Michael Wehrwein, Dekan des evangelischen Dekanats Lohr, hat gut lachen: Zum einen ist er morgen auf den Tag genau seit 25 Jahren im Amt und damit dienstältester Dekan in ganz Bayern, zum anderen sind die Kirchengemeinden in seinem Zuständigkeitsbereich gut aufgestellt. Das war nicht immer so: Wehrwein musste in den vergangenen Jahren immer wieder Gemeinden vertrösten, weil das Pfarrhaus leer stand.

Lösung für Dittlofsroda

Ab März gibt es nach zweieinhalb Jahren Vakanz nun auch wieder für Dittlofsroda eine Lösung. Dann sind die sieben evangelischen Pfarreien im Westen des Landkreises Bad Kissingen alle besetzt. Nur bei der evangelischen Militärseelsorge am Standort Hammelburg tut sich nichts. Die Stelle dort ist seit dem Abschied von Thomas Linder im Jahr 2012 vakant (siehe Text unten). "Aber das fällt nicht in meinen Zuständigkeitsbereich", betont der Lohrer Dekan Wehrwein.
"Wir haben ab 1. März eine gute Lösung für Dittlofsroda", berichtet Wehrwein. Formal übernehme Dr. Katharina Eberlein-Braun die Vertretung der Pfarrstelle. Aktuell ist sie noch Pfarrvikarin in Mittelsinn, daran schließe sich üblicherweise ein dreijähriger Probedienst an. Früher sei das "zur Anstellung" genannt worden, berichtet Wehrwein.
Nach außen sichtbar soll diese Unterscheidung aber nicht sein: "Wir werden beide in beiden Stellen arbeiten", fasst der Weißenbacher Pfarrer Thomas Braun die gefundene Lösung zusammen. Er selbst trat seinen Probedienst am 1. März 2012 an, ist also pünktlich Ende Februar bereit, die offizielle Verwaltung der Pfarrstelle zu übernehmen. "Das Modell, dass ein Pfarrer-Ehepaar zwei Pfarreien betreut, ist nicht ganz neu, aber es wird zum ersten Mal hier in der Region eingesetzt", berichtet Braun.

Ähnliche Ausgangslage

Die Ausgangssituation 2012 in Weißenbach war ähnlich wie jetzt in Dittlofsroda: Zweieinhalb Jahre hatte das Pfarrhaus in Sichtweite des Weißenbacher Schlosses leer gestanden, bevor das Ehepaar Braun mit ihrem damals einjährigen Sohn einzog. In Dittlofsroda wurde Pfarrer Sieghard Sapper im September 2012 verabschiedet, seitdem ist die Stelle vakant.
"Mit den Kirchenvorständen und Gemeinden ist das alles abgestimmt", betont Pfarrer Braun, dass das Modell in den vergangenen Wochen angekündigt wurde. Die Zusammenarbeit sieht er als "Chance für die Region", das Pilotprojekt könne ein Vorbild für andere Landgemeinden sein.
"Die Pfarreien sollen auch zusammenrücken", hofft Braun, stellt aber auch klar, dass es "keine Fusion, sondern eine Kooperation" geben soll. Alle sechs Kirchengemeinden bleiben auch in Zukunft eigenständig. Jenseits der offiziellen Stellen-Aufteilung hat sich das Pfarrer-Ehepaar bereits einen Plan gemacht: "Ich betreue zum Beispiel die Konfirmanden für die ganze Region, meine Frau geht in die Schule", sagt Thomas Braun. Zudem werde er vermutlich mehr mit der Verwaltung zu tun haben und häufiger Gottesdienst halten, weil sein Stellenanteil größer sei. Laut Wehrwein ist zudem vorgesehen, dass ein Stellenanteil von zehn Prozent aus Dittlofsroda mit einer 40-Prozent-Stelle in Hammelburg zusammengefasst wird. Adelheid Augustin, die Frau des Hammelburger Pfarrers Robert Augustin, sei dafür vorgesehen und würde bei Gottesdiensten im Bereich Dittlofsroda aushelfen.

Stelle des evangelischen Seelsorgers noch vakant

2012 verließ der evangelische Militärseelsorger Thomas Linder den Bundeswehr-Standort Hammelburg, seitdem warten die Soldaten vergeblich auf eine Neu-Besetzung. "Wir haben in der Sache bereits nachgefragt, aber keine Antwort bekommen", berichtet Volker Ortloff, Personal-Stabsoffizier am Ausbildungszentrum Infanterie. Das bedauere er: "Die Pfarrer sind für uns ein Bestandteil des psychosozialen Netzwerkes." Immerhin klappte der Übergang in der katholischen Militärseelsorge im Herbst reibungslos: Dort löste der polnische Priester Robert Andrzejczyk (33) im November seinen Vorgänger Stephan Franke ab.
Zuständig für die evangelische Militärseelsorge ist Militärdekan Alfred Gronbach aus München. "Die gute Nachricht ist, dass wir in der laufenden Ausschreibung einen Kandidaten mit guten Erfolgsaussichten haben", sagt er. Die freie Stelle in Hammelburg sei in den vergangenen zweieinhalb Jahren bereits mehrfach ausgeschrieben worden. "Aber wir befinden uns da in Konkurrenz mit anderen Stellen", stellt Gronbach klar.

