Als Ernst Stross 1996 für die SPD in den Stadtrat einzog, wählten ihn die Mitglieder des Gremiums sogleich zum zweiten Bürgermeister. 2002 kandidierte er dann für das Bürgermeisteramt selbst. Trotz der drei weiteren Bewerber hätte er es damals fast im ersten Wahlgang ins Rathaus geschafft. Das souveräne Ergebnis der Stichwahl 2002 und die gelungene Wiederwahl 2008 spiegeln die große Beliebtheit von Ernst Stross wider. Nun muss der 65-Jährige seine Amtskette abgeben.

Herr Stross, sind Sie froh, dass Ihre Amtszeit nun vorbei ist?
Ernst Stross: Es ist ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits ist es gut zu wissen, dass ich gemeinsam mit dem Stadtrat zur Entwicklung von Hammelburg beitragen konnte. Andererseits gibt es Aufgaben, die begonnen wurden und die fortgesetzt werden müssen. Dazu gehören die Entwicklung der Altstadt und der Ortskerne, das integrierte ländliche Entwicklungskonzept und die touristische Zusammenarbeit in Frankens Saalestück.

Hätten Sie also noch einmal kandidiert, wenn die Altersgrenze Sie nicht daran gehindert hätte?
Wenn ich erst 60 geworden wäre, hätte ich mich noch einmal beworben.

Täuscht der Eindruck, dass die zweite Amtszeit Sie mehr Kraft gekostet hat als die erste?
Es gab starke Themen in der zweiten Amtszeit. Hier standen die Entscheidungen über die Erneuerung der Schulen, der Saaletal-Halle, des Saaletal-Bades wie auch des Verwaltungsgebäudes II, der Kindergärten und Kinderkrippen an. Vorher, beim Umbau und bei der Reorganisation des Bürgerspitals, stand ich mächtig unter Druck. Oder denken Sie an den Verkauf des städtischen Weinguts: Da ging es auch um die Situation der Mitarbeiter - das war nicht leicht. Man nimmt einen Bürgermeister meistens nur außen in der Öffentlichkeit wahr, aber der größere Teil der Aufgabe liegt in der Verwaltung, in der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern und Behörden.

Ist das Amt des Bürgermeisters in Hammelburg besonders anstrengend?
Es ist mit hohem Zeitaufwand verbunden. Es gibt zehn Stadtteile - und jeder Stadtteil hat seine Wünsche. Man muss sich außerdem immer seiner Verantwortung bewusst sein. Auch wenn man privat unterwegs ist, ist man als Bürgermeister unterwegs.

Wie würden Sie Ihre Amtszeit charakterisieren?
Mir war wichtig, dass die Bürger wissen, dass der Bürgermeister für sie da ist. Ich hatte keine extra Bürgersprechstunden, die Bürger kamen auch so. Mir war auch wichtig, die Bindung zwischen der Kernstadt und den Stadtteilen zu verstärken und ein gutes Verhältnis zu den Ehrenamtlichen zu bewahren. Die Ehrenamtlichen haben viel Anerkennung verdient. Ein Teil der Aufgabe als Bürgermeister ist es, danke zu sagen. Ich habe auch die von meinem Vorgänger, Altbürgermeister Zeller, begründete Aufarbeitung unserer zum Teil auch jüdischen Stadtgeschichte zusammen mit einem Arbeitskreis fortgesetzt. Man darf sich seiner Geschichte nicht entziehen.

Würden Sie in der Rückschau etwas anders machen?
Sicher gibt es die eine oder andere Nuance. Grundsätzlich glaube ich aber nicht, dass ich etwas anders machen würde. Einige haben sich gelegentlich ein direkteres Vorgehen gewünscht, das weiß ich. Ich bin aber nicht der Typ, der auf den Tisch schlägt. Ich versuche, die Dinge zwischenmenschlich zu lösen. Mit der Brechstange funktioniert es nicht.

Ihr Vorgänger, Altbürgermeister Arnold Zeller, hat nach seiner Amtszeit einen scharfen Schlussstrich gezogen und sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Wie werden Sie es halten?
Ich gehe am 30. April aus dem Rathaus und werde mich aus der Kommunalpolitik in Hammelburg heraushalten. Ich sitze in keinem Entscheidungsgremium mehr, außer im Kreistag. Dort können natürlich auch Hammelburger Themen anstehen. Ich bleibe weiter ein Bürger dieser Stadt. Und nach so einer langen Amtszeit werden mir weiterhin die positiven wie negativen Besonderheiten im Blick bleiben.

Werden Sie sich als Ersatz verstärkt in Vereinen engagieren?
Das werde ich von Fall zu Fall entscheiden. Zu Hause gibt es zunächst genug Sachen, die immer auf die lange Bank geschoben wurden. Ich habe nun außerdem wieder Zeit, Kontakte stärker zu pflegen. Besonders möchte ich die Zeit mit meiner Frau, die stets ein großer Rückhalt war, intensiver nutzen und meinen Kindern und Enkeln mehr Zeit widmen. Ansonsten muss ich selbst erst einmal schauen, wie ich auf die neue Situation als Rentner reagiere.

Wird Ihnen ohne das Amt etwas fehlen?
Das weiß ich noch nicht. Da bin ich noch völlig unerfahren. Ich weiß nur, dass ich ab dem 1. Mai kein Bürgermeister mehr bin.

Das Gespräch führte Arkadius Guzy