Kleine und große Neuigkeiten gab es beim Jahresempfang von Stadt Hammelburg und Bundeswehr. Während Bürgermeister Armin Warmuth nach der umfangreichen Begrüßung auf anstehende Vorhaben in der Stadt einging, sprach Brigadegeneral Andreas Hannemann über die neuen Herausforderungen am Lagerberg, wo 2017 unter anderem weit mehr Offiziers- und Feldwebelnachwuchs ausgebildet wird als bisher. Eine immense Aufgabe, die mit der beschlossenen "Trendwende Personal" zu tun hat.

Darauf ging auch Marina Klein, stellvertretende Leiterin des Bundes-Dienstleistungszentrums (BwDLZ), ein. Die Bundeswehr soll wieder wachsen. "Erstmals seit über 25 Jahren wurde der stetige 'Schrumpfkurs' beendet. Es wurden die Trendwenden mehr Material, mehr Personal und mehr Finanzen eingeleitet", brachte sie es auf den Punkt. In die Materialbeschaffungen werde bis 2030 insgesamt 130 Milliarden Euro investiert, das Personal soll bis 2023 um 11 000 Menschen wachsen. Dafür werden 36 Milliarden Euro bereitgestellt, davon 2,7 Milliarden schon in diesem Jahr.


Investitionen vor Ort

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Standorte Hammelburg und Wildflecken. Eine erfreuliche Aufstockung der zivilen Arbeitsplätze für den Betrieb der beiden Truppenübungsplätze habe es heuer bereits gegeben, der Aufwärtstrend solle hier 2018 fortgesetzt werden. Und auch beim Ausbau der beiden Kasernen wurden im vergangenen Jahr über 15,5 Millionen Euro ausgegeben. Für dieses Jahr sind weitere Baumaßnahmen in Höhe von rund 14 Millionen Euro geplant, beispielsweise für den Bau einer Sporthalle für die Ausbildungswerkstatt und die Sanierung der Trinkwasserversorgung.


Stärker gefordert denn je

Den Grund für die Trendwende bei der Bundeswehr machten mehrere Redner deutlich. "Die Bundeswehr ist vielfältiger und stärker gefordert als jemals zuvor", sagte Marina Klein. Und der Kommandeur Ausbildungszentrum Infanterie und General der Infanterie, Brigadegeneral Andreas Hannemann, ging ins Detail, sprach von Migrations- und Flüchtlingsbewegungen und dass Europa selbst Schauplatz von Gewalt geworden ist.

Die außenpolitische Entwicklung, von den Beziehungen zu Russland über das Engagement in Mali, Afghanistan und im Irak bis hin zur Bewältigung der Flüchtlingsströme hätten 2016 das Ausbildungszentrum Infanterie ebenso berührt, wie bundeswehrinterne Vorgaben. Die Bundeswehr müsse nun qualifiziertes Personal gewinnen, weshalb er alle Zuhörer dazu aufrief, Schulabgänger und Auszubildende auf die vielfältigen Möglichkeiten des Dienstes in den Streitkräften hinzuweisen.


Ungleiche Entwicklung

In all die guten Nachrichten vom Aufwärtstrend mischte der Bundesvorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, auch einen Wehrmutstropfen. Er sei zwar froh, dass es gelungen ist, die Umkehr einzuleiten. Aber bei einer Organisation, die seit 1990 auf Abbau getrimmt gewesen sei, werde der Aufbau entsprechend lange dauern. Und so sei die Stärkung der Bundeswehr wichtig, gehe aber viel zu langsam voran, denn die Verantwortung für zahlreiche neue Aufgaben greife viel schneller. "Die Geschwindigkeiten passen nicht zusammen, weshalb hier ganz schnell ein großes Loch klaffen wird", warnte er. Doch man müsse die Veränderungen annehmen. Die Welt sei im Umbruch und es gebe viele offene Fragen, sagte er.

Im Umbruch befindet sich derzeit auch die Stadtverwaltung. Acht erfahrene Mitarbeiter sind in Ruhestand gegangen, weitere folgen, was eine große Lücke reiße, bilanzierte Bürgermeister Armin Warmuth. Trotzdem stehen viele Projekte an.


Große Projekte

Der Architektenwettbewerb für das alte Kaufhaus läuft. Hier soll ein Bürgerhaus entstehen. Der barrierefreie Ausbau des Rathauses und dessen energetische Sanierung ist ab April geplant und wird über ein Jahr dauern. Bauplätze entstehen sowohl auf dem Schlereth-Gelände als auch im Ofenthaler Weg sowie durch die Wohnungsbaugenossenschaft in der Friedhofstraße. Ein weiteres Beispiel war das Stadtmuseum, das gerade neu konzipiert und im Oktober wieder eröffnet wird.

Nach den offiziellen Reden nutzte Brigadegeneral Hannemann die Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen. Denn nicht nur "der Neue auf dem Lagerberg", wie er sich selbst bezeichnete, weiß, dass ein Neujahrsempfang jedem die Möglichkeit gibt, alte Bekannte zu treffen, politische Mandatsträger persönlich anzusprechen und Projekte auf dem kleinen Dienstweg anzugehen oder auch neue Ideen zu entwickeln. Für den musikalischen Rahmen sorgten die Untererthaler Musikanten.