Wer die Klosettspülung in seiner Wohnung betätigt, der denkt nicht automatisch darüber nach, welchen Weg die Entsorgung nimmt. Die Toiletten der meisten Benutzer aus dem Altlandkreis Hammelburg sind der Kläranlage des Abwasser-Zweckverbandes (AZV) Thulba-Saale angeschlossen. Der Betrieb öffnete am Samstag aufgrund seines 25-jährigen Bestehens die Tore seines Betriebes für die Öffentlichkeit. Geschäftsführer Burkard Oschmann leitete die Führungen durch die Kläranlage.
Es hat sich in den vergangenen Jahren ganz schön was getan", lobt Besucher Andreas Binder die Hammelburger Kläranlage nach der Besichtigung. Beeindruckt sei er von der Verwendung des Gases aus dem Klärschlamm. "Das gab es früher nicht", erinnert sich Binder an eine Führung vor ein paar Jahren. "Wenn ich sehe, welche Brühe vorn in der Kläranlage ankommt und wie sauber das Wasser ist, das diese Anlage verlässt, dann muss ich meine Hochachtung vor diesem großen Erfolg aussprechen", sagt er.
Besucherin Steffi Kirchner: "Es war eine interessante Führung. Ich achte darauf, dass die Kanäle nicht zusätzlich mit Verschmutzung belastet werden, indem ich regelmäßig die Straße vor meiner Haustüre kehre". Diese Kläranlage sei eine "supergute" Einrichtung, so Kirchner. "Man hat ein gutes Gewissen, dass hier das Abwasser gründlich gereinigt und die Umwelt in Ordnung gebracht wird", meint sie.

Stadt ist größter Nutzer

Die Stadt Hammelburg ist der größte "Kunde" beim Abwasser-Zweckverband. Per Amt ist Bürgermeister Ernst Stross (SPD) der Verbandsvorsitzende. "Zusammen mit den angeschlossenen Nutzern aus Oberthulba, Elfershausen und Fuchsstadt hat sich diese Anlage seit 20 Jahren bestens bewährt", bestätigt Stross. Auch die Zusammenarbeit mit an anderen Kommunen klappt. "Es ist ein gutes und vertrauensvolles Miteinander", bestätigt Stross. Das betreffe sowohl die gut funktionierende Technik der Kläranlage als auch die Leistungsfähigkeit der neun Mitarbeiter, die sich auch um das 210 Kilometer lange Netz der Abwasserkanäle kümmern. "Wir sind ein Zweckverband und die angeschlossenen Kommunen müssen weiterhin die Hoheit über Wassergewinnung und Kanalentsorgung behalten", betont Stross mit Nachdruck.
Früchte dieser umsichtigen Politik sind die ständig wachsenden technologischen Erneuerungen und auch die energiesparenden Maßnahmen. "Der AZV kann sich mit Anlagen vergleichbarer Größe bundesweit messen", ist sich Stross sicher. Jederzeit konnten nach dessen Überzeugung die gesetzlichen Vorgaben der Abwasserreinigung eingehalten werden. "Für die Zukunft sind wir in Sachen Klärschlamm gewappnet", so Stross. Das betreffe auch die wachsende Abwasserbelastung durch immer mehr Medikamente.

Kontinuierliche Erneuerung

"Die Technik unserer Anlage ist mittlerweile 15 Jahre alt", weist Geschäftsführer Oschmann auf die Notwendigkeit zur kontinuierlichen Erneuerung hin. Die Aggregate laufen Tag und Nacht, Sommer wie Winter und unterliegen einem natürlichen Verschleiß. Von Morlesau im westlichen Bereich bis Engenthal im Osten und Hassenbach im Norden reicht das angeschlossene Kanalnetz. Insgesamt seien zwölf Pumpwerke rund um die Uhr tätig. Ob Euerdorf noch hinzukomme, das sei noch nicht entschieden. Nach der kommenden Kommunalwahl sehe man klarer. "Technisch wäre dieser Anschluss recht anspruchsvoll, aber durchaus möglich", so Oschmann.

Gas aus dem Schlamm hilft sparen

Ein umweltfreundliches Thema ist für Oschmann die Energieeinsparung durch genutzte Methangase aus dem Klärschlamm. "Täglich sind das im Durchschnitt 33 Liter Gas pro Einwohner", bestätigt er die Messungen. Der Zukaufbedarf von elektrischem Strom sei durch die Gasnutzung als Energieträger auf etwa die Hälfte gesunken. Das entspreche einer Ersparnis von rund 400 000 Kilowattstunden im Jahr. Weitere Energie werde durch die Modernisierung mit pfiffiger Steuertechnik eingespart, so Oschmann.
Dass die Verbrauchergebühren in den kommenden Jahren stabil bleiben, bezweifelt Oschmann. "Einerseits wird es aufgrund der demographischen Entwicklung weniger Verbraucher, die sich die Gesamtkosten teilen. Andererseits wird immer weniger an Wasser verbraucht", so die Hochrechnung des Geschäftsführers. Es werde jedoch stets darauf geachtet, dass bei den geplanten Investitionen die Gebühren nicht aus dem Gleichgewicht geraten.
Als erfreuliche Nachricht wertet Oschmann die Verlängerung des seit 2004 bestehenden Betreuungsauftrages mit dem Bundeswehr-Dienstleistungszentrum bis 2023 für die Abwasseranlagen in Lager Hammelburg und Bonnland. Positiv bewerten sowohl Oschmann als auch Stross die Situation des Grundwasserspiegels an Saale und Thulba. Sogar extreme Wettersituationen wie zum Beispiel das winterliche Hochwasser und der Trockensommer im Jahre 2003 hätten das Grundwasser nicht aus dem Gleichgewicht gebracht.