Ein Kranz liegt am Kriegerdenkmal. In einem kleinen Ort auf dem Lande nichts Ungewöhnliches - wenn nicht Januar wäre. Denn normalerweise findet das Gedenken an die Toten der Weltkriege am Volkstrauertag im November statt. Doch in Wittershausen ist es anders.

"Hier geht man immer in der ersten oder zweiten Januarwoche auf den Friedhof", erklärt Hans Dünninger. Dünninger, der vor Jahrzehnten aus den Haßbergen nach Wittershausen zog, hat sich selber immer über diesen Brauch gewundert. Während der Recherche zu seinem Buch "Die Kriegsteilnehmer am II. Weltkrieg aus Wittershausen", das er anlässlich des Ortsjubiläums 2017 zusammenstellen wollte, stieß er dann in Gemeindeprotokollen auf den Ursprung.

Im Grunde sei es ein Gelöbnis, verbunden mit der Errichtung des Kriegerdenkmals im Jahr 1920. Die Eltern der Gefallen und Vermissten des Ersten Weltkriegs stifteten für Anfang Januar ein Seelenamt, berichtet Dünninger von seinen Nachforschungen. Die Gemeinde habe sich verpflichtet das Kriegerdenkmal zu schmücken.

Dünningers Buch vereint die Biografien der Männer aus Wittershausen, die als Soldaten im Zweiten Weltkrieg kämpften. Er zeichnet ihren militärischen Werdegang nach, in welcher Einheit sie an welcher Front eingesetzt wurden.

Auch wenn das Buch längst erschienen ist, ist die Recherche noch nicht ganz abgeschlossen: "Zwei große Lücken gibt es noch", sagt Dünninger. Bei einigen habe er die Hoffnung, dass sich deren Grab noch findet.

Dünninger kennt Feldpostbriefe der Soldaten. "Oh Gott, wäre der grausame Krieg erst einmal zu Ende. Was wird morgen kommen?", heißt es in einem. Der Brief habe die Angehörigen erst nach der Todesmeldung durch die Truppe erreicht.

Dünninger hat auch die Gedenktafel für die Zweiter-Weltkrieg-Teilnehmer erneuert. Er tauschte die verblichenen Fotos durch neue Bilder aus. Sieben Männer sind dazugekommen, die bisher auf der Tafel fehlten.

Nun versucht Dünninger herauszufinden, was sich während der NS-Zeit in Wittershausen abspielte. Ihn interessiert dabei, wie die Maßnahmen des Regimes in dem kleinen Ort ankamen, wie sie sich auswirkten.

Und noch an einem weiteren, heimatgeschichtlichen Projekt ist der 65-jährige, frühere landwirtschaftliche Berater beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten dran. Es knüpft an seine ursprüngliche Buchrecherche an.

Dünninger will für die 56 Häuser des Kernorts die Namen der Familien und Bewohner sammeln - vom Ende des Zweiten Weltkriegs zurück in die Vergangenheit, bis vor 1850. Allerdings haben sich die Hausnummern geändert, was die Zuordnung schwierig gestaltet. Als die Schule 1854 gebaut wurde, habe sie die Hausnummer 1 bekommen, damit hätten sich die anderen Nummern geändert. Es stehe keine Systematik dahinter, erklärt Dünninger. "Mir fehlen 80 Prozent der Zuordnung."