Die Erlebnisse in Kirgistan lassen Gudrun Binder nicht los. Bis heute sind die Begegnungen mit den alten Menschen dort lebhaft vor Augen. So erzählt Binder von einer Rentnerin, die an der Straße Erdbeeren verkaufte, um ihre schmale Rente aufzubessern. "Die Frau war glücklich, als ich ihr einige Früchte abkaufte", berichtet Binder. Erfahrungen wie diese sorgten dafür, dass Binder Gründungsmitglied und später Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins "Babuschka Adoption Deutschland" wurde.

Der Verein sammelt Spenden, um Großmütter und Großväter in Kirgistan finanziell zu unterstützen. Besonders in den Städten gebe es viele bedürftige Alte, erklärt Binder. Denn diese lebten allein, weil ihre Kinder zum Beispiel auf der Suche nach Beschäftigung ausgewandert seien.

Die wenigen Mitglieder des Vereins wohnen in ganz Deutschland verstreut. "Das macht Sitzungen schwierig. Wir skypen aber viel", sagt Binder. Da sie seit 2011 Vorsitzende ist, ist Westheim Sitz des Vereins. Binder ist vor allem für das Konto verantwortlich und verwaltet die Spenden, die sie an die Stiftung "Babuschka Adoption" auf kirgisischer Seite überweist.

Vereinsleitung wechselt

Da die examinierte Krankenschwester allerdings viel unterwegs ist, um freiberuflich Schulungen und Vorträge zu halten, gibt sie diese Arbeit nun ab. Eliza Mandieva übernimmt die Leitung des Vereins.

Die 29-Jährige stammt selbst aus Bischkek, der Hauptstadt Kirgistans. Als Au-pair-Mädchen kam sie mit 19 Jahren nach Deutschland. Sie studierte und forscht nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Projekt am Lehrstuhl für Soziologie der Universität Bamberg.

Mandieva will die Organisation des Vereins ausbauen. "Gudrun hat gute Vorarbeit geleistet", meint sie. Mandieva plant, die Kommunikation mit den Spendern zu stärken und die Hilfstätigkeit auf Sachspenden auszuweiten. Das ist auch im Sinne Binders: "Als Krankenschwester fiel mir in Kirgistan gleich auf, dass die Helfer keine Handschuhe haben."

Trotz des Wechsels in der Vereinsleitung, bleibe die Verbindung zu Hammelburg wichtig, sagt Mandieva. Binder will auch weiterhin Mitglied des Vereins bleiben.

Im Jahr 2008 reiste sie für zwei Monate als Senior Expertin nach Kirgistan. In einer Privatklinik in Bischkek schulte Binder das Personal. Sie lernte Klaus-Dieter Häger aus Rotenburg an der Wümme kennen, der ebenfalls Senior Experte war. Häger wollte in Deutschland einen Verein gründen, um alten Menschen in Kirgistan zu helfen, nachdem mit Hilfe der Schweizer Agentur für Entwicklungsarbeit das Babuschka-Projekt bereits gestartet war. So stieg Binder mit ein. Irgendwann will sie Kirgistan wieder besuchen.