Karl-Heinz Maul ist sichtlich zufrieden. "Am Anfang gab es einige Widerstände, und mehrere Hürden waren zu nehmen, doch die Mühen haben sich gelohnt", sagt der Vorsitzende der Lebenshilfe Hammelburg. Die Lage des neuen Wohnheims erleichtere es den Behinderten, am öffentlichen Leben teilzuhaben. "Sie wohnen hier mitten in der Stadt, haben kurze Wege, können zu Fuß zum Marktplatz gehen", macht Maul deutlich. Architekt Wolfgang Schefbeck vom Schweinfurter Büro "schefbeck hoch 3" freut sich ebenso über das gelungene Projekt. Er glaubt, dass es auch für die Angehörigen der Behinderten ein gutes Gefühl sei, diese in dem modernen Wohnheim in "einer würdigen Umgebung" untergebracht zu wissen.

Wohnraum für 25 Menschen und eine Seniorentagesstätte in der beengten Altstadt zu schaffen, sei keine leichte Aufgabe gewesen, meint Karl-Heinz Maul. Doch das Ergebnis könne sich sehen lassen. Es sei auch ein "Glückstreffer" gewesen, die drei Grundstücke im Bereich Obere Stadtmauer/Seelhausgasse erwerben zu können.
Am 3. Juni ziehen laut Maul die ersten Bewohner ein, eine zwölfköpfige Gruppe, die derzeit noch in dem Wohnheim der Lebenshilfe in der Würzburger Straße lebt. Dieses Gebäude soll nach ihrem Auszug saniert werden.

Liste mit Anträgen

Wie danach weiter mit der Belegung verfahren werde, stehe noch nicht fest, erklärt der Vereinschef. Es gebe eine Liste mit Anträgen der Betreuer, an der sich die Lebenshilfe orientieren werde. "Man kann aber schon so viel sagen, dass es sich in erster Linie um ältere Menschen handeln wird, sagen wir mal 50 plus", konkretisiert Maul.
Das Wohnheim ist für zwei Gruppen mit jeweils zwölf Personen konzipiert. Zudem ist ein Kurzzeitplatz vorgesehen. Weitere zwölf Plätze umfasst die Tagesgruppe, in der Behinderte betreut werden, die nicht mehr in der Werkstatt arbeiten können oder im Rentenalter sind.

Gegen die allgemeinen Regeln des barrierefreien Bauens sei zusammen mit der Lebenshilfe die Idee entwickelt worden, beide Wohngruppen jeweils auf zwei Etagen unterzubringen. "Die zwei Geschosse ermöglichen es dem einzelnen Bewohner, sich individuell zu bewegen. Kein Mitglied dieser WG ist gezwungen, sich ständig in einer Gruppe von zwölf höchst individuellen Menschen aufzuhalten", erläuterte Wolfgang Schefbeck.

Eine der Wohngruppen lebt im östlichen Teil des Erdgeschosses und des Obergeschosses an der Oberen Stadtmauer. Diese Gruppe ist in jedem Geschoss über das gemeinsame Treppenhaus oder mit dem Aufzug zu erreichen. Eine zweite Treppe verbindet intern das Erdgeschoss mit dem Obergeschoss der Gruppe 1.
"Diese hat einen großen Aufenthaltsbereich für gemeinsame Aktivitäten. Zudem gibt es zwei weitere kleine Bereiche zur individuellen Nutzung", führt der Architekt aus. Wer möchte, kann am gemeinsam zubereiteten Mittagessen teilnehmen, oder aber sich zurückziehen.

Fünf Zimmer für Rollstuhlfahrer

Der Bereich der zweiten Wohngruppe umfasst den westlichen Teil des Obergeschosses zur Seelhausgasse sowie das gesamte Dachgeschoss. "Diese Gruppe ist wiederum über eine interne Treppe miteinander verbunden und bietet vier unterschiedlich zonierte Aufenthaltsräume", erläutert Schefbeck. Ihre Nutzung werde sich noch aus dem täglichen Zusammenleben ergeben.

Beide Wohngruppen verfügen über großzügige Küchen, alle notwendigen Nebenräume sowie behindertengerechte Sanitärräume. Fünf Zimmer sind für Rollstuhlfahrer ausgelegt. Die Seniorentagesgruppe ist im westlichen Teil des Erdgeschosses untergebracht, am unteren Ende der Seelhausgasse, und ist ebenerdig erreichbar.
Den Bewohnern des Obergeschosses stehen großzügige Balkone zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es einen rund 170 Quadratmeter großen Innenhof, in den auch ein Durchgang führt, der sich an der Oberen Stadtmauer befinde.

Das Konzept der farblichen Gestaltung des Wohnheims sei zunächst nicht unumstritten gewesen, räumt Karl-Heinz Maul ein. Doch mittlerweile sei er davon überzeugt. "Es war Liebe auf den zweiten Blick, und die ist ja bekanntlich beständiger", formuliert es der Vereinsvorsitzende. Wolfgang Schefbeck unterstrich, dass die zurückhaltende Farbgebung in die Altstadt passe. Auch sei es gelungen, "die erhebliche Baumasse verträglich in ihr Umfeld zu integrieren".

Die Gesamtkosten beziffert Karl-Heinz Maul auf rund drei Millionen Euro. 80 Prozent hiervon übernimmt der Bezirk. Die Lebenshilfe Schweinfurt muss die übrigen 20 Prozent finanzieren. "Vielleicht erhalten wir aber noch einen Zuschuss der Aktion Mensch", hofft er.