Für die rund 80 Teilnehmer ist der etwa 18 Kilometer lange Grenzgang mit Anstrengung verbunden, bringt aber auch viele Informationen. Der 76-jährige Herbert Stürzenberger ist extra aus Hassfurt angereist. "Ich bin froh, dass ich noch einmal dabei sein kann. Gerne erinnere ich mich an meine Schulzeit in Oberthulba. Ich war 13 Jahre alt, als wir als Schulkinder diese Grenzen abliefen", sagt er.
Obmann Hermann Schlereth bedauert die geringe Teilnahme der Jugendlichen. "Ich hätte mir eine etwas bessere Beteiligung gewünscht. Es ist für uns wichtig, der Jugend die Grenzen der Gemarkung näherzubringen", erklärt er.
Vom Marktplatz aus zieht die Gruppe am frühen Morgen an der Henze-Mühl vorbei zum ersten Anlaufpunkt, der Grenze zu Albertshausen. Beim Grenzstein an der Staatsstraße warten schon die Albertshäuser Siebener Günther Wolf und Robert Halbig.
Der Stein war vor einigen Jahren verschwunden, wurde später aber wieder neu gesetzt. An der Albertshäuser Hecke weiß der Sprecher der Holzrechtler, Gottfried Stürzenberger, zu berichten: "Es wird erzählt, dass die Hecke früher zu Oberthulba gehörte und für einige Laib Brot und auch Schnaps an Albertshausen verkauft wurde. Allerdings ist das nicht nachzuweisen. Auch eine Überprüfung durch den Heimatpfleger brachte keinen Aufschluss." Günther Wolf ist das ebenfalls bekannt. "Allerdings soll es damals einmal einen etwa 30 Jahre dauernden Streit wegen dieser Hecke gegeben haben", erklärt er.
Zusammen mit den Albertshäusern geht es weiter am Antonius-Bildstock vorbei. Entlang der Grenze führte auch ein Weg, der in Gräben eingefasst war. Es sollen alte Landwehr-Gräben gewesen sein. Die Albertshäuser Siebener wissen, dass diese Gräben im Frondienst zu unterhalten waren: "Das haben die Öwerdöllwer machen müssen. Wer die Gräben beschädigte, wurde sogar mit einigen Gulden bestraft."

"Eine Art Maut"

Hans Dünninger aus Wittershausen fügt hinzu, dass zu früherer Zeit die Landwehrgräben nur an bestimmten Stellen überquert werden durften. Der Durchgang war sogar gebührenpflichtig. "Es war eine Art Maut."
Am Dreimärker, dem "Hexenstein", begrüßen die Wittershäuser die Wanderer. Es ist die Stelle, an der die Gemarkungen von Albertshausen, Wittershausen und Oberthulba aneinander stoßen. Die gute Nachbarschaft wird mit einem Schluck Hochprozentigem begossen.
Ein früherer Förster ist mit seinem Auto immer wieder am "Hexenstein" hängen geblieben, erzählt Obmann Alfred Röder. Der Name kommt wahrscheinlich davon, dass an dem Stein in der Walpurgisnacht die Hexen tanzten. Wie Röder berichtet, wurde manchem Spätheimkehrer vom Tanzabend in Albertshausen aufgelauert. "Mit weißen Betttüchern verkleidet, versuchte man diesen nächtlichen Heimkehrern im Dunkel des Waldes einen Schreck einzujagen", sagt Röder.
Ein alter Brauch bei Grenzgängen ist es, dass der Bürgermeister gestaucht wird. Das übernehmen die drei Obmänner Hermann Schlereth, Günther Wolf und Alfred Röder. Sie schwingen Bürgermeister Gotthard Schlereth über den markanten Dreimärker.
"Der Wittershäuser Wald liegt zwar auf Grund und Boden der Gemeinde. Der Wald, etwa 200 Hektar, wird jedoch von den Rechtlern des Ortes bewirtschaftet", informiert Bürgermeister Schlereth. "Die Zusammenarbeit laufe gut. "Keinesfalls wollen wir an diesen Rechten, die eine fränkische Besonderheit sind, etwas verändern", versichert der Bürgermeister.
Am Wittershäuser Feld geht es vorbei an alten Hünengräbern in den Deiselbach zum Bildstock des heiligen Antonius. Dort können sich die Teilnehmer nach mehr als zwei Stunden bei einer von der Marktgemeinde und den Jagdgenossen spendierten Brotzeit stärken. Auf dem Höhfeldsberg - hier war einst der Weinberg von Oberthulba - haben die Wanderer einen herrlichen Blick in das herbstliche Saaletal.

Ortsbeauftragte gestaucht

Ortsobmann Günter Hartung aus Feuerthal wartet mit seinen Begleitern am Dreimärker, der Grenze zu Feuerthal, Elfershausen und Oberthulba. Dort kommt die neue Ortsbeauftragte von Oberthulba, Margot Schottdorf, beim Stauchen an die Reihe.
An einem der höchsten Punkte der Marktgemeinde, dem Oberthulbaer Kalkstein-Steinbruch, gibt es den nächsten Dreimärker. Ihn hat der Thulbaer Siebener Leo Meder in Beschlag genommen. Er informiert über die Grenzen der Propstei-Gemeinde.
"Ich habe die Steine der gesamten Thulbaer Gemarkung frei und mit Farbe kenntlich gemacht. Ich kenne die exakten Grenzverläufe, auch hier durch den ehemaligen Wald des Juliusspitals", sagt Meder. Die Teilnehmer bewundern die steilen Bruchwände des Kalkgesteins. In den durch Sprengungen entstandenen Steinspalten fühlen sich mittlerweile die Uhus heimisch, erläutert Forstwirt Herbert Halbig.
Die weitere Strecke führt an der Autobahn entlang. Sie durchschneidet die Gemarkung. Dann folgt ein "absolutes Kleinod", wie es Bürgermeister Schlereth ausdrückt: die neuen Kernzonen mit den Waldgebieten "Eischer" und "Zielholz". Im idyllischen Bereich an der Thulba, oberhalb der Reither Mühle nimmt der mehr als fünfstündige Gang durch die Landschaft seinen Abschluss.
Bereits jetzt schon lädt Hermann Schlereth zum nächsten Grenzgang im kommenden Jahr ein. Dann ist der nördliche Teil mit Reith, Hassenbach und Schlimpfhof an der Reihe.