Nicole Erhard wollte ursprünglich in einen Neubau ziehen. "Wir haben lange im Waizenbacher Gutshaus zur Miete gewohnt, daher hatte ich keine Lust mehr auf ein altes Gebäude", sagt sie. Seit Frühjahr wohnt sie mit Ehemann Andreas und Tochter Amelie nun in einem mehr als 100 Jahre alten Haus.

Der Klinkerbau im Ort fällt auf, unterscheidet er sich doch von der sonst üblichen Bauweise. "Der Architekt hat uns gesagt, dass früher nur wohlhabende Leute so ein Haus hatten", erklärt Andreas Erhard. Das Haus war Teil eines landwirtschaftlichen Anwesens. Einst war wohl eine Schreinerei in dem Gebäude untergebracht. Beim Umbau sind Fundamente der Werkstatt zum Vorschein gekommen, wie Andreas Erhard erzählt.

Vor rund drei Jahren erwarb das Ehepaar das Haus bei einer Zwangsversteigerung. Für das Gebäude sprach unter anderem, dass es in Waizenbach direkt gegenüber dem landwirtschaftlichen Betrieb von Andreas Erhards Eltern liegt. So kann heute die Hackschnitzelheizung auf dem Hof auch das Haus versorgen. Dafür wurde per Spülbohrung eine Leitung unter der Straße verlegt.

Nach dem Hauskauf folgten noch andere Arbeiten: "Wir haben alles umgekrempelt", beschreibt es Nicole Erhard. Die Raumaufteilung wurde verändert. Im Erdgeschoss entstand so zum Beispiel ein offener Wohn- und Essbereich. Nicole Erhard betont: "Das kann man auch in einem Altbau machen."

Damit die Statik die verschiedenen Umbauideen verkraften konnte, wurden Eisenträger eingezogen. Neue, bodentiefe Fenster lassen von der Gartenseite aus viel Licht ins Innere fallen. Die Wetterseite des Hauses, die einzige verputze Seite der Fassade, wurde aufgefrischt.

Das Ehepaar packte vor allem bei den Abrissarbeiten selbst mit an - nicht nur innen. Denn an das Haus war noch eine Scheune angebaut. Sie passte nicht dazu, war längst nicht mehr nützlich und musste daher verschwinden. Jetzt ist das Klinkerhaus von allen Seiten frei und kommt dadurch noch mehr zu Geltung.

Für die Umbauten nutzten die Erhards Fördermöglichkeiten. Ein Topf war das kommunale Förderprogramm für die Innenentwicklung der "Allianz Fränkisches Saaletal". In den Mitgliedsgemeinden der Allianz - Hammelburg, Oberthulba, Wartmannsroth, Elfershausen, Fuchsstadt, Aura, Euerdorf, Ramsthal und Sulzthal - gibt es abhängig von der Investitionssumme bis zu 10 000 Euro für die Nutzung leer stehender Immobilien im Ortskern. Dazu gibt es noch einen Bonus pro Kind. Nach Angaben der Allianz profitierten seit 2014 rund 45 Vorhaben von dem Zuschuss.

Die Leerstandsbörse des Landkreises immobilien.landkreis-badkissingen.deführt das Haus in Waizenbach als gutes Beispiel auf. Und auch Nicole Erhard meint voller Überzeugung: "Das Haus ist was Besonderes. Es hat Charakter."