Allein die Reise hat es in sich. Sie wird zwei Tage dauern. Von Frankfurt geht es mit dem Flugzeug nach Lissabon, dann weiter nach Brasilia. Nach zwei Inlandsflügen einer Schiffsfahrt und einer Fahrt mit einem Schnellboot wird die fünfköpfige Delegation der Hammelburger Pfarrei Juruti Velho erreichen. Zu der Gemeinde im brasilianischen Amazonas-Gebiet gibt es eine langjährige Verbindung.

"Die Reise ist aufwendig und beschwerlich", sagt Pfarrer Thomas Eschenbacher. Doch die gegenseitigen Besuche seien wichtig. Als Geschenk wird er ein Foto dabei haben, für das sich die Gemeindemitglieder in Herzform an der Kirche aufgestellt haben. Und wenn alles rechtzeitig klappt, kann er auch noch eine Stola mit Symbolen beider Gemeinden überreichen. Eine gleiche, zweite Stola wird in Hammelburg getragen werden.

Die Geschenke sollen die Partnerschaft zwischen der Hammelburger Pfarrei und der Gemeinde in Brasilien offiziell bekräftigen. Im Jahr 2015 machte sich das erste Mal ein Gruppe aus Hammelburg auf nach Juruti Velho. Die damals 13-köpfige Delegation bestand vor allem aus jungen Leuten. Seitdem waren auch Gäste aus Brasilien zu Besuch in Hammelburg. Juruti Velho gehört zur Diözese Óbidos, mit der die Diözese Würzburg partnerschaftliche Beziehungen pflegt, sodass es in diesem Rahmen einen Austausch gibt.

Die erneute Reise von Hammelburgern nach Brasilien steht eigentlich schon länger an. Wegen des Aufwands ließ sie sich aber erst jetzt realisieren. Obwohl die Reise aufgrund der Fliegerei vielleicht kritisch gesehen werden könnte, hält Pfarrer Eschenbacher sie für das gegenseitige Verständnis für notwendig. Denn ein Ziel sei es, gemeinsame Projekte zu finden, die man teilen könne.

Wie Eschenbacher erklärt, könnte von deutscher Seite aus zum Beispiel die dortige Produktion gestärkt werden, durch Anschubfinanzierung und Absatzmöglichkeiten. Er hat schon eine Idee für ein mögliches Produkt, die aber noch nicht spruchreif sei.

Ein erstes konkretes Ergebnis der Partnerschaft ist der Alu-Fastenkalender, den die Hammelburger Pfarrgemeinde zu Beginn der diesjährigen Fastenzeit herausgab. Der Kalender informiert über die Umweltzerstörungen, die der Bauxit-Abbau im brasilianischen Regenwald verursacht, indem er Betroffene berichten lässt. Das Mineral Bauxit ist der Rohstoff für die Produktion von Aluminium. Der Alu-Fastenkalender, der über Hammelburg hinaus Interesse gefunden hat, wird gerade nachgedruckt. Die neue Auflage umfasst 1000 Stück, die vor allem der Würzburger Óbidos-Arbeitskreis nutzen will.

"Das ist unser Thema", sagt Barbara Oschmann. So werden die Hammelburger sich die Abholzung des Regenwaldes in dem Gebiet anschauen, erklärt die Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Ein Tag wird außerdem dem Anbau und der Verarbeitung von Maniok gewidmet. Die Pflanze hat eine stärkehaltige Knolle, die zu Mehl verarbeitet wird. Die Fabrikation wollen sich die Hammelburger anschauen.

Oschmann sieht die Partnerschaft als ein Zeichen der Solidarität: "Die Menschen dort sollen merken, dass es Menschen gibt, die an sie denken und mit ihnen verbunden sind." Eine Verbindung nach Brasilien gibt es eigentlich seit fast 50 Jahren, sagt sie. Denn so lange wirkt die Hammelburger Schwester Johannita Sell in Brasilien. In Juruti Velho wird die Gruppe bei ihr im Schwesternhaus zu Gast sein. "Es handelt sich im Grund um Bretterhütten", beschreibt Oschmann die Unterkünfte.

Die bald 81-jährige Sternschwester Johannita wird für die Hammelburger auch zwischen Portugiesisch und Deutsch dolmetschen. "Dort spricht kaum jemand Englisch", sagt Eschenbacher. Die Gruppe unterstützen wird auch Lukas Weimer. Er war ab September 2017 für den "Weltwärts"-Freiwilligendienst ein Jahr lang in Juruti Velho engagiert. Seitdem hält er Kontakt zu Brasilien. So ist er der Hammelburger Gruppe quasi vorausgereist und hält sich schon seit einigen Tagen im Land auf.

"Ich freue mich schon sehr", sagt Oschmann. Sie gehörte bereits 2015 zu der Hammelburger Delegation. Sie alle seien sehr herzlich aufgenommen worden. Von den aktuellen Bränden im brasilianischen Regenwald ist die Gegend, in der die Hammelburger sich aufhalten werden, offenbar nicht betroffen. "Sonst hätte man uns schon längst informiert", sagt Pfarrer Eschenbacher.

Der Besuch in Juruti Velho wird sich über acht Tage erstrecken. Freitagnacht bricht die Gruppe auf, damit sie rechtzeitig in Frankfurt ist. Denn das Flugzeug startet bereits am frühen Freitagmorgen. Dann fängt, wie es Oschmann bezeichnet, das "kleine Abenteuer" an.

Messe für die Reisenden Für die Delegation, die sich auf die Reise nach Brasilien macht, gibt es eine Art Aussendungsgottesdienst. Er findet am Donnerstag, 29. August, ab 19 Uhr im Steinthal statt. Bereits 2015 gab es zum Auftakt der Reise so einen Gottesdienst. Daran nahmen vor allem Freunde und Verwandte teil. Doch die Messe ist auch für alle anderen Gemeindemitglieder gedacht.