Die Schule sei ihnen schon immer spanisch vorgekommen, verrieten die 56 Abiturienten des Hammelburger Frobenius-Gymnasiums anlässlich ihrer Abschiedsfeier mit Angehörigen und Lehrern in der festlich eingedeckten Mehrzweckhalle Oberthulba. Doch bevor sie das Büffet plündern durften, stürmten einige Akteure unter den Klängen von "Auf in den Kampf" aus der Oper "Carmen" die Bühne, wo sie unter der Leitung von Musiklehrer Andreas Strehler sowohl ihr musikalisches als auch ihr rhetorisches Können unter Beweis stellten.

"So schwer war das Gymnasium gar nicht", sagte Abiturient Christopher Schmähling. Er beruhigte alle nachfolgenden Jahrgänge schmunzelnd: "Wenn selbst ich es geschafft habe." Gemeinsam mit Marie Kaiser und Linus Mußmächer lästerte er eine Viertelstunde über den Schulalltag.

Die drei machten sich auf amüsante Weise über einige ihrer Lehrkräfte lustig. Danach bedankten sie sich im Namen aller Abiturienten bei ihren Oberstufenkoordinatorinnen Silke Heid und Jutta Staub. Staub wurde im Laufe der Veranstaltung von Schulleiter Helmut Schreiner in den Ruhestand verabschiedet.

Schreiner erinnerte in seiner Festansprache die Absolventen an ihren ersten Schultag am 14. September 2010, der auch sein erster Tag als Leiter des Frobenius-Gymnasiums war. Es sei der Anfang eines neuen Lebensabschnittes gewesen, "von freudigen Erwartungen, Hoffnungen, Plänen, Unsicherheiten sowie kleinen und großen Gefühlen begleitet".

Damals, im Sommer 2010, hatte der letzte G9-Jahrgang gemeinsam mit dem ersten G8-Jahrgang das Abitur abgelegt. Nur sieben Jahre später, während die diesjährigen Absolventen sich gerade auf ihr Abitur vorbereiteten, habe der erste Jahrgang des wieder eingeführten neunjährigen Gymnasiums begonnen.

Ungeachtet solcher Veränderungen im bayerischen Schulsystem hätten die Abiturienten ihren Weg erfolgreich abgeschlossen und stünden nun vor neuen Entscheidungen. "Treffen Sie in ihrem Leben gute Entscheidungen", ermunterte Schreiner die Absolventen. Dabei sollten sie sich vom Vertrauen ins eigene Können und das ihrer Mitmenschen, von der persönlichen Begeisterung, die auch auf andere begeisternd wirken möge, sowie vom Engagement in der Gesellschaft leiten lassen.

Ein Leben als Teamplayer wünschte allen auch der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth (CSU). Ihm hatte das frühzeitige Ausscheiden der Fußballnationalmannschaft einen Strich durch sein Manuskript gemacht, wie er zur Freude aller Festgäste eingestand. "Aber Niederlagen bieten neue Chancen", versicherte er den Jugendlichen, die er im weiteren Werdegang um Heimatverbundenheit bat: "Sie wissen alle, wo Sie herkommen."

Nachdem "das Stichwort Fußball nun abgehakt" sei, bleibe ihm nur noch die Politik, sagte Gotthard Schlereth (CSU/FWG), Bürgermeister von Oberthulba. Er machte den Abiturienten bewusst, dass mit dem Reifezeugnis von ihnen "eine gewisse Qualität im analytischen Denken" erwartet wird. "Es darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden, was in 70 Jahren in Deutschland erreicht wurde", sagte er. Trotz wirtschaftlichen Erfolgs sei eine Missstimmung zu spüren, bedauerte Schlereth. Er forderte die Jugendlichen auf, sich in der Gesellschaft zu engagieren: "Engagement ist Bedingung für ein friedliches Leben."

Doch solche ernsthaften Gedanken waren während der Feier noch in weiter Ferne. Die Abiturienten durften sich endlich über ihren Abschluss freuen. So lästerten sie auf der Bühne über das in acht Schuljahren Erlebte und Erlittene und nahmen in einer selbst produzierten Video-Abi-Show ihr Gymnasium genauer unter die Lupe: Die technische Ausstattung der Schule bekam nur drei von fünf Punkten. Bei der Suche nach einer passenden Interpretation der Abkürzung FGH fiel dem Show-Moderator statt Frobenius-Gymnasium Hammelburg nur "Fördergemeinschaft geiler Hengste" ein, sodass auch der "Allestester" am Ende bedauernd zur Erkenntnis kommen musste: "Die Schule hat kläglich versagt."

Schreiner bewies mit Zahlen das Gegenteil: Die Durchschnittsnote der 56 Abiturienten liegt mit 2,34 im Schnitt bayerischer Gymnasien. 40 Prozent der Absolventen konnten mit einem Zweier-Ergebnis abschließen. Ein Drittel der Schüler hat im Reifezeugnis sogar eine Eins vor dem Komma stehen.