Die drei Rinder sind schon abmarschbereit. Die Tochter hat die Tiere daran gewöhnt, am Strick zu trotten, erklärt Alfred Greubel. Denn der Landwirt will mit ihnen am Samstag zum Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen ziehen. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Milchviehhalter, Romuald Schaber, ist laut Greubel auch mit dabei. Der Landwirt hofft, dass sich noch andere Landwirte und Nicht-Landwirte anschließen.

Greubel lassen die Pläne des Wasserwirtschaftsamts keine Ruhe. Er gehört zu den entschiedensten Gegnern der Behörde. Die will entlang der Saale einen bis zu 15 Meter breiten Uferstreifen anlegen, der aus einem fünf bis acht Meter breiten Gehölzsaum und einem Wiesenstück bestehen soll. Damit soll die Saale in einen ökologisch guten Zustand im Sinne der europäischen Wasserrahmenrichtlinie versetzt werden.

Pacht nur für ein Jahr

Der Widerstand dagegen ist nicht neu. Nun aber treiben neue Pachtbedingungen Greu-bel auf die Straße: Einige langjährige Pachtverträge für Flächen, die das Wasserwirtschaftsamt in den vergangenen Jahren gekauft hat, sind ausgelaufen. Die Behörde verpachtet die Grundstücke zwar wieder, allerdings nur noch jeweils für ein Jahr. Außerdem dürfen die Flächen nicht gedüngt werden.

"Was ist ein Jahr? Eine Kuh gibt erst nach mehr als zwei Jahren Milch. Ich muss langfristig denken", sagt Greubel. Gerade für Biobauern sei eine langfristige Verpachtung wichtig, weil sie eine solche vorweisen müssen.
Leonhard Rosentritt weiß das. Sagt aber: "Mir sind die Hände gebunden." Der Leiter des Wasserwirtschaftsamts verweist auf Musterverträge, die zwischen dem Umwelt- und dem Landwirtschaftsministerium abgestimmt seien. Die einjährige Pachtzeit erklärt er auch damit, dass die Behörde sich nicht langfristig binden kann, solange die Uferstreifen nicht angelegt sind.

Im Rahmen einer Flurbereinigung sollen die Flächen des Wasserwirtschaftsamts gegen andere Grundstücke getauscht und so zusammengelegt werden, dass die Behörde die gewünschten Uferstreifen bekommt. Danach stellt Rosentritt eine mehrjährige Verpachtung des für die Grünlandnutzung vorgesehenen Uferbereichs in Aussicht.

Rosentritt betont, dass das Wasserwirtschaftsamt schon auf die Landwirtschaft zugegangen sei. Er signalisiert auch weiter Gesprächsbereitschaft. Doch Greubel misstraut der Behörde. Er glaubt, dass die Uferstreifen wegen des Bibers angelegt werden, damit bei Schäden keine Ansprüche entstehen. Dabei bezieht er sich auf eine Broschüre des Landesamts für Umwelt, die Uferstreifen als Präventionsmaßnahme nennt. Greubel will auch nicht, dass die Uferflächen im Eigentum der Behörde sind.

Auch wenn der Widerstand gegen das Vorhaben des Wasserwirtschaftsamts nicht immer so einheitlich und entschieden ist, gibt es seit dem vergangenen Jahr keinen Fortschritt bei den Flächenstreitigkeiten. Die Behörde hat ihr Ziel noch nicht erreicht. Wie Rosentritt ankündigt, sollen die Gespräche daher jetzt im Frühsommer erneut aufgenommen werden.


Treffpunkt Alle Interessierten, auch Nicht-Landwirte, können sich an dem Marsch zum Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen beteiligen. Start ist am Samstag, 3. Mai, um 9 Uhr am Hof von Alfred Greubel in Elfers hausen, Langendorfer Straße 4. Die Strecke verläuft im Wiesengrund von Elfers hausen und führt über Aura nach Euerdorf. Dann geht es auf dem Rad- und Wanderweg nach Bad Kissingen. Unterwegs können sich Teilnehmer jederzeit anschließen. Zurück geht es per Zug von Bad Kissingen nach Elfershausen. Wer auf der Strecke dazustößt, wird zu seinem Fahrzeug gebracht.