Der Umbau des alten Kaufhauses zu einem Bürgerhaus mit Bibliothek, Tourist-Info und Sitzungssaal wird für die Stadt das Großprojekt der kommenden Jahre sein - bedeutend größer als zunächst gedacht. Das wurde in der Stadtratssitzung deutlich.

Die beiden Architekten René Rissland und Gerd Frese erläuterten dort ihren Gestaltungsvorschlag. Dabei konzentrierten sie sich vor allem auf die neue Dachform, da die Pläne bei den Nachbarn Befürchtungen und Widerstand hervorgerufen hatten. Rissland betonte daher, dass der Kniestock nur um 55 Zentimeter erhöht werde.
"Leider wird in der Öffentlichkeit mit falschen Zahlen operiert", sagte sein Kollege Frese. Er erklärte, dass die Erhöhung nur einen Teil des Gebäudes betrifft. Und dass die Dachaufbauten verschwinden, sei von Vorteil. An Auszügen aus der Gestaltungssatzung belegte Rissland, dass sich die geplante Dachform in die städtebaulichen Vorgaben einfügt.

Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) berichtete von einem Gespräch mit den Nachbarn, dass vor einigen Tagen stattgefunden hatte. Dieses sei "recht positiv" verlaufen. Christian Fenn (Junge Liste) meinte, dass die Fehlannahmen nur durch eine falsche Interpretation der Zahlen entstanden seien.

Die künftige Architektur des früheren Kaufhausgebäudes war im Stadtrat aber weniger das Thema. Thomas Brandenstein (SPD) und Martin Wende (CSU) lenkten die Aufmerksamkeit auf einen Aspekt, der die Diskussion dann beherrschen sollte: die Kosten. Mit ihrer Frage berührten sie einen sensiblen Punkt. Die Architekten wollten sich zunächst nicht so recht vorwagen, da es nur eine überschlägige Schätzung anhand von Richtwerten, aber noch keine fundierte Berechnung gibt. Warmuth äußerte die Befürchtung, dass vorschnell eine Zahl im Raum stehen könnte.

Doch die Stadträte bestanden auf einer Angabe. "Es ist wichtig zu wissen, worüber wir abstimmen", sagte Rita Schaupp (SPD). Überraschtes Geraune erfüllte kurz den Sitzungssaal, als Frese die Zahl nannte: 7,2 Millionen Euro. Bisher geht die Finanzplanung der Stadt für die kommenden Jahre von rund 5 Millionen Euro für den Umbau aus.

Die Kosten überschritten auch den Rahmen, den der Auslobungstext für den Architekturwettbewerb gesteckt hatte, wie Florian Röthlein (BfU/Grüne) anmerkte. Alexander Stolz (CBB) sagte daher, dass er irritiert sei. Stadtbaumeister Detlef Mohr erwiderte darauf, dass die Kostenvorgabe im Auslobungstext nur "sehr wage" gehalten gewesen sei.

"Jeder von uns muss bei der Zahl erst einmal schlucken", erklärte Wende, um den Ausgaben aber Einsparungen bei Miete und Energiekosten nach dem Umzug aus dem Kellereischloss ins neue Bürgerhaus entgegenzuhalten.

Von riesen Bauchschmerzen sprach Reimar Glückler (CBB). Er äußerte die Befürchtung, dass die Stadt andere Projekte vergessen könne. Glückler forderte die Verwaltung auf, bei der Regierung von Unterfranken nachzufragen, welche Fördersumme die Stadt erwarten könne. Ein Gespräch ist laut Bürgermeister für diese Woche bereits geplant. Der Umbau werde erst umgesetzt, wenn die Finanzierung stehe, erklärte Warmuth. "Das Projekt darf die Stadt nicht lahmlegen." Mehrmals wiederholte der Bürgermeister, dass vor einer Entscheidung eine konkrete Kostenberechnung notwendig sei: "Wir brauchen erst eine fundierte Kostenberechnung."

Darum ging es auch eigentlich in der Sitzung: Die Stadträte sollten den Architekten den Auftrag - und nur den Auftrag - geben, die Kosten des Umbaus genau zu berechnen. Das allein wird die Stadt ungefähr 200 000 Euro für die Arbeit der Architekten und weiterer Fachplaner kosten, denn das Honorar hängt vom Projektumfang ab.

"Wann ist der Zeitpunkt, um grundsätzlich über das Projekt zu sprechen?", fragte Fenn. Den Weg, zunächst die konkreten Kosten ermitteln zu lassen und dann zu entscheiden, hielt Schaupp für richtig - angesichts der Erfahrungen in der Vergangenheit. "Wir haben A gesagt, jetzt müssen wir auch B sagen", meinte Glückler. So gaben die Stadträte mit drei Gegenstimmen den Architekten den Auftrag, eine genau Kostenberechnung vorzulegen.