Am Samstagmorgen trafen engagierte Bauern sowie Politiker, darunter Elfershausens frisch gebackener Bürgermeister Karlheinz Kickuth (SPD / FWG), und der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Milchviehhalter, Romuald Schaber, auf dem Hof von Alfred Greubel ein.

Die Änderungen des Bayerischen Wassergesetzes hatten Greubel aufhorchen lassen. "Wir befürchten weitere Einschränkungen bei der Bewirtschaftung der Saalewiesen und dass wir auf eventuellen Schäden sitzen bleiben", meint Greubel. Denn wenn das Wasserwirtschaftsamt (WWA) die Uferstreifen in einer Breite von 20 Metern erwerbe, dann sei es von der Haftung befreit. Momentan gebe es noch einen staatlichen Entschädigungsfond.

Ein Abteilungsleiter des WWA nahm die Sorgen der Landwirte am Zielort in Bad Kissingen zur Kenntnis. Er zeigte sich gesprächsbereit, konnte aber von jetzt auf gleich keine Lösung anbieten. Der gute Uferzustand sei von großer Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt, machte er deutlich.

Großes Interesse

Das Interesse am Protestmarsch war groß. Etliche solidarische Landwirte waren auf Greubels Milchhof eingetroffen, um dem Wasserwirtschaftsamt mit der Botschaft "Gewässerschutz nur mit den Bauern" ein Zeichen gegen die Verstaatlichung breiter Uferstreifen zu setzen. Vornweg marschierten drei Jungkühe aus Greubels Stall, die das Marschtempo vorgaben. So brauchte die Protestgruppe von rund zwei Dutzend Leuten einige Stunden, um sich längs der Saale über Aura und den Bad Kissinger Golfplatz hinweg zum Wasserwirtschaftsamt zu bewegen.

Aus der Region Ansbach kam Landwirt Reinhold Adel angereist, um am Protestmarsch teilzunehmen. "Wir unterstützen Greubel, den wir über unseren Verband BDM kennen", erklärt Adel. "Wir müssen durch unsere Aufmerksamkeit die Ämter wach rütteln", wünscht er, dass die Anliegen von der Chefetage der Ämter zur Kenntnis genommen werden. "Wir unterstützen Greubel, weil dessen Aktion über diese Region hinaus geht", bestätigt BDM-Chef Schaber. "Ich verstehe auch die Interessen der Ämter, doch über die Köpfe der beteiligten Bauern hinweg sollten solche Entscheidungen nicht getroffen werden", sagt er. Einvernehmliche Lösungen von beiden Seiten seien wünschenswert.

"Ein Problem sind auch die zunehmenden Auflagen zu lasten der Landwirte und die Knappheit der Uferflächen", so Schaber. Verwilderte Bachufer stünden nämlich der landwirtschaftlichen Nutzung entgegen. Erst die bayerische Landesregierung habe den großflächigen Ankauf der Ufer durch politische Entscheidung ermöglicht. "Der Dialog ist wichtig, um einen für beide Seiten akzeptablen Konsens zu finden", zeigt sich MdL Sandro Kirchner (CSU) entgegenkommend. Freilich sollte das Landschaftsbild erhalten bleiben, aber die sinnvolle Bewirtschaftung der Uferstreifen sollte ebenfalls möglich sein. "Der Biber ist zwar ein Problem, spielt aber in der Gesamtlösung eine untergeordnete Rolle", stuft Kirchner die damit verbundene Haftungsfrage von beschädigten Landwirtschaftsmaschinen entsprechend ein. Anlass war ein Schaden in Obererthal von etwa 2000 Euro, als ein landwirtschaftliches Gerät wegen eines eingefallenen Biberbaues zu Bruch ging.

"Wir brauchen jetzt vernünftige Spielregeln, damit sowohl die ufernahe Bewirtschaftung als auch die Belange des Wasserwirtschaftsamtes berücksichtigt werden", meint Kirchner. "Mein Herz schlägt sehr für die Landwirtschaft", bekennt Barbara Becker (CSU), unterfränkische Kandidatin für das Europa-Parlament. Unternehmergerechte Lösungen für die Landwirtschaft seien wünschenswert. "Gern werde ich mich vermittelnd bei den Behörden einsetzen", will sie an der Sache dran bleiben. Volker Partsch (Neue Liste Elfershausen) findet: "Biberschäden sollten bezahlt werden und der Landwirt sollte schonend, also ohne Düngereinsatz, am Ufer bis zehn Meter zum Wasser hin arbeiten dürfen". Als Anrainer kenne er die Problematik, bestätigt Partsch.