Hammelburg In der Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe Bad Kissingen des Bundes Naturschutz in der Markthalle legte der Vorstand die Aktivitäten des Umweltverbandes vor Ort dar. Vorsitzender Franz Zang berichtete von den Schwerpunkten der Arbeit der BN-Aktiven im vergangenen Jahr: Vom Werben für einen Nationalpark Rhön, dem Feiern des 30-jährigen Bestehen des Sinnberggartens, der Eröffnung der Biberwasserwelten an der Sinn bis zur Fertigstellung des Buches zur Sinn.


Grüngitterprojekt

Zweiter Vorsitzender Ingo Queck ging auf den exponentiellen Rückgang der Biodiversität am Beispiel von Insekten und Vögel ein. Das Grüngitterprojekt des Landkreises sei ein wichtiger Schritt, etwas vor Ort dagegen zu tun.
Für den Arbeitskreis Energie berichtete Theo Hein von der Besichtigung der Stadtwerke Haßfurt. Diese belegten, dass eine dezentrale, vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien für Strom, Wärme und Mobilität möglich ist.


Prallgefülltes Programm

Elisabeth Assmann von der BN-Geschäftstelle dankte allen ehrenamtlichen Mitstreitern und wies auf das prallgefüllte Jahresprogramm mit Exkursionen, Vorträgen und dem Kinderzeltlager hin. Besonders ging sie auf das Umweltbildungsprojekt zum Thema Amphibien ein. Hier werden für Interessierte Exkursionen und Schulungen angeboten. Beginn ist am 24. März, um Anmeldung wird gebeten. Mitmachen können alle Interessierte.
Danach erfolgte der Kassenbericht von Kassier Heiko Lieb. Die Kassenprüfung ergab keine Beanstandungen. Die Mitglieder entlasteten den Vorstand.
Im Anschluss hielt Professor Dr. Jens Dauber vom Thünen-Institut für Biodiversität in Braunschweig vor fast hundert Zuhörern einen Vortrag zum Thema Agrarsysteme der Zukunft. Er stellte die Forschung seiner Mitarbeiter zu innovativen landwirtschaftlichen Produktionssystemen und biologischer Vielfalt vor. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen und die erstellten Gedankenmodelle bilden die Grundlage für zukünftige Agrarpolitik. Die Diskrepanz zwischen der wichtigen Bedeutung der Artenvielfalt und dem Rückgang der Artenvielfalt, der fehlenden Reaktionen in Politik und Umsetzung von wirksamen Maßnahmen verdeutlichte Dauber anhand von Beispielen. Es gebe verschiedene Lösungswege.
"Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, zu klären, wo wir hinwollen. Wir können die Biodiversität in der landwirtschaftlichen Fläche erhalten bzw. erhöhen oder dies nur in Schutzgebieten umsetzen." So kann zum Beispiel im Acker (land sharing, Forschungsprojekt "Relevant") die Fruchtfolge verlängert und damit die Artenvielfalt erhöht werden oder durch Ansaat von Blühmischungen der Schaden durch das Getreidehähnchen verringert und der Ertrag um 10 Prozent gesteigert werden. Oder es werden Flächen aus der Produktion genommen, wie etwa durch Lerchenfenster: das sogenannte "land sparing".
Zielarten für das Monitoring sind hier: Amphibien, Feldhasen, Vögel, Pflanzen, Schmetterlinge, Wildbienen. Es müsse nicht nur ein Zielraum, es können auch unterschiedliche Zielräume interdisziplinär entwickelt werden, so Dauber. Er plädierte für regionale Konzepte und keine Förderung nach dem Gießkannenprinzip. Ökosystemdienstleistungen müssten stärker berücksichtigt werden.
Das Greening sieht er auch nach den Ergebnissen des Rechnungsprüfungshofes als zahnlosen Tiger: davon würden nur fünf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der EU berührt. Als ein Beispiel der Forschungstechniken seines Institutes stellte er ein Begleitmonitoring mit Wildbienen vor. Durch Pollenanalyse kann man erkennen, inwieweit die angesäten Blühstreifen von den Wildbienen genutzt werden. Oder das Push-Pull Prinzip: So wird in Kenia im Mais durch den Geruch der Untersaat der Maiszünsler vertrieben (push) und zur Eiablage auf ein bevorzugtes Gras außerhalb des Ackers gelockt (Pull).


Appell an den Verbraucher

In der anschließenden Diskussion kam aus Reihen der anwesenden Landwirte der Appell an den Verbraucher, ökologisch und nachhaltig produzierte Lebensmittel wert zu schätzen und diese auch dementsprechend zu bezahlen. "Vor dem Kauf jeden Handys werden Bewertungen gecheckt, nur bei dem Lebensmitteln muss es vor allem günstig sein," warf ein Zuhörer ein. Ein anderer wies darauf hin, dass wir zumindest in Deutschland nicht hungern und daher die landwirtschaftliche Produktion nicht bis zum letzten intensiviert werden müsse.
Die Diskussion zwischen Naturwissenschaft und Landwirtschaft müsse in Zukunft auf Augenhöhe stattfinden. Ein Einwand aus dem Publikum war, dass die Infrastruktur zur Verarbeitung von regionalen Lebensmitteln auf dem Lande fehle. Es gebe kaum noch verarbeitende Betriebe, kaum noch Schlachthöfe, kaum noch Mühlen.
Das Resümee des Abends: Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine gemeinschaftliche, gesellschaftliche Aufgabe und nicht nur der Politik oder der Landwirtschaft. Es liegt auch in der Hand jedes Einzelnen, in welchem Zustand wir die Umwelt an die nächste Generation übergeben wollen.

Im Jahresprogramm des Bundes Naturschutz finden sich etliche Besichtigungen von landwirtschaftlichen Betrieben. Der nächste Vortrag geht über Wildbienen am Samstag, 3. März, um 19 Uhr in Oberthulba im Grünen Kranz.
Am Dienstag, 20. März, geht es mit BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner in Rannungen um den Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschaft und in Gewässern durch den Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz. Gasthaus zur Traube, 19 Uhr. hae