Noch vor einem Jahr sah es an dieser Stelle des Ortes ganz anders aus: Die alte baufällige Milchsammelstelle stand dort über einem Tümpel, in den kein Wasser mehr nachfloss. Jetzt ist der neue Platz an der Weth herausgeputzt und erhielt nun feierlich den kirchlichen Segen.
Ein richtiges Schmuckstück ist er geworden. Gemeinsam feierten die Gauaschacher den Abschluss der seit über 24 Jahren laufenden Dorferneuerung mit der Segnung des Platzes durch Pfarrer Thomas Eschenbacher. Zahlreiche Ehrengäste konnte der Vorsitzende des Fördervereins Dorferneuerung Ortssprecher Edmund Schaupp begrüßen. So waren neben der Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft Eva Kiesekamp vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE), Landrat Thomas Bold, Bürgermeister Armin Warmuth und sein Vorgänger Ernst Stroß, Stadträte, Detlef Mohr von der Bauverwaltung und Vertreter der beauftragten Firmen auch Vertreter aus Diebach, Altbessingen und Reuchelheim-Müdesheim, wo gerade neue Dorferneuerungsprojekte anlaufen, gekommen.
Edmund Schaupp sprach über die Geschichte des Platzes, der als ein Teich, gespeist von den Quellen aus der Weth, seinen Ursprung hat. Der Gänsehirt kam jeden Tag mit den Gänsen des Ortes dorthin. Als Treffpunkt habe dieser Ort so immer schon gedient, auch in späteren Zeiten als Milchsammelstelle. Zuletzt war sie das Vereinsheim des ehemaligen Jugendclubs Milchsammelstelle (MSS). Noch heute gebe es deshalb eine rege genutzte Whats App - Gruppe "Milchbauern" im Ort.
Schaupp erinnerte an die Projekte, die im Lauf der Zeit im Ort umgesetzt wurden und dankte allen Gauaschachern, die sich für die Dorferneuerung mit Rat und Tat einsetzten, vor allem seinen Vorgängern als Vorsitzenden des Fördervereins Hans Liegl und Herbert Engelhardt. "Die Dorferneuerung ist so angelegt, dass eine große Entscheidungsgewalt bei den Bewohnern vor Ort liegt. Ich denke, wir Gauaschacher haben diese Möglichkeiten sehr zu unserem Vorteil genutzt" , sagte er. Das Abschlussdenkmal auf dem neuen Platz, welches Milchkannen mit einer Gans obenauf zeigt, wurde vom Förderverein zur Hälfte mitfinanziert. Schaupp gab bekannt, dass 8000 Euro hierfür gegeben wurden.


Immer wieder verschoben

Eva Kiesekamp vom ALE sprach noch einmal über die lange Anlaufzeit, bis das Projekt "ehemalige Milchsammelstelle" umgesetzt werden konnte. Über zehn Jahre wurden die Planungen immer wieder nach hinten verschoben, meist aus Geldmangel. 1,7 Millionen Euro, davon 1 Million Euro durch die ALE und 700 000 Euro durch die Stadt seien im Rahmen der Dorferneuerung im Lauf von über 24 Jahren nach Gauaschach geflossen. Dazu kämen noch private Investitionen und Kosten für Kanal- und Straßenbau. Das lange Warten und die vielen Umwege hätten am Ende einen Sinn gehabt, denn bei schnellerer Umsetzung hätte man nicht dieses Ergebnis erreicht. Sie sei immer gerne hierher gekommen und habe sich auf die Gauaschacher verlassen können. Ganz abgeschlossen sei die Dorferneuerung noch nicht: Für den Umbau der kürzlich vom Vereinsring erworbenen Raiffeisenhalle seien 150 000 Euro Fördergelder in Aussicht gestellt, die der Vereinsring als Bauträger abrufen könne.


Vorreiter für andere Orte

Bürgermeister Warmuth freute sich über das schöne Denkmal auf dem neuen Platz, das die Geschichte des Platzes treffend wiedergebe. Er lobte die positive Entwicklung des Ortes, was auf viel Eigeninitiative beruhe. Die Jahre der Dorferneuerung hätten die Dorfgemeinschaft zusammengeschweißt. Gauaschach sei für die Zukunft gut aufgestellt und sei diesbezüglich ein Vorreiter für andere Orte mit Projekten, wie sie beispielsweise die Diebacher vorhaben.
Bold unterstrich die Vorreiterrolle Gauaschachs. Auf dem neuen Platz möge die Zukunft ebenso ihren Platz haben wie die Vergangenheit, denn Begegnung brauche Platz. Trotz Strukturwandels könne gerade mit den vielen Bänken im Ort das Dorfleben lebendig gehalten werden.


"Unner Dorf"

Beim vorherigen Ortsrundgang mit dem Vorsitzenden des Vereinsrings Bernd Schaupp konnten sich alle Gäste ein Bild machen, was alles erneuert und vor allem in Eigeninitiative geschaffen wurde. Vom Platz um die Kirche, wo auch die ehemalige Schule saniert wurde, zum Lindenrainplatz, über das Gässle, vorbei am renovierten Kindergarten zum neuen Platz an der Weth, von wo aus die in Eigenregie sanierte Quellenfassung sichtbar ist, über die Schweinfurter Straße zur Gauaschacher Straße- überall sind die Spuren der Dorferneuerung deutlich sichtbar.
Manuela Fuchs trug zum Abschluss der Feierlichkeiten das Mundartgedicht "Unner Dorf" ihres Gauaschacher Großvaters Otto Schmitt aus dem Jahr 1964 vor. Mit Musik von der Musikkapelle zogen alle zur Raiffeisenhalle, wo im Anschluss gefeiert wurde.