Wer für einen mehrmonatigen Lehrgang auf den Lagerberg kommt, muss seinen Fernseher nicht mehr im Kofferraum mitschleppen. Die Kasernenunterkünfte bieten nun einen höheren Komfort.
Die Soldaten haben in jedem der Einer-, Zweier- und Viererzimmer ein Fernsehgerät, einen Kühlschrank, eine Stehlampe und einen Spiegel auf ihren Stuben. Die "erweiterte Ausstattung" ist Teil der Attraktivitätsoffensive, mit der die Bundeswehr den allgemeinen Konkurrenzkampf um qualifiziertes Personal bestehen soll. "Die Ausstattung ist ein kleiner Baustein des Programms", sagt Matthias Hümmler, Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Hammelburg. Ein kleiner Baustein, aber ein sehr greifbarer. Bisher gab es keine Fernseher auf den Stuben. "Die meisten hatten ihre Fernsehgeräte selbst dabei", berichtet Oberleutnant Andreas Nastvogel. Statt eines Kühlschranks im Zimmer waren auf den Fluren Kühlfächer zu finden. Nun ermöglicht die Ausstattung etwas mehr Privatheit. Und dank des schmalen, körperhohen Spiegels kann jeder Soldat den Sitz seiner Uniform genau prüfen.


Ausbildungsstandort profitiert

Die "erweiterte Ausstattung" wurde zunächst an fünf Pilotstandorten ausprobiert, wie Julia Corterier, Sprecherin des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen, erklärt. Das Amt ist zentral für die Beschaffung der Gegenstände zuständig, das Hammelburger Dienstleistungszentrum hat sich dann vor Ort um die Einrichtung der Zimmer gekümmert. Es habe eine hohe Zufriedenheitsquote von 87 Prozent in der Pilotphase gegeben, berichtet Corterier.
So startete die deutschlandweite Aufrüstung der Zimmer für unterkunftspflichtige Soldaten bis 25 Jahre und Lehrgangsteilnehmer. Das Hammelburger Ausbildungszentrum Infanterie war im ersten Schwung dabei. "Als großer Schulstandort waren wir mit vorne dabei", sagt Hümmler. Das Dienstleistungszentrum hat es geschafft, alle 1340 Unterkunftsräume bis zum selbst gesetzten Termin Ende März auszustatten. Das Zimmer-Programm läuft über mehrere Jahre. Die bundeswehrweit 55 000 Unterkünfte sollen im Jahr 2018 komplett nach den neuen Vorgaben gestaltet sein.


38,5 Millionen Euro eingeplant

Für die Beschaffung der Gegenstände sind laut Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen insgesamt 38,5 Millionen Euro vorgesehen. Danach folgt eine zweite Ausstattungsrunde: Das Mobiliar - Schreibtisch, Schrank, Bett, Regal, Rollcontainer - soll ersetzt werden. Dafür wird gerade eine neue Möbellinie entworfen. Wie Corterier erklärt, fand im vergangenen Jahr ein Wettbewerb statt, aus dem zwei Preisträger hervorgegangen sind. Nun müssen Verhandlungen darüber folgen, wer die neue Möbelserie für die Bundeswehr entwickeln darf. Im Laufe des längerdauernden Prozesses ist auch eine Testphase geplant.
In einigen Jahren sollen die Bundeswehr-Unterkünfte sogar einen noch viel höheren Standard bieten: Die Lehrgangsteilnehmer sollen dann ausschließlich in Einzelzimmern mit eigener Nasszelle wohnen. "Und zwar unabhängig vom Dienstgrad", wie Nastvogel einfügt. Als Infrastrukturoffizier ist er bei Baumaßnahmen die Verbindungsperson zwischen Dienstleistungszentrum und Kaserne.


Neue Häuser geplant

Der Anfang soll bereits in diesem Jahr gemacht werden. Auf dem Lagerberg sollen nach mehrjähriger Planung die ersten 400 Stück dieser neuen Unterkünfte entstehen. Zunächst muss dafür ein altes Wirtschaftsgebäude im Nordteil des Kasernengeländes abgerissen werden. An seiner Stelle entstehen neue Häuser. Laut Christiana Strömel, Facility-Managerin beim Dienstleistungszentrum, sind für die kommenden Jahre zwei weitere Bauabschnitte geplant, wobei der letzte vom späteren Bedarf und der Entwicklung des Standorts abhängt. Parallel zu den Neubau-Planungen saniert das Dienstleistungszentrum den alten Bestand laufend. So haben einige Unterkunftsgebäude jetzt renovierte Gemeinschaftsduschen. Teilweise laufen die Erneuerungsarbeiten gerade.