Auf zwölf Jahre beschränkt

Besetzt werden die Stellen von Pfarrern, die aus der Gemeinde-Seelsorge kommen. Diese "Vernetzung in die Landeskirche und in die Zivil-Gesellschaft" sei ein wichtiger Bestandteil des Vertrages zwischen Kirche und Staat. Militärseelsorge sei ein Sonderdienst, für den der Amtsinhaber Urlaub nehme - begrenzt auf höchstens zwölf Jahre. Militärdekan Gronbach bezeichnet den Dienst als "lohnenswerten Arbeitsbereich mit besonderer Herausforderung". Dazu gehöre unter anderem, dass die Seelsorger in Auslandseinsätze gehen: "Wir teilen das Leben der Soldaten", beschreibt Gronbach die Idee dahinter. Der Pfarrer bleibe zwar Zivilist und gehe ohne Waffe ins Ausland, trage aber Uniform. Auch deshalb besteht Gronbach auf "eine gewisse Erfahrung" bei der Auswahl der Bewerber.
Zwei solcher Auslandseinsätze seien in den ersten sechs Jahren vorgesehen. Vorab gebe es eine ausführliche Einweisung, der erste Einsatz könne frühestens nach einem Jahr angetreten werden. Dann seien die Militärseelsorger allerdings vier Monate am Stück mit den Soldaten vor Ort: "Wir haben zum Beispiel in Mazar-e Sharif eine Kirche", berichtet Gronbach. Deshalb seien selbst die Familien der Bewerber gefordert: "Das muss auch das soziale Umfeld mittragen."

Bedarf bei beiden Konfessionen

Konkret für Hammelburg hofft er in den kommenden Wochen auf eine Entscheidung. Allerdings gebe es auch nach einer Besetzung immer erst eine dreimonatige Probezeit, bevor die Stelle endgültig vom Landesbischof vergeben wird.
"Der Bedarf ist bei beiden Konfessionen da", hofft Ortloff auf eine baldige und langfristige Besetzung. Schließlich kommen die Teilnehmer der Infanterie-Ausbildung und die Angehörigen anderer Einheiten auf dem Lagerberg aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Bundeswehr biete den Soldaten sowohl ärztliche und psychologische Betreuung, als auch Seelsorger an. Ein so genannter Lotse stehe den Soldaten zur Seite, die sich in Notsituationen befinden oder mit einem Trauma aus dem Einsatz zurückkommen. "Der Soldat sucht sich den Ansprechpartner raus, zu dem er das meiste Vertrauen hat", berichtet Ortloff aus dem Alltag. Dabei komme es durchaus auch zu ungewöhnlichen Begegnungen: "Auch Konfessionslose können natürlich zu einem Pfarrer gehen - und werden dort nicht abgewiesen."

Ordination Dr. Katharina Eberlein-Braun wird am Samstag, 21. März, von Gisela Bornowski, Regionalbischöfin im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg, ordiniert.

Ehepaar
Katharina Eberlein-Braun und Thomas Braun haben sich während des Studiums der evangelischen Theologie in Marburg kennen gelernt. Das Pfarrer-Ehepaar hat einen vierjährigen Sohn. Formal hat Thomas Braun eine Dreiviertelstelle in Weißenbach und eine Viertelstelle in Dittlofsroda, seine Frau arbeitet zu je einer Viertelstelle in Dittlofsroda und in der Erwachsenenbildung des evangelisch-lutherischen Dekanats Lohr.

Sie Katharina Eberlein-Braun wurde 1978 geboren und wuchs in der Nähe von Nürnberg auf. Von 1999 bis 2006 studierte sie in Marburg, Berlin und Italien evangelische Theologie. Danach war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni tätig und promovierte parallel. Zum Vikariat war sie in Mittelsinn eingesetzt.

Er Thomas Braun, Jahrgang 1975, stammt aus Kappeln an der Schlei in Schleswig-Holstein, unweit von Flensburg an der Ostsee. Nach seinem Examen im Jahr 2004 arbeitete Braun bis September 2009 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Marburg, ehe er im September 2009 zum Vikariat nach Würzburg wechselte. Zum 1. März 2012 übernahm er die Pfarrstelle in Weißenbach, die vorher zweieinhalb Jahre vakant war.