Es gibt noch echte Kuschel-Ecken für Flora und Fauna. Nischen, in denen Kleingetier und Pflanzen nisten und sich Lebensraum schaffen. Seien sie noch so unscheinbar und klein - der Löwenzahn und der Knöterich, die Fledermäuse und die Mehlschwalben - sie sind in Höfen, Gärten und alten Gemäuern Hammelburgs zu finden. Hier urbanisieren sie sich auf ihre Art.
Auch die fünfte Stadtwanderung des Bund Naturschutz (BN) lockte wieder etliche Interessierte an. BN-Vize-Kreisvorsitzender Jochen Willecke zog eine positive Bilanz zur Vielfalt der Arten in der Altstadt, auch wenn natürlich Negativ-Beispiele ebenso nicht von der Hand zu weisen sind. "In der Altstadt sind noch Orte vorhanden, an denen sich natürliches Leben entwickeln kann. Schön ist, dass es auch Menschen gibt, die so etwas zulassen und sogar unterstützen. Denn man muss nicht alles zubetonieren, streichen und glatt machen", freute sich der Naturfreund.

Schwalben und Mauersegler

Willecke begann, unterstützt von Sophie Rauschmann und Gottfried Hummel, seine Entdeckungsreise am Marktbrunnen. Von dort führte der Weg zur alten Volksschule, wo wie am Marktplatz, Mehlschwalben nisten.
Eine ganze Kolonie ist unter dem vorspringenden Dach zu finden, die sich in künstlichen und natürlichen Nestern angesiedelt haben. Ein eigenes Völkchen, das bei anhaltend schlechtem Wetter seine Jungen aus dem Nest wirft, um Platz für die Zweitbrut zu schaffen. Der pfeilschnelle Mauersegler kann die Nester nicht besetzen. Er ist mit 42 Zentimetern Flügelspannweite zu groß.
Auf der naturbelassenen Wiese der alten Schule finden sich zum Weiher hin zahlreiche Wildpflanzen. Rauschmann und Hummel erklärten die Botanik, die durch Samen entstanden ist, die vom Wind oder durch Vögel verbreitet wurden. Die Kinder unter den rund 20 Teilnehmern durften die Pflanzen auf vorbereiteten Blättern zuordnen und aufkleben.
Ein wenig geeignetes Areal für wild lebende Natur ist der zwar optisch ansprechende, aber nicht für Pflanzen und Tiere geeignete Hof der ehemaligen Raiffeisenbank, in der die AOK heute ihren Sitz hat. "Eher ein Lebensraum für Autos und Menschen", beurteilte der BN-Mann den gepflasterten Parkplatz mit nur wenig Grün.

"Terrain für Senioren-WG"

Durch die leider asphaltierte Schafgasse, die nicht so recht zur Mauer des Forstamtsgartens passt, erreichte die Schar das landwirtschaftliche Anwesen Butler/Jopp. Hier befindet sich ein echtes Paradies für "wilde Einwanderer". Präparierte Tiere zeigten, wer alles einen Lebensraum in den Ställen und Nebengebäuden des Schafhofs findet: Igel, Eichhörnchen, Hermelin und Eichelhäher, Fledermäuse, Vögel und verschiedene Pflanzenarten.
Für Willecke wäre der verlassene Hof "ein ideales Terrain für eine Senioren-WG". Alte land- und hauswirtschaftliche Geräte präsentierte Rudi Schellenberger in seinem ehemaligen Heimathof in der Dalbergstraße. Hier haben Rauchschwalben, Rotkehlchen und Fledermäuse ihren Lebensraum gefunden. Die immer noch wohl schmeckenden Früchte eines Birnbaumes fängt der Besitzer mit einem großen Netz auf.

Erinnerung an "Krons-Schorsch"

Zu den grünen Oasen Hammelburgs zählt auch der frühere, wieder hergerichtete Bauernhof vom "Krons-Schorsch" in der Dalbergstraße. Mit den alten Steinen neu gepflastert und vielen Pflanzen ausgestattet, bewahren die Bewohner, Siegfried Heinrich und Gabi Bindrum, ein Stück Alt-Hammelburg. So wird auch die Erinnerung an einen kauzig-humorigen Bewohner konserviert, an den sich noch viele Altstädter erinnern.
Vom Wohanka-Anwesen gab es den besten Blick auf die Störche auf dem Mönchsturm. Der große Garten mit seinem üppigen Bewuchs bietet auch einen Feigenbaum, dessen Früchte die Besucher kosten durften. Halbhöhlenbrüter und Fledermäuse finden hier eine Heimat. Zu den Feigen gab es ein Eis für die Kinder. Der "Hurrleins-Garten" mit dem vom Efeu überwucherten Gartenhäuschen und der Rentamtsweiher, in dem die ausgesetzten Wasserschildkröten, Bless-, Teichhühner und Enten prächtig gedeihen, bildeten nach drei Stunden den Abschluss der Führung. Die Exkursion zeigte, dass sich Hammelburg durchaus noch die Liebe und Nähe zur Natur erhalten hat und in vielen Fällen auch innig pflegt.