Der gebürtige Oberpfälzer, der bereits mit 18 Jahren in den Franziskanerorden eintrat, entwickelte sich aber gerade in der Saalestadt zum Multitalent. Bruder Pius wurde langjähriger und letzter Guardian der Pfründe am Schlossberg. Als Wallfahrtsmesner und Koch kam er an. Frater Pius setzte sein kulinarisches Talent zur Freude ganzer Generationen um. Wer im Kloster weilte, bestätigt es nur zu gerne: "Das Essen von Pius - eine deftige Hausmannskost - schmeckte immer."

Und es waren viele, die in den Klosterräumen quartierten. Nicht nur die eigenen Mitbrüder, sondern auch die Patres aus den internationalen Provinzen, die am Schlossberg die deutsche Sprache lernten, bekochte Pius. Dazu kam die Polizeischule, die das Klostergebäude von 1971 bis 1976 beherbergte.

Als die Musikakademie einzog, sorgte "der Herr über Topf und Teller" jahrelang für das leibliche Wohl der Kursteilnehmer. Heute sind es noch die verbliebenen Ordensbrüder, die Pius kulinarisch verwöhnt. Ohne Zweifel gründet der kulinarische Erfolg auch auf der Verwendung frischer Gemüsesorten, Salate und Kräuter aus dem Klostergarten. Ihn hegte und pflegte der Naturfreund mit Leidenschaft. "Wir haben Hunderte von Salatköpfen wöchentlich sogar auf den Kreuzberg geliefert", erinnert sich Pius. Der versierte Bienenzüchter nennt noch sieben Bienenvölker sein Eigen.

Dem Guardian, Mesner und Koch fiel als Definitor der bayerischen Franziskaner-Provinz 28 Jahre lang die Aufgabe zu, einmal monatlich in München beratend an den Sitzungen des Kapitels teilzunehmen. Zum Guardian wurde Pius 1992 ernannt - ein Novum, weil Frater Pius Pfaller als erster weltlicher Bruder nach 370 Jahren die Leitung eines Klosters übernahm.

Die Renovierung der Klosterkirche im Jahr 1991erforderte so manche Einschränkung und zahlreiche, provisorische Maßnahmen, die zusätzlich geregelt werden mussten. Rund 1,5 Millionen Euro flossen damals in die Innen- und Außenrestaurierung der Barockkirche. Die Diözese Würzburg beteiligte sich daran. "An Arbeit mangelte es nicht", erklärt Pius. Denn da waren ja noch die Mesner-Dienste, die Vorbereitungen für die hohen Kirchenfeiertage und ungezählte Handgriffe zu erledigen.

Ein wachsames Auge hatte der Klosterobere stets auf die hauseigene Bibliothek, die wahre Schätze barg. Sie beinhaltete Inkunabeln, so genannte Wiegendrucke, die vor mehr als 500 Jahren in Latein verfasst und bebildert worden waren, sowie zahlreiche Bibeln und Schriften.

Dem Ansinnen, die Kostbarkeiten aus der Saalestadt in ein größeres Archiv zu verlagern, stemmte sich Pius, der Hüter des Literaturschatzes, mit Vehemenz entgegen. Heute sind die kostbaren Bücher in der Diözesan-Bibliothek deponiert. Ein Leihvertrag sichert dem Franziskanerorden die Eigentumsrechte.

Fragt man den in Freystadt geborenen Franziskanerbruder nach seinen schönsten Erlebnissen in der Stadt Hammelburg, die er nach Jahren der schmerzlich vermissten Heimat doch lieb gewonnen hat, antwortet er verschmitzt: "Das war die Zeit, als die Sprachstudenten und die Polizeischüler zu Gast waren. Die Patres aus aller Herren Länder sorgten mit ihren Erzählungen für Informationen aus der Welt, und mit den Polizeischülern konnte ich einen anständigen Schafkopf klopfen." Für sein Engagement verlieh Bundespräsident Horst Köhler dem Franziskanerbruder das Bundesverdienstkreuz.