Die Outdoor-Ausbildung der Bundespolizeianwärter verlangt Teamgeist, Kreativität und Durchhaltevermögen. Vom Lager Hammelburg geht es zu Fuß über Untererthal nach Reith, und überall warten herausfordernde Aufgaben.
"Meinen 18. Geburtstag hatte mich mir anders vorgestellt, vergessen werde ich ihn wohl nie", lacht David Ofschenka am Ufer der Thulba in Untererthal. David kommt aus Augsburg und ist Polizeimeisteranwärter im Bundespolizeiaus- und Fortbildungszentrum in Oerlenbach. Am heutigen zweiten Tag der Outdoor-Ausbildung musste er - Geburtstag hin oder her - schon im Lager Hammelburg ein Schlammloch überwinden und anschließend mit schwerem Gepäck siebzehn Kilometer bis an die Untererthaler Mühle marschieren.
Gerade hat er mit zwei Kolleginnen und sechs Kollegen aus Rohren, Brettern und Seilen ein Floß gebaut und damit die Thulba überquert. Anleitung wie so etwas geht? Fehlanzeige! Teamleiter Günter Betzen vom Ausbildungszentrum Oerlenbach beobachtet, notiert, gibt aber keine Hilfestellung. So wie hier werden die Teilnehmer an verschiedenen Stationen vor überraschende Situationen gestellt, die Problemlösungsfähigkeit, Belastbarkeit und Selbstdisziplin verlangen.


Im Floß über die Thulba

Auch die Route nach Reith, wo am Abend im Wald übernachtet wird, müssen sich die angehenden Polizisten selbst erarbeiten. "Nach der Karte sind es noch ca. acht Kilometer. Die Blasen drücken, doch ans Aufgeben denkt keiner", meint Tim Schröder aus Offenburg und hilft Katherina aus Balingen mit ihrem Rucksack aus dem wackeligen Floß ans Ufer der Thulba. "Auch morgen wird noch ein harter Tag", ergänzt Jana Disch aus Freiburg. Die Abiturientin wollte nicht in ein Büro: "Der Polizeiberuf hat mich gereizt, weil man viele Möglichkeiten hat", meint die 21-Jährige, der es in Unterfranken fast so gut gefällt wie im Breisgau.
An ihrem Beispiel weist Polizeioberkommisar Hilmar Heppt auf ein weiteres Ausbildungsziel hin: Jana ist verletzt, kann unter Belastung nicht laufen. Sie gehört aber zum Team, und die Gruppe muss organisieren, dass sie trotzdem dabei ist und im Rahmen ihrer Möglichkeiten mithilft. So werden auch Sozialkompetenz, arbeitsteiliges Vorgehen und Teamfähigkeit gefördert.


Keine Feier im Wald

Am Fahrradweg durch den Thulbagrund halten Radler an, interessieren sich für das Geschehen. POK Heppt von der Pressestelle in Oerlenbach gibt gerne Auskunft: Insgesamt 214 Anwärter, darunter 47 Mädchen, durchlaufen in diesen Tagen in 33 Teams die Outdoor-Ausbildung im Raum Bad Kissingen, Bad Neustadt, Kulmbach und Oberhof. Siebzehn Teams davon in und um Hammelburg, Untererthal und Reith. Heppt deutet auf den Hubschrauber, der über der idyllischen Szenerie an der Thulba kreist: "Auch das taktische Verhalten beim Aus- und Einstieg aus Polizeihubschraubern wird trainiert", erklärt er.
Inzwischen haben alle Teammitglieder von Günter Betzen auf dem Floß mit ihrer Ausrüstung übergesetzt, ohne durch den Fluss zu waten oder zu schwimmen, wie es der Auftrag verlangte. Auf der Wiese am anderen Ufer der Thulba bespricht die Gruppe den weiteren Tagesablauf. "Wird nicht ganz einfach", meint Andreas Stömmer aus der Holledau. Die Verpflegung müssen wir selbst organisieren, es gibt nur 5 Euro am Tag, und das Handy musste in der Unterkunft bleiben.


Unvergessliches Erlebnis

Die Nacht im Wald könnte kalt werden. Da wäre ein Schnaps vielleicht nicht schlecht, scherzt Tim Schröder aus Offenburg, wohl wissend, dass Alkohol in diesen Tagen tabu ist. "An eine Feier am Abend ist sowieso nicht zu denken", meint Geburtstagskind David und schaltet seine Helmkamera aus. Das wasserfeste Hightech-Teil ist übrigens kein Geburtstagsgeschenk, wie er verrät: Er hat den Auftrag, den heutigen Tag zu dokumentieren. Manche machen das mit Bildern oder als Vortrag, der Augsburger hat sich von einem Freund die Kamera geliehen. "Mal sehen, was ich alles eingefangen hab'", meint das Geburtstagskind. Es wird wohl ein kreativer Abend im Wald von Reith. "Auf jeden Fall unvergesslich", meint David und wirft sich den Rucksack über.