Die jüngste Brandstiftungsserie an Fahrzeugen wurme ihn, sagt Alfons Hausmann. Wer ihn kennt, weiß, dass das wohl noch untertrieben ist. "Das hätte nicht sein müssen", erklärt der Erste Polizeihauptkommissar. Freitagnacht leitete Hausmann noch den Einsatz, nun verabschiedet er sich als Leiter der Polizeiinspektion Hammelburg in den Ruhestand - nach zwei Verlängerungen und mehr als 44 Dienstjahren.

Der Polizeiberuf sei die richtige Wahl gewesen, sagt er im Rückblick. Er hat seine Dienstzeit sogar zweimal verlängert, aus "Freude und Spaß am Beruf". Denn Hausmann hätte schon mit 60 anstatt jetzt mit 62 in den Ruhestand gehen können.

In den Jahrzehnten hat Hausmann den Wandel der Polizeiarbeit erlebt. Die Ausbildung hatte militärischen Charakter. Hausmann erzählt: "Wir haben mit Maschinengewehren geschossen und Handgranaten geworfen." Und statt EDV gab es früher ein dickes Fahndungsbuch.

Ereignisse der Zeitgeschichte erlebte Hausmann direkt mit, wie das Geschehen rund um den RAF-Terror. Zur Sicherung "waren wir damals viel unterwegs auf Flughäfen", erklärt er. Außerdem erwähnt er Einsätze in Wackersdorf: "Wackersdorf war für mich prägend." Heute gibt es Internetkriminalität, neue Uniformen und Digitalfunk. Werden künftig Drohnen Streife fliegen, fragt Hausmann.

Mit dem Ruhestand warten auf Hausmann, der in Langendorf wohnt, nun aber neue Schwerpunkte, mehr Zeit für die Enkel, den Hundesport, die Natur, und Zeit für Renovierungen - "das erste Gerüst steht schon". Dafür wünschen ihm seine Vorredner, Polizeipräsident Gerhard Kallert, der stellvertretende Landrat Emil Müller (CSU) und der stellvertretende Hammelburger Bürgermeister Reimar Glückler (CBB) alles Gute.

Hausmann sei ein besonders verdienter Dienststellenleiter, sagt Kallert, ein bodenständiger Mensch, fest verwurzelt in der Region. Auch der unterfränkische Polizeipräsident kommt nicht umhin die Brandstiftungsserie anzusprechen. Er versichert, dass die Polizei mit Hochdruck arbeite.

Trotz der Ereignisse von Freitagnacht ist die Sicherheitslage im Landkreis Bad Kissingen und im Hammelburger Raum gut. Die Zahl der Straftaten ist vergleichsweise niedrig. Kallert zieht die Zahl der Wohnungseinbrüche als Beispiel heran: So sei im ersten Halbjahr 2019 aus dem Bereich der Hammelburger Inspektion überhaupt kein Wohnungseinbruch für die polizeiliche Kriminalitätsstatistik gemeldet worden.

Ein allgemeiner Trend besorgt Kallert aber: die Zunahme der Rauschgiftdelikte. So gebe es schon fast so viele Drogenfahrten wie Alkoholfahrten. Auch der Anteil der Jugendlichen, die Drogen konsumieren, steige. Diese Entwicklungen gelte es im Auge zu behalten.

Müller dankt Hausmann für seinen Einsatz. Die Verlängerung der Dienstzeit sei nicht selbstverständlich. Er und Glückler wünschen außerdem dem Nachfolger Erfolg und bieten ihre Zusammenarbeit an.

Ab 1. September leitet Polizeioberkommissar Martin Kuhn die Hammelburger Polizeiinspektion. Er darf aufgrund seiner Leistungen im Rahmen einer Führungsbewährung hier ein halbes Jahr lang Praxiserfahrungen sammeln. Kuhn ist 38 Jahre alt und wohnt mit seiner Familie in Kitzingen. Er verspricht Engagement für seine neue Aufgabe.

Alfons Hausmann und Martin Kuhn Als 18-Jähriger begann Alfons Hausmann im Jahr 1975 die Ausbildung zum mittleren Polizeidienst bei der Bereitschaftspolizei Würzburg. Die Einsatzhundertschaft in Nürnberg war dann die erste Station nach dem Anstellungslehrgang. Von 1978 bis 1988 gehörte er dem Einsatzzug Schweinfurt an. Seine überdurchschnittlichen Leistungen ermöglichten Hausmann ein Studium an der Beamtenfachhochschule in Fürstenfeldbruck. Es folgten Tätigkeiten als Dienstgruppenleiter in Hammelburg, Bad Kissingen und Schweinfurt. Danach übernahm er ab April 1999 Aufgaben als Leiter der Verfügungsgruppe und Stellvertreter bei der Polizeiinspektion Bad Brückenau und zehn Jahre später bei der Polizei Bad Kissingen. Anfang 2013 wurde Hausmann die Leitung der Polizeiinspektion Hammelburg übertragen.

Zum 1. September übernimmt nun Martin Kuhn diese Aufgabe für ein halbes Jahr. Kuhn begann seine Ausbildung im Jahr 2002 bei der II. Bereitschaftspolizeiabteilung in Eichstätt. Die Polizeiinspektion Aschaffenburg, die Polizeiinspektion Würzburg-Land und die Kriminalpolizeiinspektion Würzburg gehörten unter anderem zu seinen Stationen. Kuhn studierte an der Fachhochschule in Sulzbach-Rosenberg. Er war zuletzt stellvertretender Dienststellenleiter in Ochsenfurt.