Edgar Unsleber hat seinen Gegner in die Enge getrieben. Hans Roth bleiben nicht viele Reaktionsmöglichkeiten, um seinen König vor der feindlichen Armee in Sicherheit zu bringen. Damit ist der schwarze Herrscher wenige Züge später matt gesetzt.

Unsleber ist sichtlich zufrieden. "Die Freude mitzuerleben, ist Belohnung genug für das Spiel", sagt Roth. Im Wechsel mit Norbert Binder besucht er regelmäßig das Wohnheim der Lebenshilfe in der Seelhausgasse, um mit Unsleber Schach zu spielen.

Unsleber gehört zu den insgesamt 13 Bewohnern der Tagesgruppe in der neuen Einrichtung. Zwei Tage in der Woche verbringt er dort. An den anderen Tagen arbeitet er in der Werkstatt der Lebenshilfe.


Leiterin vermittelt den Kontakt

"Ich wusste, dass er Schach spielen kann, daher habe ich den Kontakt aufgenommen", erklärt Annette Gerlach, die Leiterin der Tagesgruppe. Unsleber kann aufgrund seiner Behinderung nicht richtig sprechen. So bleibt die Frage unbeantwortet, wo er Schach gelernt hat. Vielleicht in der Schulzeit? Oder später? Ist aber eigentlich auch egal. Wichtig ist, dass er dank der Vermittlung durch Gerlach über den TV/ DJK mit Roth und Binder zwei feste Schachpartner gefunden hat.

Die beiden messen sich montags und freitags jeweils am Nachmittag etwa zwei Stunden lang mit Unsleber. Das Niveau der drei ähnelt sich. Es ist durchaus herausfordernd, schließlich ist Binder im TV/ DJK für den Schachsport verantwortlich. Der persönliche Stil und die Vorliebe, wie die Züge gesetzt und kombiniert werden, unterscheidet sich natürlich. "Er ist sehr angriffslustig", beschreibt Binder Unslebers Strategie. Manchmal überziehe er dabei aber. So wie jetzt in der zweiten Partie: Bei seinen Attacken hat Unsleber die Defensive vernachlässigt, was er mit dem Verlust des Figurenduells bezahlen wird.

Binder leitete die Schachabteilung des TV/ DJK. Sie hat sie vor drei Jahren aufgelöst, wie er erklärt. Die Schüler seien nach dem Abitur weggegangen. Einige gelegentliche Restaktivitäten sind allerdings noch übrig geblieben.
Die Mitglieder der Lebenshilfe-Tagesgruppe kommen täglich um 8 Uhr aus den verschiedenen Wohnheimen in die Seelhausgasse. Nach dem Frühstück stehen Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Programm, zum Beispiel kochen die Betreuten häufig zusammen. Spiel- und Sportangebote folgen nach dem Mittagessen.

Danach gibt es Kaffee und Kuchen. Um 16 Uhr endet die Betreuung in der Tagesgruppe. Es gibt bereits einige Ehrenamtliche, die mit den Bewohnern zum Beispiel spazieren gehen. Weitere Engagierte sind willkommen. Gerlach berichtet von einer sehr musikalischen Frau aus der Gruppe, die sich über einen Musikpartner freuen würde.