Ernst Stross machte sein Ziel deutlich. "Wir wollen menschenwürdige Unterkünfte schaffen", betonte der Hammelburger Bürgermeister in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Eine weitere Unterbringung der Obdachlosen in der alten Volksschule in der Kirchgasse könne er nicht mehr verantworten - allein schon wegen des Brandschutzes, der bekanntlich nicht auf dem neuesten Stand sei.

Als Alternative komme ein Gelände in der Rote-Kreuz-Straße zwischen den Hammelburger Stadtwerken und dem Anwesen Stein in Frage. Hier könnten Wohncontainer aufgestellt werden, und auch ein Anschluss an die Versorgungsleitungen sei problemlos möglich. Die Kosten für die mobilen Domizile seien durch Stadtbaumeister Detlef Mohr auf rund 150.000 Euro beziffert worden. Zwei gut erhaltene, gebrauchte Container seien aber auch schon für 40.000 bis 50.000 Euro zu haben, hätten weitere Nachforschungen ergeben.

Das Thema müsse unbedingt im kommenden Jahr angepackt werden, bekräftigte der Bürgermeister, und verwies auf haftungsrechtliche Probleme, sollte in der alten Volksschule etwas passieren. "Am neuen Standort haben wir mehr Sicherheit und Schutz für beide Seiten", machte er deutlich.

Auf Nachfrage von 2. Bürgermeister Reimar Glückler (CBB) bestätigte Stross, dass die Unterbringung in Containern menschenwürdiger sei als in den Räumen der alten Volksschule.


"Ins Asylbewerberheim?"

CSU-Stadtrat Stefan Seufert erinnerte daran, dass es mit der Obdachlosenunterkunft im Seelhaus nie Probleme gegeben habe. Er regte an zu prüfen, ob eine Unterbringung von Obdachlosen in leer stehenden Wohnungen in der Innenstadt in Frage komme. Hierdurch entstünden möglicherweise niedrigere Kosten als durch die Anschaffung von Containern. Diesen Vorschlag wies der Bürgermeister aber umgehend als nicht praktikabel zurück.
Gudrun Kleinhenz (CSU) schlug vor nachzufragen, ob nicht eine Anmietung von zwei Zimmern im Asylbewerberheim im Ofenthaler Weg möglich sei. Bürgermeister Stross entgegnete, das Heim mit seinen 80 Plätzen sei ausgelastet. Und der Bedarf werde auf absehbare Zeit auch nicht zurückgehen.

Christian Fenn (Junge Liste) warnte vor einem "Schnellschuss" und bat darum, die Angelegenheit sorgfältig zu prüfen. Realistischerweise sei festzustellen, dass die derzeitige Unterbringung der Obdachlosen in der alten Volksschule nicht so laufe, wie sie eigentlich sollte. Es gebe dort Menschen, die günstig und dauerhaft auf Kosten der Allgemeinheit lebten. "Ein Obdachlosenasyl ist aber dazu gedacht, Menschen ohne Wohnung eine kurzfristige Überbrückungsmöglichkeit zu bieten", machte Fenn deutlich. Bürgermeister Stross gab ihm Recht und unterstrich: "Das ist kein Wohnhaus."


Derzeit drei Betroffene

August Brendan, Leiter des städtischen Einwohnermeldeamtes, erklärte auf Anfrage, dass derzeit drei Personen in der Obdachlosenunterkunft leben, und zwar schon seit einiger Zeit. Einer hat ein Einzelzimmer, zwei teilen sich ein Gemeinschaftszimmer. Die sanitären Anlagen werden von allen gemeinsam genutzt. "Das ist aber keine Wohnung", betonte auch Brendan. Grundsätzlich seien die Betroffenen gehalten, sich so schnell wie möglich eine neue Bleibe zu suchen.