Bei vielen im Publikum weckt Edwin Fella persönliche Erinnerungen, als er berichtet, dass die Leute früher zweimal im Jahr zu Hause schlachteten. "Die Leute waren Selbstversorger", sagt Fella. Sein Vater war Hausmetzger und er selbst ist auch gelernter Metzgermeister. Bei der Geschichtsreihe "erlebt und erzählt" der Stadtbibliothek schildert er, wie das damals ablief.

Die Hausschlachtungen fanden in der kalten Jahreszeit statt. Meist im Frühjahr und Winter. Dann war die Kühlund kein Problem, wie Karl Heilmann erklärt. Heilmann, 1934 geboren, hat viele Hausschlachtungen als Kind miterlebt. In seinem Garten entstand später außerdem eine Gemeinschaftskühlanlage. So kann er Fellas Ausführungen mit eigenen Erlebnissen ergänzen.

Fella, der 1960 bei der heute längst verschwundenen Metzgerei Bischof am Hammelburger Marktplatz lernte und später bei der Standortverwaltung im Verpflegungsbereich arbeitete, erklärt die einzelnen Schritte einer Hausschlachtung. Zunächst musste aber das Schwein überhaupt erst gemästet werden. "Die Viecher wurden mit allem gefüttert, was Haus und Hof hergaben: mit Kartoffeln, Futterrüben, Schrot, Grünfutter und Stroh und Spülwasser - war ja damals kein Spülmittel drin. Alles bio", meint Fella.


Messer hinterlässt Narbe

Nach dem Töten und Ausbluten des Schweins mussten die Borsten abgeschabt werden, mit einer Glocke, einem kegelförmigen Schaber. Moderator Ernst Stross greift aus der Sammlung an Metzger-Utensilien ein Exemplar heraus und zeigt es dem Publikum.

Stross selbst hat bis heute eine bleibende Kindheitserinnerung an eine Hausschlachtung, wie er zur Einleitung des Geschichtsabends erwähnt hat. Ein unbedachter, spontaner Griff zum Messer hinterließ einst am Daumen eine Narbe.

"Wenn die Sau im Brühtrog lag, musste es schnell gehen", weiß Heilmann noch. Nach der Prozedur mussten die Innereien raus, vor allem der Darm. Er musste geleert, gewaschen und gewendet werden - eine nicht ganz angenehme Arbeit. Andere Innereien waren da beliebter: "Die Leute haben sich ums Hirn gerissen. Mit Eiern und Zwiebeln wurde es zubereitet", sagt Fella. Er beschreibt detailliert jeden Schritt vom Zerlegen bis zum Wurstfüllen und -kochen - im großen Kessel, den die Hausfrau zwei Tage zuvor vielleicht noch für die Wäsche nutzte.

Das frische Kesselfleisch sei etwas Besonderes gewesen. und auch die Suppe, die später vom Wurstmachen übrig blieb, war begehrt. Erst recht, wenn die eine oder andere Wurst im heißen Wasser aufgeplatzt war. Die Suppe wurde verteilt. Heilmann erinnert sich an die Reihenfolge: Zunächst an den Lehrer und den Pfarrer und dann an die Nachbarn. So war eine Hausschlachtung immer für mehr als nur die eigene Familie ein Genuss.