Wie wusch man seine Wäsche vor 100 Jahren? Dieser Frage gingen die Schüler aus der 12. Klasse des Frobenius-Gymnasiums auf den Grund. Im Rahmen ihres so genannten P-Seminars, einem Projekt im Bereich Chemie, schritten sie gemeinsam mit den Viertklässlern aus der Hammelburger Grundschule zur Tat.


Vom Wasch-zum Bolzplatz

Die Zeitreise in die Welt von Waschbrett, Zuber und Kernseife spielte sich auf jenem Stück Saalewiese ab, das gern als Bolzplatz für die Grund- und Mittelschüler genutzt wird. Gymnasiallehrerin Barbara Perseke: "Waschen betrifft jeden, und auch für die Grundschüler ist es interessant zu sehen, wie sich die Waschtechnik entwickelt hat."
Wie mühevoll und zeitraubend früher die große Wäsche war, das spürten die Zehnjährigen spätestens, als sie die gefüllten Wassereimer anschleppten und deren Inhalt in den Waschbottich gossen.

Und sie mussten genauso vorgehen wie die Waschfrauen vor 100 Jahren: Die sortierte Wäsche wird eingeweicht, bevor sie in das erhitzte Waschbad kommt. Mittlerweile brennt auch schon das Holzfeuer im Ofen für die große Wäsche. Kernseife und Waschbrett liegen bereit. Handarbeit ist angesagt. Auch der Wäschestampfer kostet Kraft. Nach dem Spülen wird die Wäsche ausgewrungen und auf der langen Leine zum Trocknen aufgehängt. "Es ist anstrengend", stellen die "Waschweiber" aus der 4. Klasse fest. Diese Waschwelt ist ihnen total neu. Mutti hat es daheim leichter, wenn sie die Waschmaschine füllt und einfach den Startknopf drückt.


Neun Monate Vorbereitung

Seit Februar sind die Vorbereitungen für das P-Seminar schon im Gange, bestätigt Perseke. Hintergrund ist das Chemie-Thema "Tenside". Das sind wasserabweisende Stoffe, wie sie in der alten Kernseife, aber auch in den heutigen Waschmitteln vorkommen. Die Tenside als Kontaktstelle zwischen dem Dreck in der Kleidung und dem Wasser kamen jetzt auch in der Praxis zu Einsatz. Damit aber die Theorie nicht grau bleibt und der Lernstoff mit Leben erfüllt wird, gab es jetzt die Zusammenarbeit mit den Jüngeren aus der Grundschule.

Die Aktion traf bei den Grundschülern auf Gegenliebe. Gymnasiast Lukas: "Ich habe erfahren, dass die Grundschüler lernwillig sind und ich ihnen etwas beibringen konnte." "Das Wäschekneten hat mir am meisten Spaß gemacht", sagt Grundschülerin Lisa. Dass ihre Oma und Uroma früher so mühevoll von Hand gewaschen haben, das hatten nur wenige Schüler miterlebt. Gymnasiast Moritz: "Vielen Kindern ist heute bewusst geworden, wie schwer früher das Waschen war." Da sei nachvollziehbar, dass früher nicht jeden Tag gewaschen worden ist. Die damit verbundene körperliche Arbeit sei längst nicht mehr nötig. Der alte Kochkessel war eine Leihgabe aus der Sammlung von Schloss Aschach.

Vor Ort war auch Schulleiter Oberstudiendirektor Helmut Schreiner anzutreffen: "Seit Jahren gibt es P-Seminare des Frobenius-Gymnasiums", sagt er. Schreiner fand das Projekt gelungen: "Informativ und den Kleinen gefällt es." Die Zusammenarbeit zwischen den Schulen funktioniere eben wirklich gut.