Für die sieben Monate alte Helene war es der erste Jahreswechsel, für ihre älteste Schwester Jenny schon der 19., dazwischen liegen sechs weitere Geschwister der Großfamilie Schelauske aus Machtilshausen. "Wir starten immer eher ruhiger ins Jahr", sagt Mutter Anja. "Wir passen die Feier eher den Kleinen an", berichten die 39-Jährige und ihr 49-jähriger Mann Steffen über den Silvesterabend. "Also eher langweilig", sagt sie fast entschuldigend dazu, was man sich bei acht aufgeweckten Kinder so gar nicht vorstellen kann.

Mutter war selbst Einzelkind

Viele Spiele, Essen und "ein paar Böller": So sah der Silvesterabend bei Familie Schelauske aus. Damit dürften sie ähnlich gefeiert haben, wie die überwiegende Mehrheit im Landkreis - auch wenn mancher überfüllte Marktplatz und einige große Feuerwerke oft mehr im Mittelpunkt stehen. Die zehnköpfige Familie war sogar weitgehend vollzählig: Nur ein Kind feierte auswärts, zwei luden sich Freunde aufs Zimmer ein.

Voll ist das Haus auch sonst oft: "Wir versuchen eigentlich jeden Tag, gemeinsam zu essen", berichtet Mutter Anja. Bei zwei berufstätigen Töchtern sei das nicht immer ganz einfach. An Weihnachten kamen zu den acht Kindern noch die Großeltern dazu. "Ich habe mehr als 30 Geschenke eingepackt", berichtet Anja Schelauske.
Wie kam es zur Großfamilie? "Ich war ein Einzelkind und fand das eher furchtbar", wollte Anja Schelauske zumindest mehr als ein Kind. Bei Steffen Schelauske sah das ganz anders aus: "Ich hatte nur einen Bruder und wollte selbst eigentlich gar keine Kinder." Und: "Früher war ich der Meinung: Wer Kinder in die Welt setzt, ist ein Verbrecher." Das sei nach der Wende gewesen, als es in Leipzig, der Heimatstadt von Anja und Steffen Schelauske, nicht rosig aussah. Aber von diesen düsteren Aussichten haben sie sich nicht abschrecken lassen...

Die beiden ältesten Kinder Jenny (19) und Sophia (17) brachte Anja Schelauske mit in die Ehe. Dann kamen Tobias (13) und Max (11). Vor acht Jahren sei dann "unser ungeplantes Glück" Fiona zur Welt gekommen. "Nach dem fünften Kind beschlossen wir, es sollen acht werden." Also folgten Greta (4), Merle (3) und Helene (sieben Monate). Fünf der acht Kinder kamen daheim zur Welt, freut sich Anja Schelauske über unkomplizierte Schwangerschaften und Geburten, und: "Jede davon war einzigartig."

Im Jahr 2002 kaufte sich die Familie ein ehemaliges landwirtschaftliches Anwesen mitten in Machtilshausen. "Wir haben in einem Kreis rund um meinen Arbeitsplatz in Lohr gesucht", berichtet Steffen Schelauske. Ein altes Häuschen sollte es unbedingt sein. Rund um das schmucke Fachwerk-Gebäude ist vor allem genug Platz für die drei Hunde, fünf Hühner und acht Schafe, die ebenfalls zur Familie gehören.

Nabelschnur durchtrennt

"Alle, die zu Besuch kommen, fühlen sich hier wohl", sagt Tochter Sophia stolz über ihre Großfamilie. Die 17-Jährige durfte bei ihren Schwestern Greta und Helene die Nabelschnur durchschneiden, berichtet sie stolz. Mit sieben Geschwistern lerne man zudem den sozialen Umgang automatisch: "Deshalb mache ich auch eine Ausbildung zur Erzieherin."

"Es ist toll, viele Geschwister zu haben", sagt auch die älteste Tochter Jenny. Das Gefühl, die Aufmerksamkeit der Eltern mit immer mehr Familienmitgliedern teilen zu müssen, habe sie nie gehabt: "Die Eltern waren immer für uns da." Und Max, einer der beiden Brüder unter sechs Schwestern, sagt über seine Geschwister: "Manchmal mag ich sie, manchmal aber auch nicht." Am schönsten sei immer, wenn alle miteinander spielen.

Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein: "Negativ ist oft die Lautstärke", sind sich Anja und Steffen Schelauske einig. Außerdem nerven dumme Sprüche von anderen. Bei einem Camping-Urlaub sei es sogar schon einmal vorgekommen, dass die Camper auf dem Nachbar-Platz einfach wieder einpackten, nachdem sich die Schelauskes vorgestellt hatten. Und: "Es zehrt auch ganz schön am Körper", ist die 39-Jährige froh, dass die Familienplanung jetzt abgeschlossen ist.

Wunsch nach mehr Akzeptanz

Hart sei die Zeit nach jeder Geburt gewesen: "Es dauert so acht bis zwölf Wochen, bis jeder seinen neuen Platz gefunden hat", kommentiert Anja Schelauske die Änderungen im Familien-Gefüge durch ein Kind. Allerdings gebe es auch immer mehr Freiraum für sie und ihren Mann, "weil die Großen immer mal wieder freiwillig auf die Kleinen aufpassen." Und auch von außen komme durchaus Anerkennung: "Viele sagen auch, es sei toll, dass wir uns das trauen", freut sich Anja Schelauske. Trotzdem hofft sie auf noch mehr Akzeptanz in der Gesellschaft: "Ich würde mir wünschen, dass Kinder einfach Kinder sein dürfen und gerne gesehen sind."