fordert seine Pause, aber in dieser Region komme das ständige Teekochen hinzu. Ohne drei bis vier Teezeremonien mit drei Gläsern Tee - das erste so bitter wie das Leben, das zweite so stark wie die Liebe und das dritte so süß wie der Tod - geht gar nichts, berichten die beiden Helfer. "Wir Europäer stehen da machtlos daneben und ergeben uns notgedrungen dieser Einstellung, indem wir den Tee einfach mittrinken."
Nach einer Woche Arbeit machten sich die beiden auf eine kleine Rundreise in die "befreiten Gebiete". Begleitet von einer Polizeieskorte ging es hinaus in die Hamada (Steinwüste). In diesem Gebiet außerhalb der Flüchtlingslager, die ja auf algerischem Gebiet liegen, leben noch zahlreiche Nomaden in weitgehend ursprünglicher Form mit ihren Tieren.
In Laavun ist inzwischen das komplette Dach neu gedeckt. Kurz vor der Abreise der Helfer standen einige offizielle Termine an. So kam der Gesundheitsminister, der sich persönlich für das Engagement der Afrika Hilfe Franken bedankte. Natürlich hofft er auf weitere Hilfe und Zusammenarbeit. Für die Besucher wurde im Kulturzentrum des Flüchtlingslagers eine Darbietung traditioneller Hassani-Musik und Tanz gezeigt. Und natürlich gab es zum Abschied noch hier und da Einladungen zum Essen. Nähere Informationen über die Projekte gibt es auf der Seite http://www.afrika-hilfe-franken.de Uwe Tobaben