Trübsal und Sorgen hinaus aus dem Dorf, die "fünfte Jahreszeit" ist angebrochen. Die Faschingsfreunde Aura und mit ihnen eine stattliche Zahl Ortsbürger bestanden auf "einer Pause" von der Dorferneuerung, Baustellen, Problemen und Verkehrsbehinderungen und rissen in einem fulminanten Sturm die Macht im Rathaus an sich.
Bei allem Humor und Narreteien warfen die barbarischen Attentaten in Paris ihre Schatten auch bis in die kleine, unterfränkische Gemeinde. "Wir haben überlegt, ob wir unseren Rathaussturm wegen dieser Ereignisse absetzen sollen. Doch wir wollen uns von solchen Irren nicht das Leben diktieren lassen und glauben die beste Lösung ist es, ihnen keinen Raum zu geben. Dennoch gehört unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme den Betroffenen in Frankreich", betonte Elferrat Hans-Jörg Kaiser.
Bürgermeister Thomas Hack war sichtlich irritiert, als die beträchtliche Schar bunt gekleideter Narren und Bürger vor seinem Amtssitz aufmarschierte. "Was wollt ihr hier, der Martinszug war doch schon", fragte er aus dem Flurfenster des Rathauses.
Da kam er beim Marcel Kaiser vom Sitzungsteam an den Richtigen. Der Wortführer der Aufmüpfigen entgegnete ihm: "Wir legen den Grundstein für ä gescheite Faschingssaison". Als der Rathausobere darauf hinwies, dass im Rahmen der Dorferneuerung schon genug Grundsteine gelegt wurden, schnitt ihm der Stellvertretende Sitzungspräsident das Wort ab. "Ihr habt jetzt Sendepause" beschied Kaiser.
Im Regen verabschiedete er das vorjährige Prinzenpaar und stellte die Majestäten der neuen Saison vor : Julia (Wolf) I. und Daniel (Sauer) I. Als Kinderprinzenpaar residieren Marie (Schmitt) und Johannes (Schaupp) in der bevorstehenden Session.
Auch nach längerem Disput wollte der Bürgermeister den Schlüssel für das Rathaus sowie die gefüllte Kasse nicht herausrücken. "Die völlig überzogenen Sitzungsgelder der Gemeinderäte können wir besser verwenden. Und für euch haben wir auch eine sinnvolle Beschäftigung auf unseren Dorferneuerungs-Baustellen" argumentierte der Rädelsführer.


Nur nicht vegan

"Die zwe Poliziste (Martin Kaiser und Markus Hack) regeln künftig den Verkehr an der Schrenk. Mit dem Berufsschullehrer (Johannes Hammerl) kam mer eigentlich nix anfang. Der soll als Trompeter vom Musikverein die Arbeiter von der Baufirma zur Brotzeit und zum Mittag unnerhalt", und Sozialpädagoge Thomas Klose kann die Anwohner entlang der Baustelle beruhigen, schlug Marcel Kaiser vor.
Die beiden Gemeinderatsdamen Gina Schaub und Moni Kaiser dürfen im Dorfladen die Brotzeit für die Arbeiter herrichten. "Aber kee Grünzeug oder vegane Mist sondern en ordentliche Brocke Fleesch", mahnte der Junior, der seinem Vater, Hans-Jörg Kaiser, die Beaufsichtigung der Baustellen zuteilte, damit daheim sturmfreie Bude ist. Bürgermeister Thomas Hack und sein Stellvertreter, Alfred Graser, beorderte der Naseweis zum Straßenkehren, wobei der eine den anderen beaufsichtigen soll.


Schokotaler in der Kasse

Die Bedenkzeit der Verteidiger war abgelaufen, und die Finte, sich mit der von Schoko-Talern gefüllten Gemeindekasse freizukaufen, zog nicht. Da Hack nach eigenem Bekunden mit seinem Gemeinderat zwar "ordentliche Sitzungen halten kann, aber nicht unbedingt mit ihm in den Krieg ziehen würde", gab er schließlich auf und die Narren und Bürger zogen in die Aula des ehemaligen Schulgebäudes ein, wo Sekt, Bier und ein Imbiss auf sie warteten.