Noch ist das Baumhaushotel Seemühle in Gräfendorf nicht eröffnet, da spricht Stephan Schulze schon von etlichen Buchungsanfragen. Er habe bereits Übernachtungsgutscheine verkauft, weil die Interessenten gedrängt hätten. Auch sonst scheint die Neugier groß zu sein, was auf dem Anwesen am Weg zum Tretstein passiert. "Bei schönem Wetter sind es manchmal 100 Besucher und Schaulustige am Tag", sagt Schulze.

Und zu sehen gibt es mittlerweile einiges: Das Hotel-Konzept nimmt Konturen an. So ist die Fassade des Mühlengebäudes restauriert. Das Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert. "Ich habe in offiziellen Dokumenten eine Passage gefunden, in der die Rede davon ist, dass im Jahr 1689 dem Wiederaufbau der Mühle zugestimmt wurde", erklärt Schulze. Er geht davon aus, dass der Betrieb in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde. Gräfendorfer erinnern sich noch, dass in der Mühle Brot gebacken und verkauft wurde.

Schulze hat ein neues Mühlrad an das Gebäude anbauen lassen. "Das alte war komplett verrostet und konnte nicht mehr gerettet werden", erklärt Walter Schuhmann von der Bad Kissinger Mühlen- und Maschinenbau GmbH. Dafür blieben die mehr als 100 Jahre alten Zahnräder mit ihren gusseisernen Speichen und hölzernen Zähnen erhalten. Sie drehen sich nun im Mühlengebäude. Ein Motor setzt die Zahnräder in Gang. Denn damit sie sich nicht abnutzen, sind sie vom Mühlrad abgekoppelt, wie Schuhmann erklärt.

Kampf mit Behörden

Das 6,3 Meter hohe und 75 Zentimeter breite Mühlrad soll stattdessen einen Generator antreiben. Noch muss aber der Zulauf reaktiviert werden. Außerdem bekommt der Waizenbach, der den Mühlgraben speist, eine Fischtreppe am Wehr. Schulze spricht von einer langen Genehmigungsphase und vielen Kämpfen, bis er die Wasserkraft wieder nutzen durfte. Dass der Waizenbach die Grenze zwischen den Landkreisen Bad Kissingen und Main-Spessart markiert, habe seine Bemühungen verkompliziert.

Wenn das Mühlrad an den Wasserlauf angeschlossen ist, wird es Strom produzieren. Mit 20 000 bis 25 000 Kilowattstunden im Jahr rechnet Schulze. Die Energie soll hauptsächlich die Baumhäuser versorgen - das Kernstück von Schulzes Projekt. Fünf Baumhäuser sind bereits fertig, ein sechstes entsteht in den kommenden Tagen. Schulze plant noch zusätzlich ein behindertengerechtes Baumhaus, dass über einen Hang barrierefrei zu erreichen sein soll.

Das Baumhaushotel ist im nordbayerischen Raum eine Besonderheit. Zwar gibt es in Mönchberg (Landkreis Miltenberg) bereits naturnahe Übernachtungsmöglichkeiten, doch unterscheidet sich die Konstruktion der Bauten: In Mönchberg handelt es sich wie in den meisten Fällen in Deutschland um Stelzenhäuser, die zwischen Bäumen auf Wipfelhöhe errichtet wurden. In Gräfendorf stützen sich die Plattformen mit ihren Aufbauten dagegen wirklich an den Baumstämmen ab. So kann Schulze selbstbewusst verkünden: "Wir haben viele Alleinstellungsmerkmale."

Mit denen will auch Bürgermeister Alfred Frank werben. Das Baumhaushotel ist für ihn ein gutes Argument für einen Beitritt der Gemeinde zu "Frankens Saalestück". Die Landkreisgrenze bei der Seemühle, die zugleich die Naturräume Rhön und Spessart trennt, ist laut Frank bisher eine Hürde. Der Landkreis Main-Spessart müsste sich finanziell beteiligen.

Frank will weiter nach Möglichkeiten für einen Beitritt suchen: "Ich lasse nicht locker." Für den Bürgermeister von Gräfendorf ist das gesamte Saaletal von Bad Kissingen bis Gemünden eine touristische Region.

Eröffnet wird das Hotel, anders als ursprünglich gedacht, wohl erst im Spätsommer, wenn die Mühle als Rezeptions- und Gastronomiegebäude ausgebaut ist. Schulze sucht auch noch einen Koch oder Pächter. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Restaurierung der Mühle so viel Arbeit und Zeit kostet", sagt er.