"Die Ausländerbehörde des Landratsamtes Bad Kissingen hat uns informiert, dass die beiden Syrer Saleh und Nawras in Deutschland ihren Asylantrag stellen können. Damit endet das Kirchenasyl." Eine Nachricht, die der Bad Königshofener Pfarrer Karl Feser am Donnerstagabend an die Mitglieder der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats per Email schickte. Rund einen Monat waren die Flüchtlinge im Obergeschoss des Pfarrgemeindehauses unterbracht. Sie durften dabei diesen Bereich nicht verlassen, also keinesfalls auf städtischen Grund gehen, betonte Feser gegenüber der Saale-Zeitung. Außerdem war nur wenigen bekannt, dass die Pfarrei Maria Himmelfahrt Kirchenasyl gewährte.


Mit Diözese abgestimmt

Natürlich hatte der Pfarrer dies mit den Verantwortlichen der Diözese Würzburg abgestimmt. Zuvor hatten die Syrer bereits mehrere Monate schon im Kirchenasyl der Pfarrei in Hammelburg verbracht. Als dies dort endete und eine Abschiebung drohte, die das Leben der Flüchtlinge in Gefahr hätte bringen können, war man auf der Suche nach einer neuen Unterkunft.
Pfarrer Feser überzeugte nach längerer Diskussion Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung von seinem Vorhaben, so dass die beiden Asylsuchenden am 17. August am Kirchplatz in Bad Königshofen ankamen. Sofort ging es dann auf kirchlichen Grund und in die Dachgeschosswohnung. Ein Helferteam hatte sich zusammengefunden und versorgte die Flüchtlinge mit allem Notwendigen. Per Handy hielt man den Kontakt und Feser schaute auch persönlich immer wieder vorbei. So galt sein Dank deshalb auch allen, die sich für die beiden Syrer engagiert hatten.


Lange Schutztradition

Das "Kirchenasyl" steht übrigens in einer jahrhundertealten Schutztradition, aus der heraus es sich in den letzten drei Jahrzehnten zu einer Art Institution entwickelt hat, die dann eingreift, wenn Abschiebung in Gefahrensituationen droht. 1994 gründete sich eine eigene Arbeitsgemeinschaft "Asyl in der Kirche e.V." Dieses Schutzelement hat seit dieser Zeit mehreren Tausenden Menschen das Leben gerettet, weiß Feser. So war es für ihn selbstverständlich seine Hilfe mit einer Unterkunft in Bad Königshofen anzubieten. Kirchengemeinden sollten dann, wenn schnelles solidarisches Handeln gefragt ist, eine Hilfestellung bieten.
Dass dies nicht so einfach ist, zeigten die Vorgaben, denn Kirchenasyl kann nur in ganz besonders dringenden Fällen gewährt werden. So, wenn eine unmittelbare Abschiebung droht, keine Duldung oder Aufenthaltsgenehmigung mehr besteht. Natürlich müssen die Flüchtlinge auch bereit sein, die eingeschränkten Lebensbedingungen während des "Kirchenasyls" auf sich zu nehmen und nach Ende die kirchlichen Räume zu verlassen.


Alte Tugenden

Das Kirchenasyl hat eine lange Geschichte und reicht bis in die Zeit des antiken Griechenland zurück, als in Tempeln, vor Götterbildern oder Altären Schutz gewährt wurde. In christlicher Zeit flohen Verfolgte zum Bischof oder in kirchliche Gebäude. Die christlichen Tugenden "Barmherzigkeit" und "Nächstenliebe" greifen dabei auch heute.
Bundesinnenminister Thomas de Maiziere kritisierte zu Beginn diesen Jahres die Praxis des Kirchenasyls. Als für die Verfassung zuständiger Minister lehne er das Kirchenasyl prinzipiell und fundamental ab, betonte er. Als Christ habe er aber Verständnis dafür, dass die Kirchen in Einzelfällen unter dem Gesichtspunkt der Barmherzigkeit Flüchtlinge aufnehmen würden.
Kirchenasyl ist nach wie vor höchst umstritten, da es gültiger Rechtslage widerspricht. Die Verantwortlichen der Kirchengemeinden könnten der Strafverfolgung unterliegen. Dabei spielen ethische, praktische und juristische Probleme eine entscheidende Rolle. Für Pfarrer Feser stand bei allem die schnelle unbürokratische Hilfe für die beiden Syrer, die in Gefahr waren, im Vordergrund: Wir mussten schnell eine Entscheidung treffen, um Saleh und Nawras eine Unterkunft auf kirchlichem Grund und Boden zu geben.