Laut Josef Brustmann könnte man Hammelburg sehr einfach aus dem Weltall ausmachen: Der Kran weist den Weg. Zur Freude vieler Kabarett-Interessierter hat der einst in der Nähe von Wolfratshausen Aufgewachsene - der am letzten Sonntag des Jahres 1954 als achtes von neun Kindern das Licht der Welt erblickte - seinen Weg in die unterfränkische Stadt ge-funden.


Schlau kam er daher

20 Jahre Kulturbunt, 20 Jahre hervorragende kabarettistische Vorstellungen: Josef Brustmann ließ die Zuschauer an diesem Abend an allerlei Politischem, allzu Menschlichem und Gesellschaftskritischem teilhaben. Schlau kam er daher, listig, wild und gerissen wie Reineke Fuchs. Dieser Fuchstreff war wahrlich nichts für Hasenfüße, da Brustmann es schaffte, den Knopf bei vielerlei Schwachpunkten der Gesellschaft gekonnt zu drücken: Liebe, Alter, Tod und Tierisches waren in den intensiven zwei Stunden seines Auftritts allgegenwärtig. Brustmanns vermittelte Stimmungen schwankten von melancholisch bis aberwitzig.
Voller Hochachtung vor der eindrucksvollen (Über-)Lebenstüchtigkeit, den Schilderungen der ungastlichen Lebensräume seiner ersten Lebensjahre folgend, konnte man bereits Rückschlüsse auf das spätere Leben des Rotpelzes ziehen. Bekanntlich sind Füchse sehr anpassungsfähig, fügen sich in fast jeden Lebensraum ein, sofern er genug Nahrung und Unterschlupf bietet. Getreu der Bauernregel "Stirbt der Bauer im Oktober, braucht er im Winter keinen Pullover", gab Brustmann so manche alltagstauglichen Tipps. Die Zuhörer erfuhren von viele Stationen aus seinem Leben: von intensiv genossenen und freien Kinder- und Jugendtagen an der Isar, von mangelndem Achselhaarwuchs in der Pubertät, unglücklichen und erfüllenden Liebeleien..., und von Bayern. Bayern, dem Land, das im Süden Fremdenzimmer und in Unterfranken Gästezimmer anbietet. Bayern, dem Mausoleum gescheiterter Kanzlerkandidaten. Tierisches kam zu Tage wie ein ständig kreiselnder Goldfisch namens Hemingway, eherettende Kröten im Schlafzimmer und fast verhungerte Stubentiger. Hier ging er näher ins Detail: Das Katzenfutter-Traumata war Brustmann anzumerken, war es ihm doch unmöglich, in der Zoohandlung wirklich artgerechtes Futter mit der Geschmacksrichtung "Maus" zu bekommen.


Die Zither erklang

Die Zither erzitterte unter ACDC's "Highway to hell" und erfüllte das Wasserhaus mit sanften klassischen und volkstümlichen Melodien. Es war eindrucksvoll, was diesem Instrument unter Brustmanns gekonntem Spiel zu entlocken war. Jedoch nicht nur Saiten- und Blasinstrumente, sondern auch seine Stimmbänder beherrsche er und beeindruckte mit alpenländischen Jodelsequenzen.


Gefahren in der ersten Reihe

Seit Schulzeiten weiß jeder, dass die 1. Reihe immer die Gefahr birgt "dran zu kommen". So auch an diesem Abend. Sei es, um das Interesse an der Vorstel-lung zu hinterfragen, mögliche Beziehungsszenarien eines Paares zu hinterfragen (gilt der Fuchs nicht in Fabeln als Diplomat, der in schwierigsten Situationen immer noch einen Ausweg wusste?) oder zum Mitmachen anzuregen und auf die Bühne zu bitten.
So erging es der blonden und lächelnden Hammelburger Lehrerin Sandra, die sich aus ihrem Berufsalltag gewiss der "1. Reihe-Gefahr" bewusst war. Mutig und gekonnt unterstützte sie Josef Brustmann beim gemeinsamen "Kuhglöckchen-Spiel" und begeisterte Zuhörer und den Kabarettisten mit ihrem Können in dieser raren Kunst.
Josef Brustmann hat einen unverbrämten Blick auf die Welt: Schläue und List scheinen besondere Formen von Wissen zu sein, von Weisheit. Weisheit durchschaut bekanntermaßen Verborgenes und blickt hinter den Schleier der Illusion. Fuchs Brustmann hat die beeindruckende Fähigkeit, diesen Schleier zu zerreißen und das Publikum dankte es ihm mit frenetischem Applaus, der willkommene musikalische und kabarettistische Zugaben bescherte.